Erschnuppern nahende Anfälle ihres Frauchens: Assistenzhunde machen einen Top-Job
BEZIRK FREISTADT. Ohne Helfer auf vier Pfoten kann sich Klara ihr Leben gar nicht mehr vorstellen. Die heute 38-Jährige, die an einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung leidet, kann dank ihrer Assistenzhündin Ylvi wieder am Leben teilhaben. Nun ist es für Ylvi aber Zeit, in Pension zu gehen, Nachfolgerin Lilly hat ihren Dienst schon angetreten. Die Kosten von rund 40.000 Euro sind zum Großteil schon aufgebracht.

Ängste, Flashbacks, Panikattacken, Krampfanfälle, das Gefühl, neben sich zu stehen oderkörperlich komplett einzufrieren und bewegungs- und handlungsunfähig zu sein: Klara (vollständiger Name und Wohnort der Redaktion bekannt) leidet nach Jahren, in denen sie sexualisierte Gewalt erlitten hat, an einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung.
Seit 2014 begleitet sie ihre Assistenzhündin Ylvi, ein Labrador-Retriever, die ihr in genau solchen Situationen hilft. „Bevor ich Ylvi hatte, war ich schwerst depressiv und konnte jahrelang die Wohnung nicht mehr verlassen. Allein der Gedanke, hinauszugehen, machte mir Angst“, erzählt die 38-Jährige. Selbst einfache Dinge wie einkaufen zu gehen oder Arztbesuche waren nicht mehr möglich. Ihren Beruf als Krankenschwester musste Klaraaufgeben.
Neue Lebensqualität
Durch Hündin Ylvi, die sie selbst ausgebildet hat („Da stehen Schweiß, Blut und Tränen dahinter!“), erlangte die junge Frau Schritt für Schritt neue Lebensqualität. „Dank ihr traute ich mich wieder, das Haus zu verlassen und neue Spazierwege zu entdecken.“ Die Hündin ist darauf trainiert, den ansteigenden Stresslevel ihres Frauchens zu riechen und es zu warnen, bevor Krampfanfälle oder Zustände des völligen Erstarrens eintreten.
„Mit Ylvis Hilfe kann ich Skills, die ich in der Therapie gelernt habe, rechtzeitig einsetzen und muss nicht mehr ständig mit der Rettung in die Notaufnahme gebracht werden. Mit Unterstützung von Ylvi haben sich die Krampfanfälle von mehrmals am Tag auf ein paar pro Monat reduziert“, erzählt Klara, deren Symptome durch die jahrzehntelang erlittenen Traumata vermutlich nicht mehr zur Gänze heilbar sind.
„Menschenmengen sind für mich auch heute noch ohne Assistenzhund nicht aushaltbar, da sonst sofort die Angst Überhand nimmt und ich eine Panikattacke bekomme. Gerade außerhalb der Wohnung besteht das Risiko, dass ich etwa durch Geräusche, Gerüche oder andere Menschen getriggert werde und einen Flashback erleide. Dabei erlebe ich die traumatischen Erlebnisse wieder, so als würden sie jetzt gerade passieren.“
Lilly löst Ylvi ab
Nun ist Ylvi aber bereits elf Jahre alt und leidet an diversen Alterswehwehchen. Klara: „Ichhabe gemerkt, dass es Zeit für sie ist, in Pension zu gehen. Natürlich darf sie weiterhin bei mir bleiben.“ Lilly, eine Labrador-Goldie-Hündin, ausgebildet von Experten des Animal Training Centers, ist bereits bei ihr eingezogen. Der 40.000 Euro teure, top-ausgebildete Hund hilft, nahende Anfälle frühzeitig anzuzeigen und durch sein Körpergewicht (Fachbegriff: deep pressure therapy) eine auslösende Situation zu unterbrechen und daskörperliche Einfrieren (Stupor) oder Krampfanfälle seines Frauchens zu verhindern.
Drei tierische Begleiter
Neben Lilly und Ylvi gehört auch noch Therapiebegleithund Medic, ein Mischling aus dem Tierschutz, zu Klaras tierischen Begleitern. Ihr Mann hilft ihr gerne mit den Hunden. „Jung-Pensionistin“ Ylvi ist nach wie vor sehr fleißig in ihrer Anzeigeleistung. „Sie hat immer noch Spaß und Freude an der Arbeit und wird auch dafür belohnt, aber sie hat nicht mehr die Hauptverantwortung für mich“, erzählt Klara.
Leserfamilie hilft
„Inzwischen habe ich mit Lilly auch die staatliche Assistenzhundeprüfung am MesserliForschungsinstitut, die einzige Prüfstelle für Assistenzhunde, abgelegt. Sie ist jetzt offiziell ein Assistenzhund.“ Als solcher darf sie Klara auch in Geschäfte, Arztpraxen oder Krankenhäuser begleiten, wo Hunde normalerweise keinen Zutritt haben. Die enormen Kosten für den ausgebildeten Helfer auf vier Pfoten sind zum Großteil finanziert,unter anderem durch Eigenmittel und dank der Hilfe des Vereins Seite an Seite, der sich derFörderung von auf Dauer beeinträchtigten Menschen und dabei vor allem der Ausfinanzierung von Hilfsmitteln wie ausgebildeten Hunden verschrieben hat. Zurvollständigen Finanzierung von Lilly bittet Klara nun die Tips-Leserfamilie um ihre Unterstützung.


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