Eine Familie im Einsatz für den Tierschutz
FREISTADT. Um die Tierschutzstelle Freistadt zu schupfen, hilft die ganze Familie Binder zusammen.

„Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um das zu machen“, lacht Karin Binder. Sie hat 2003 begonnen, obdachlosen Tieren eine Unterkunft zu geben. „Ich habe damals beim Tierarzt gearbeitet und meine Vorgängerin hat die Arbeit bei der Tierschutzstelle beendet. Ich habe ein großes Herz für Tiere und konnte gar nicht anders, als die Aufgabe zu übernehmen. Dass das Ganze so groß wird, war eigentlich nicht geplant“, erzählt die Leiterin des Tierheims/Tierschutzstelle Freistadt. 2007 wurde die Stelle ein offizielles Tierheim, seit 2012 ist Karin Binder über das Land OÖ angestellt. Mittlerweile tummeln sich zirka 250 Tiere auf dem Hof der Familie Binder. Katzen, Hunde, Kaninchen, Ziegen, Schafe, Geflügel, Alpakas, Kühe, Schweine aber auch Wildtiere wie Biber, Rehe und Fischotter finden bei den Binders vorübergehend eine neue Heimat.
Ganze Familie im Einsatz
Dass bei dieser großen Anzahl an Tieren die ganze Familie mithelfen muss, war schnell klar. Karins Töchter Lisa und Tamara haben von Beginn an mitgeholfen, seit 2021 sind sie auch offiziell über das Land OÖ bei der Tierschutzstelle angestellt. Viele der Aufgaben werden dennoch ehrenamtlich von der Familie gemacht. „Anders würde sich das gar nicht ausgehen. Unser Tag beginnt um 4.45 Uhr und geht manchmal bis in die Nacht hinein. Füttern, misten, für Auslauf sorgen, die Hunde trainieren – und kaum ist man fertig, geht alles wieder von vorne los“, erzählt Tierheim-Leiterin Karin Binder. „Wir haben in der Nacht immer das Handy eingeschaltet, falls wir zur Tierrettung ausrücken sollen“, schildert Lisa Binder. „Behördliche Abnahmen und Tierrettungseinsätze sind immer spontan.“
Wildtier-Expertin
Gilt es junge Wildtiere zu betreuen und aufzupäppeln, ist Tamara Binder fast durchgehend im Einsatz. „Die brauchen dann alle zwei Stunden ihr Fläschchen, auch in der Nacht“, sagt Tamara, die Wildtier-Expertin, die sogar manchmal bei den jungen Wildtieren übernachtet. „Wildtiere fixieren sich meist auf eine Person als Ersatz-Mama, darum können wir uns beim Füttern nicht abwechseln. Sie werden außerdem wieder in die freie Wildbahn entlassen, wenn es ihnen wieder gut geht. Da ist es besser, sie gewöhnen sich nicht an zu viele Menschen.“
Schon die Jüngsten helfen mit
Schon die jüngsten Mitglieder der Familie, die zehnjährige Annalena (Tochter von Karin) und Fabian und Jannik (Söhne von Lisa), helfen fleißig mit. „Annalena interessiert sich auch für Wildtiere und hat ein besonderes Händchen für Hunde und Katzen“, erzählen die Schwestern. „Unsere Männer gehen arbeiten, unterstützen uns aber in ihrer Freizeit immer.“ Karins Mann Werner und Lisas Partner Manuel Hofer kümmern sich um die zahlreichen Reparaturen und bewirtschaften die landwirtschaftlichen Flächen. Werner kommt auch als Kutschen-Fahrer öfter zum Einsatz. „Unsere Familie hält gut zusammen, anders ginge das gar nicht. Es gibt auch ein gutes Auskommen mit den Nachbarn. Einer hat uns sogar mal einen Rollstuhl für einen Ziegenbock gebaut. Auch Melanie, Barbara helfen als Ehrenamtliche fleißig mit und Gerald Koller unterstützt beim Hundetraining“, freuen sich die Binders über Hilfe. „Die zahlreichen Spenden aus der Bevölkerung sind ebenfalls eine große Hilfe. Ohne diese könnten wir nicht so viele Tiere betreuen“, sagt Karin. An den Nachmittagen am Wochenende vereinbart die Familie keine Termine zur Tiervermittlung. „Da nehmen wir uns bewusst Zeit für die Familie. Tierrettungs-Einsätze, Abgaben, Notfälle und Tierpflege sind dennoch zu machen.“
„Blaue Flecken gehören dazu“
Ungefährlich sind die Einsätze auch nicht immer. „Blaue Flecken und Kratzer gehören dazu“, sagt Lisa und erzählt von einer abenteuerlichen Jagd auf flinke Emus und Nandus. „Die sind nicht nur schnell, sondern auch schwer. Die niederzuringen ist gar nicht so einfach.“ Gefährlich wird es auch bei behördlichen Abnahmen. „Da standen danach dann schon öfter die Besitzer bei uns am Hof und haben uns bedroht“, sagen die Binders. „Das Schönste an unserer Arbeit ist, den Tieren ein neues, besseres Leben zu ermöglichen.“


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