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Der Buchdrucker frisst sich durch die Wälder: mehr Arbeit, weniger Geld mit "Käferholz"

Mag. Susanne Überegger, 19.08.2017 08:32

BEZIRK FREISTADT. Mit der Forstarbeit kaum nach kommen derzeit die Landwirte im Bezirk Freistadt, vor allem in den südlicheren Gemeinden. Borkenkäfer fressen sich durch die Fichtenbestände, die wirtschaftlichen Einbußen bei „Käferholz“ sind enorm.

  1 / 3   Auf diesem Bild sind die Brutgänge des Buchdruckers gut sichtbar. Zur Eiablage bohren die Käfer Gänge in die Rinde oder in das Holz. Foto: Stollmayr

Er ist 4,2 bis 5,5 Millimeter groß, bohrt Brutgänge vornehmlich in Fichten und seine Larven sind sehr gefräßig: der Buchdrucker aus der Familie der Borkenkäfer. Die Befallsituation verlangt von Waldbesitzern und -arbeitern derzeit einen Arbeitseinsatz in ungekannter Dimension ab.

Beratung für betroffene Landwirte vor Ort

Das niederschlagsarme und heiße Wetter der vergangenen Monate hat die Ausbreitung des Schädlings begünstigt. „Gibt es viel Niederschlag, ist der Baum vital und hat mehr Kraft, den Borkenkäferbefall abzuwehren“, weiß Bernhard Anderl, Forstberater auf der Bezirksbauernkammer Freistadt, der mit seinem Kollegen Günter Affenzeller die Landwirte vor Ort am Hof berät, wie es nach dem Entfernen des „Käferholzes“ weitergehen kann.

Borkenkäfer-Monitoring

„Im heurigen Jahr ist der Buchdruckerbefall doppelt so hoch wie im Vorjahr“, sagt Bezirksförster Martin Speta, den die Borkenkäfer-Problematik momentan von früh bis spät auf Trab hält.

Er betreut für das „Bundesforschungszentrum für Wald“ zwei Monitoring-Fallen in Rauchenödt (Gemeinde Grünbach), die mit unterschiedlichen Lockstoffen bestückt sind – für den Buchdrucker und den Kupferstecher – und einmal in der Wochen kontrolliert und ausgeleert werden (nähere Infos dazu unter www.borkenkaefer.at).

Hohe Fangzahlen in den Schlitzfallen

„Die Schlitzfallen weisen extrem hohe Fangzahlen auf. Interessant ist, dass vornehmlich Kupferstecher in die Falle gehen, man den Befall aber noch nicht bemerkt“, sagt Martin Speta und befürchtet, dass sich auch der Kupferstecher heuer noch ordentlich an den heimischen Fichtenbeständen gütlich tun wird.

„Ich muss die Landwirte loben, sie sind sehr eifrig und bemüht, das befallene Holz aus dem Wald zu bringen“, sagt der Bezirksförster.

Eile ist das Gebot der Stunde

Schnelligkeit ist auch das Gebot der Stunde. „Die betroffenen Bauern sind – mitten in der Erntesaison – beim intensiven Aufarbeiten. Waldarbeit heißt Planen und Arbeiten in Generationen. Bäume, die heute gepflanzt werden, können erst von den Kindeskindern geerntet werden. Schäden, die heute passieren, versorgen zwei Generationen mit viel Arbeit, aber ohne Erträge. Das muss einem in diesem Zusammenhang bewusst sein“, sagt Franz Kepplinger, Obmann des bäuerlichen Waldverbandes.

„Der Mensch allein kann das Problem nicht lösen“

„Der Mensch allein kann die Borkenkäfer-Problematik nicht lösen, die Natur muss uns helfen“, weiß Martin Speta. „Niedrige Temperaturen und leichten Dauerregen würden die Fichten brauchen, damit sie wieder vitaler werden und einen Borkenkäferangriff abwehren können. Ein gesunder Baum versiegelt das Einbohrloch mit Harz. Der Käfer stirbt im Bohrgang an einem Pilz“, erklärt der Bezirksförster.

„Forstwirtschaft lebt sehr stark von Fichten“

Auf lange Sicht sei es wichtig, weg von Fichten-Reinkulturen hin zu stabilen Mischwäldern mit hohem Laubholzanteil zu kommen. „In Lagen über 600 Metern Seehöhe kann auch der Fichtenanteil entsprechend sein. Denn, man darf eines nicht vergessen: Die Forstwirtschaft lebt doch sehr stark von den Fichten.“

Wertminderung durch Blaufärbung des Splintholzes

Durch Buchdruckerbefall entsteht wirtschaftlicher Schaden durch die Wertminderung des Holzes. Buchdrucker tragen Pilzsporen am Körper, die sie auf die befallenen Bäume übertragen. Dadurch kommt es zur typischen Blaufärbung des Splintholzes. Die Färbung bleibt beim Schnittholz bestehen, weshalb es für sichtbare Verbauung nur bedingt eingesetzt werden kann. Deshalb wird vom Buchdrucker befallenes Holz zu verminderten Preisen gehandelt. Die technischen Eigenschaften des Holzes werden durch den Käferbefall nicht gemindert.

„Die Wertminderung beträgt aktuell 30 Prozent“, weiß Forstberater Bernhard Anderl aus Sandl. Statt 92 Euro/Festmeter gibt's für Käferholz aktuell nur 55-60 Euro/Festmeter.


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