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FREISTADT/BEZIRK. Warum feiern wir Erntedank? Und wem danken wir eigentlich dabei? Antworten auf diese Fragen gibt Roland Altreiter, Pfarrassistent in Freistadt.

Roland Altreiter (Foto: NeCH Fotografie/Christoph Neubauer)
Roland Altreiter (Foto: NeCH Fotografie/Christoph Neubauer)

Das Erntedankfest ist kein christliches Fest im eigentlichen Sinne, da es nicht wie Weihnachten oder Ostern auf einem Ereignis aus dem Leben Jesu basiert. Dennoch ist dieses Fest ein fixer Bestandteil im kirchlichen Jahreskreis geworden, weil es den Menschen ein Bedürfnis ist, für die Gaben der Natur zu danken.

Arbeit fürs tägliche Brot

Früher war der größte Teil der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig und musste für das tägliche Brot hart arbeiten. Die Menschen wussten, dass eine reiche Ernte, die sie über den Winter bringen würde, nicht selbstverständlich war und sie als Teil von Gottes Schöpfung verantwortungsbewusst mit ihr umgehen mussten. Mit den Erntedankfeiern brachten die Menschen nicht nur die Freude über die eingefahrene Ernte, sondern auch den Dank über Gottes Fürsorge zum Ausdruck.

Heute laufen wir Gefahr, zu glauben, dass alles machbar ist und wir alles in der Hand haben. Gerade bei Naturkatastrophen oder politischen und wirtschaftlichen Krisen zeigt sich aber immer wieder, wie angewiesen der Mensch auf den Segen der Natur und auf das Wohlwollen der Mitmenschen ist. Darum ist auch die Bitte um unser tägliches Brot trotz Überfluss und Überproduktion eine zutiefst gültige und stimmige Haltung.

Dankbarkeit ist die einfachste und menschlichste Haltung, unsere Anerkennung darüber zum Ausdruck zu bringen, dass uns Voraussetzungen für ein gutes Leben geschenkt sind. In der Ur-Geste des Glaubens gilt dieser Dank Gott, der als „Freund des Lebens“ (Weisheit 11,26) Schöpfer und Erhalter allen Seins ist.

Das Erntedankfest ist Ausdruck des Schöpfungsglaubens, dass alles Leben von Gott kommt und in Gott eingeht. Darum soll der Dank für das Leben, die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit immer auch verknüpft sein mit dem Gedanken des Teilens.

Sorge um die Schöpfung

Angesichts der aktuellen Umweltkrise ist in den vergangenen Jahren immer mehr die Sorge um die Erhaltung der Schöpfung eingeflossen. Zudem hat das Erntedankfest auch eine politische und kulturelle Bedeutung: nämlich jene der weltweiten Solidarität und Fürsorge für Mensch, Tier und Natur.


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