Zwischen Altar, Alarmanlage und Alltagsroutine: Kefermarkterin schließt seit 20 Jahren täglich das Kirchentor
KEFERMARKT. “Hallo! Ist da noch jemand?“ sind die letzten Worte, die täglich bei Einbruch der Dunkelheit in der Pfarrkirche Kefermarkt verhallen. Gerufen werden sie von Martina Mayrwöger, bevor sie das Gotteshaus absperrt. Seit 20 Jahren ist die dreifache Mutter ehrenamtlich fürs Auf- und Zusperren zuständig. Dabei kann sie auch sehen, ob um- und in der Kirche auch alles in Ordnung ist. Von Karlheinz Sandner

Für die im Klinikum Freistadt als Stationssekretärin Beschäftigte ist der Gang zur nahe gelegenen Kirche keine Belastung: „Da ich abends für das Zusperren verantwortlich bin, gehört der Gang zur Kirche zu einer täglichen erholsamen Routine. Die Stille und der Anblick des Altares, den die Abendsonne öfters in warmes Licht taucht, geben mir Zuversicht und Stärke.“
Alarm im Schlafzimmer
Dass sich die Alarmanlage auch nächtens in ihrem Schlafzimmer meldet, stört den Ehefrieden keineswegs. Sicherheitshalber begleitet sie dann Gatte Günther zum „Tatort“, wo das Paar meist vor der Polizei eintrifft. So löste z. B. einmal zur Weihnachtszeit eine Maus im Kripperl dreimal hintereinander Fehlalarme aus.
Rettung durch den Mesner
Trotz höchster Aufmerksamkeit wurde doch einmal eine Gruppe, die sich gerade in der Sakristei befand, eingeschlossen. Kirchenführer Hannes Mitschan erinnert sich: „Nicht ein Stoßgebet zum Kirchenpatron, dem hl. Wolfgang, der auch für unschuldig Gefangene zuständig wäre, rettete uns vor einer Nacht unter Heiligen, sondern der Mesner nach einem Hilferuf per Handy.“
Offen von Sonnenauf- bis -untergang
Ein tagsüber offenes Kirchentor ist nicht überall selbstverständlich. In Kefermarkt können die jährlich über 15.000 Besucher den weltberühmten Flügelaltar vom Auf- bis zum Sonnenuntergang besichtigen. Dies hat auch besondere Bedeutung, da Kefermarkt an der Gotikstraße mit 30 sakralen Bauten im Mühlviertel liegt. Bekanntlich wird diese auch nach Südböhmen erweitert. Ein tagsüber geschlossenes Kirchentor würde dem EU-geförderten Projekt nicht dienen.
Die Klimaanlage Gottes
Nebst dem Kunsterlebnis ist vor allem Besinnung in der Stille und ein Gebet nach persönlichem Bedürfnis möglich. Zudem kann heutzutage der kühle Kirchenraum als „Klimaanlage Gottes“ – mit oder ohne Stoßgebet um baldigen Regen – in der Hitze das Tages Abkühlung verschaffen.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden