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Ziegenmilch, Kitzzeit und Familienglück am Bio-Ziegenhof Rinnerberger in Bad Zell

Mag. Claudia Greindl, 31.03.2026 19:00

BAD ZELL. Raschelndes Stroh, zwitschernde Vögel und hie und da ein leises „Määh“, sonst ist es ganz ruhig im Stall des Ziegenhofs Rinnerberger in Lanzendorf. Dabei tummeln sich hier und auf den Weiden zu Spitzenzeiten bis zu 400 weiße Saane-Ziegen und ihr entzückender Nachwuchs.

  1 / 6   Lisa (27) und Thomas (26) Rinnerberger (im Bild mit Söhnchen Felix) führen den Bio-Ziegenhof im Vollerwerb. (Foto: Greindl)

Bei der Ziegenhaltung sind zwei Dinge am wichtigsten, erklärt Thomas Rinnerberger: „Sauberes, trockenes Futter und alle Tore und Zäune doppelt und dreifach absichern.“ Denn Ziegen entwickeln erstaunliche Fähigkeiten beim Öffnen von Riegeln, „und es wird alles angeknabbert, was in Reichweite ist“, weiß der junge Bauer aus Erfahrung.

Gemeinsam mit seiner Frau Lisa hat er im vergangenen Oktober den Bio-Ziegenhof seiner Schwiegereltern Karl und Florentine Rinnerberger, mit Hausnamen „Vorder-Dorfer“, in Lazendorf übernommen. Im März hat Thomas, der selbst von einem Bad Zeller Bauernhof stammt, seinen Beruf als Landmaschinenmechaniker an den Nagel gehängt, um sich ganz der Landwirtschaft zu widmen.

Baby Felix immer mit dabei

„Wir gehen gemeinsam melken“, sagt Lisa. Zwischen halb fünf und fünf Uhr früh und zur selben Zeit am Abend geht es in den Stall. Söhnchen Felix, mittlerweile zwei Monate alt, ist immer mit dabei. In der Mitte des Melkkarussells hängt ein Babybettchen, in dem der kleine Mann entweder selig schlummert oder das Geschehen bereits interessiert mitverfolgt.

Gemolken werden die schneeweißen Saane-Ziegen in Partien zu je 28 Tieren. „Pro Melkvorgang gibt jede Ziege etwa eineinhalb Liter Milch“, erklärt Lisa. Viele von ihnen sind genetisch hornlos, alle anderen werden als Kitze enthornt, um Verletzungen speziell am Euter zu vermeiden. Im Stall sind die Ziegen auf vier Bahnen aufgeteilt. Zur Decksaison gesellen sich drei Böcke zur Herde, die sonst separat in einem Stall untergebracht sind. Gedeckt wird in der Regel alle zwei Jahre, da Ziegen über einen längeren Zeitraum Milch geben, ohne erneut Nachwuchs zu bekommen.

Zur Kitz-Zeit „wurlt“ es

Nach einer Tragezeit von fünf Monaten beginnt die Kitzzeit, während der es ordentlich im Stall „wurlt“. „Heuer ist das erste Kitz am 6. Jänner auf die Welt gekommen“, erzählt Thomas. In der Regel werden Zwillinge geboren, seltener Drillinge. Ziegen sind gute Mütter. Nur ganz selten ist es nötig, Kitze mit dem Fläschchen zu füttern, da andere Tiere als Ziehmütter einspringen. „Und wenn sie größer sind, gehen sie sowieso zu anderen Ziegen Milch stehlen“, erzählt Thomas.

Was mit Milch und Fleisch geschieht

Die weibliche Nachzucht wird am Hof aufgezogen, die Böcklein eine Zeitlang gemästet und dann zur Schlachtung verkauft. „Wir essen selbst gerne Kitzfleisch, weil es zart und saftig ist und sich zum Braten, Backen oder auch zum Grillen eignet“, sagt Lisa. Die Ziegenmilch wird an die Andechser Molkerei geliefert und in Wörgl zu Käse verarbeitet. „Manche holen sich auch bei uns Milch, zum Beispiel für Allergiker oder Kinder mit Neurodermitis.“

Feinschmecker auf vier Beinen

Gefüttert werden die schneeweißen Tiere mit Heu und sehr trockener Silage, dazu kommen sie regelmäßig auf die Weide. „Ziegen wird ja nachgesagt, dass sie heikel sind. Als selektive Fresser suchen sie sich ihr Lieblingsfutter aus“, erklärt das junge Biobauern-Paar, während die Ziegenherde auf die Weide zieht. Ganz eng bleiben die Tiere beisammen, sie bewegen sich wie eine weiße Welle. Bei der Futterernte im Sommer muss auf beste Qualität geachtet werden, um die Ziegen gesund zu erhalten.

Jedes Tier eine Persönlichkeit

„Unsere Ziegen haben alle eine richtige Persönlichkeit, im Negativen wie im Positiven“, lacht Thomas, als sich eines der älteren Tiere an ihn drängt, um mit Vehemenz Streicheleinheiten einzufordern. Als er seinen Beruf zugunsten des Ziegenhofes aufgab, habe es schon kritische Stimmen gegeben. „Es war aber die beste Entscheidung, ich habe mich eingelebt und der Betrieb funktioniert recht gut, außerdem bin ich gerne bei unserem Sohn Felix daheim“, bereut Thomas seinen Schritt nicht. Und dass er den Stau auf dem Weg zur Arbeit nicht vermisst, versteht sich von selbst.


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