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BEZIRK FREISTADT. „Mit 50 arbeitslos zu sein ist eine Katastrophe“, sagt Heidemarie Wagner. Die Freistädterin weiß, wovon sie spricht: Sechs Jahre lang war sie nach einer Umschulung erfolglos auf der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz. „Das kratzt am Selbstwert, man traut sich nichts mehr zu“, kennt man das Problem auch bei der Volkshilfe. Am Tag der Arbeitslosen, 30. April, will man aufzeigen, dass die Arbeitsmarkt-Politik in die falsche Richtung geht.

  1 / 2   Heidemarie Wagner kann über die Aktion 20.000 Büropraxis bei der Volkshilfe Freistadt sammeln. „Ich kann gar nicht sagen, wie glücklich mich das macht.“ Stellvertretend für viele Betroffene hat sie ihr Schicksal offenherzig geschildert, wollte sich aber nicht gerne fotografieren lassen. Foto: Greindl

50 Frauen und Männer hatten noch das Glück, bei der Volkshilfe OÖ im Rahmen der Aktion 20.000 eine befristete Anstellung zu finden. Eine davon ist Heidemarie Wagner, die im Freistädter Volkshilfe-Sozialzentrum im Büro arbeitet. „Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie glücklich man ist, wenn man mit 50 plus wieder im Arbeitsprozess steht“, sagt die Freistädterin.

Aktion 20.000 zu Jahresbeginn eingestellt

Die Krux an der Sache: Das Beschäftigungsprojekt für ältere Arbeitnehmer wurde zu Jahresbeginn von der Regierung eingestellt. „Und das, obwohl derzeit die Wirtschaft boomt und jeder dritte aller rund 400.000 Arbeitslosen in Österreich über 50 Jahre alt ist“, sagt Hans Affenzeller, Vorsitzender der Volkshilfe Freistadt. Im Bezirk Freistadt waren laut Stand von März 2018 sogar 8,7 Prozent mehr über 50-Jährige arbeitslos als im Vorjahr. „Die Aktion 20.000 wäre für diese Gruppe unglaublich wichtig gewesen“, kritisiert Affenzeller.

Erdäpfel-Solidaritätssuppe

Mit der Ausschank eines Schöpfers „brühwarmer Solidaritäts-Erdäpfelsuppe gegen eiskalte Sozialpolitik“ macht die Volkshilfe am Montag, 30. April, von 10 bis 12 Uhr vor dem Volkshilfe-Shop in der Lasberger Straße auf die Schieflage in der Arbeitsmarktpolitik aufmerksam. „Wir erklären uns mit diesem einfachen Gericht bewusst solidarisch mit Menschen, die aktuell keine Arbeit haben und jeden Euro zweimal umdrehen müssen“, sagt Volkshilfe-Bezirkskoordinatorin Barbara Tröls. „Ein mit Wertschzätzung des Arbeitnehmers verbundener Arbeitsplatz ist wesentlich für ein gelingendes, zufriedenes Leben“, fügt sie hinzu.

Keine Antwort, keine Praxis, kein Job

Eine Aussage, die Heidemarie Wagner vollinhaltlich unterschreiben kann. Die gelernte Friseurin, die eine spät aufgetretene Allergie zur Umschulung veranlasste, hat nach ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau hunderte Bewerbungen verfasst. „Oft habe ich nicht einmal eine Antwort bekommen“, ist sie nun umso dankbarer, bei der Volkshilfe die vielfach geforderte Praxis im Büroalltag sammeln zu können. Doch die heile Arbeitswelt ist auf eineinhalb Jahre, den Ablauf der Aktion 20.000, befristet.

Wieder Kundin beim AMS

Wenn die Volkshilfe dann nicht die finanziellen Mittel hat, sie als ständige Mitarbeitern zu übernehmen, wird die zweifache Mutter wieder „Kundin“ beim Arbeitsmarktservice. Daran denkt Wagner mit Schaudern. „Ich habe während meiner Arbeitslosigkeit sogar schon daran gedacht, mich einfach beim AMS abzumelden, aber es fehlen mir durch die Kindererziehung sowieso schon so viele Jahre für die Pension.“

Für Hans Affenzeller ist es unverständlich, dass gerade in wirtschaftlich guten Zeiten bei arbeitslosen Menschen gespart wird. „Projekte wie die Aktion 20.000 wären jetzt leicht zu finanzieren.“


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