30 Jahre Pferdeeisenbahn: Von singenden Kondukteuren bis zum EU-Kommissar per Helikopter
RAINBACH. Seit 30 Jahren bestehen die Pferdeeisenbahn und das Museum in Kerschbaum in der Gemeinde Rainbach. Von Beginn an mit dabei ist Kutscher Franz Stumbauer. Herbert Leisch und Franz Pühringer begrüßen seit rund zwei Jahrzehnten die Gäste bei der Pferdeeisenbahn. Tips hat mit den beiden Kondukteuren über ihre Erlebnisse und Erfahrungen gesprochen.

Tips: Die Pferdeeisenbahn in Kerschbaum feiert ihr 30-jähriges Bestehen. Was war damals Ihre Motivation, sich ehrenamtlich zu engagieren?
Herbert Leisch: Meine Frau hat schon bei der Pferdeeisenbahn gearbeitet und da ein Kondukteur aufgehört hat, hab ich seine Tätigkeit übernommen. Die Arbeit mit den Gästen mach ich wirklich gerne.
Franz Pühringer: Ich hab nach meiner Pensionierung einmal die Pferdeeisenbahn besucht und dachte mir, das will ich auch machen. Da hat mich der Verein schon gehabt.
Tips: Was macht ein Kondukteur bei der Pferdeeisenbahn?
Pühringer: In erster Linie ist er zuständig für die Sicherheit der Fahrgäste, hilft beim Anschirren des Pferdes, hilft den Gästen in den Wagen und ist auch für das Finanzielle zuständig. Das Wichtigste ist aber die Geselligkeit. Mit den Leuten lustig sein, Witze erzählen und Musik machen, das gehört für uns beide einfach dazu.
Leisch: Mit der Musik – ich spiele oft den Leierkasten oder singe – holt man die Gäste ab und gewinnt sie schnell für sich. Die Leute fangen dann auch an mitzusingen oder zu tanzen. Es gibt ganz wenige Gäste, die da nicht mitmachen.
Tips: Die Gäste wollen informiert werden. Woher stammt Ihr Wissen über die Eisenbahn?
Leisch: Das haben wir uns im Laufe der Jahre angeeignet. Bei mir war es etwas einfacher, weil meine Frau schon hier gearbeitet hat. Wir ergänzen uns gegenseitig mit unserem Wissen.
Tips: Gibt es ein besonderes Erlebnis oder einen besonderen Gast, das beziehungsweise der Ihnen in Erinnerung geblieben ist?
Leisch: Ein besonderer Gast war der EU-Kommissar Barnier aus Frankreich, der mit einem Hubschrauber angekommen ist. Er war recht beeindruckt von der Begrüßung in perfektem Französisch von einer Studentin, die an diesem Tag in den Ferien ausgeholfen hat.
Pühringer: Dazu gibt es noch eine lustige Anekdote: Ein Bauer hatte rund um den Landeplatz Heu liegen. Ich hab ihm gesagt, er muss das einfahren, weil ein großer Hubschrauber kommen wird. Er hat es aber leider nicht geglaubt, und so war das Heu danach überall am Bahnhofsgebäude zu finden.
Tips: Was motiviert Sie immer noch an der Arbeit für die Pferdeeisenbahn?
Pühringer: Wir haben eine hundertprozentig gute Gemeinschaft im Verein „Freunde der Pferdeeisenbahn“, die wir auch außerhalb pflegen. Die Geselligkeit darf nicht zu kurz kommen, das ist das Um und Auf in jedem Verein. Aber für mich ist jetzt langsam Schluss, mit 80 Jahren. Es wird einfach beschwerlicher. Ich werde aber bestimmt noch hin und wieder einspringen, wenn ich gebraucht werde. Die Arbeit für die Gemeinde hat mir viel gegeben. Ich komme von der Pferdeeisenbahn oft als anderer Mensch heim.
Leisch: Bei mir wird nächstes Jahr Schluss sein. So lange, wie wir Kondukteure waren, hat noch keiner gearbeitet im Verein. Außer der Kutscher Franz Stumbauer, der ist seit Beginn dabei. Er ist auch ein Geselliger und macht super Arbeit mit den Pferden.
Tips: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Pferdeeisenbahn?
Pühringer: Ich wünsche dem Verein, dass es weiterhin gut läuft und die Beteiligten so motiviert bleiben. Der Vorstand lässt sich immer etwas Neues einfallen, und ich wünsche ihm, dass die Eisenbahn noch einmal 30 Jahre lang besteht.
Leisch: Da kann ich mich nur anschließen. Ich wünsche mir, dass es so weitergeht wie bisher und der Zustrom nicht abreißt.


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