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Bürgermeisterin Paruta-Teufer: „Kann auf politische Wadlbeißerei sehr gerne verzichten!“

Mag. Claudia Greindl, 22.03.2017 10:53

FREISTADT. Der 4. Dezember 2016 hat vieles im Leben von Elisabeth Paruta-Teufer grundlegend verändert. Als Bürgermeisterin der Bezirkshauptstadt ist die Pädagogin nun bereits 100 Tage im Amt. Tips-Redakteurin Claudia Greindl bat sie zu einer Zwischenbilanz.

Bürgermeisterin „ohne Sicherheitsnetz und Fallschirm“: Elisabeth Paruta-Teufer. Foto: Greindl
Bürgermeisterin „ohne Sicherheitsnetz und Fallschirm“: Elisabeth Paruta-Teufer. Foto: Greindl

Tips: Frau Bürgermeister, was hat sich nach Ihrer Wahl in Ihrem Leben verändert?

Paruta-Teufer: Ich habe so viele Termine wie noch nie, die Arbeit ist sehr zeitintensiv, aber auch spannend, aufregend und voller guter Rückmeldungen. Man kann es sich vorher nicht richtig vorstellen, ich vergleiche es gerne mit der Verlobungszeit und mit der Zeit nach der Hochzeit. Nach dem 4. Dezember ist mir schlagartig bewusst geworden: Bürgermeisterin, das bin jetzt ich – ohne Sicherheitsnetz und Fallschirm.

Tips: Wie geht“s der Familie mit der Frau Bürgermeister?

Paruta-Teufer: Mein Mann Davide arbeitet selber sehr viel, er hat mich immer unterstützt und begleitet mich oft bei Terminen. Er ist mit starken Frauen aufgewachsen und hat kein Problem mit meiner Funktion. Mein 16-jähriger Sohn sagt oft: „Mama, triff gute Entscheidungen für Freistadt.“ Auch meine Tochter, sie ist 18, steht voll hinter mir. Sie fordert aber auch ihre Zeit mit mir ein, vor allem am Wochenende.

Tips: Lässt sich Ihr Amt mit Ihrem beruflichen Engagement als Pädagogin noch vereinbaren?

Paruta-Teufer: Ich wusste nicht, wie der 4. Dezember ausgeht und wollte nicht, wie schon mehrmals in meinem Leben, beruflich auf Null herunterfahren. Daher habe ich mir noch 13 Werteinheiten als Administratorin im Gymnasium behalten, werde diese aber nach diesem Schuljahr aufgeben.

Tips: Was ist nach den ersten 100 Tagen am schönsten für Sie als Bürgermeisterin?

Paruta-Teufer: Es lässt sich für die Menschen in der Stadt so vieles bewegen. Viele Anliegen habe ich mir schon vor der Wahl aufgeschrieben. Manches kann ich schnell erledigen, manches braucht mehr Zeit, es war aber auch noch niemand ungehalten, wenn etwas nicht möglich war.

Tips: Was mögen Sie an Ihrem Amt nicht so gerne?

Paruta-Teufer: Auf die politische Wadlbeißerei könnte ich gerne verzichten. Ich habe das Gefühl, manche Gemeinderats-Mandatare sind noch in einer alten Denkweise gefangen, die ist jedoch am 4. Dezember abgewählt worden. Ich gehe nicht mit jeder Idee gleich in den Gemeinderat, zuerst muss ich mich mit den Grundlagen beschäftigen. Das wünsche ich mir auch von den Mandataren. Wenn Forderungen erhoben werden, sollte man in der Materie vorbereitet sein. Das halte ich auch in der Schule so, ich stelle mich nicht völlig blank vor eine Klasse. Als Bürgermeisterin bin ich froh, so gute Mitarbeiter zu haben, die Basisdaten und Entscheidungsgrundlagen vorbereiten. Die Arbeit findet dann in den Ausschüssen statt, der Gemeinderat ist das Gremium der Beurteilung und Beschlussfassung.

Tips: SPÖ, FPÖ, Grüne und WIFF haben Kritik an der Öffentlichkeitsarbeit der Stadtgemeinde geäußert und ein Regulativ dafür gefordert. Wie ist Ihre Haltung dazu?

Paruta-Teufer: Wenn man Einsparung fordert, muss man wissen, wovon gespart werden soll. Die im Prüfbericht vom Jänner 2014 empfohlene Kosteneinsparung ist längst umgesetzt worden, zu mehr als den geforderten 30 Prozent. Leider ist in diesem Bereich sehr viel Unwissenheit vorhanden. Wir werden uns jedenfalls im Stadtrat wieder mit diesem Thema beschäftigen.

Bürgermeisterin Elisabeth Paruta-Teufer im Wordrap:

Sanierung von Frei-/Hallenbad:

Die Planung wird 2017 beginnen, Freitadt hat als Bezirkshallenbad einen Versorgungsauftrag; die Leute wollen aber auch Spiel und Spaß beim Baden, es wird also ein Mittelweg nötig sein.Bei der Finanzierung werden wir auch bei den Nachbargemeinden vorstellig werden müssen, alleine schafft Freistadt das nicht.

Regionale Kooperationen:

Ich glaube, dass wir in Zukunft viel stärker als Region zusammenarbeiten müssen und werde das forcieren. Das betrifft auch die Park & Ride-Anlage, das Radwegekonzept oder die Gründung eines Standesamtsverbandes.

Freistädter Hotelprojekt:

Der Stadtrat beschäftigt sich mit der Ausarbeitung des Baurechtsvertrages, die Änderung des Flächenwidmungsplans ist beantragt. Verhandlungen muss es zwecks Grundtausch für den Lagerplatz der Straßenmeisterei geben.

Zukunft der Landwirtschaftsschule:

Die Schule zieht im Sommer nach Hagenberg um, dann findet dort die Freistädter Berufsschule während der Sanierung des Stammgebäudes ein Quartier. Was die Zukunft von Gebäude und Areal westlich des Spitals als INKOBA-Gebiet betrifft, müssen wir noch mit der Landesimmobiliengesellschaft verhandeln.


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