Plattform für Menschlichkeit ist enttäuscht: Nur zwei Gemeinden im Bezirk wollen Flüchtlingsfamilien von Lesbos helfen
BEZIRK. „Die Plattform für Kultur und Menschlichkeit“ aus dem Raum Freistadt erhob die Bereitschaft der Bürgermeister aus den 27 Gemeinden im Bezirk Freistadt, Flüchtlingsfamilien aus Lesbos aufzunehmen. Das Ergebnis ist für Aktivist Hans Käferböck „enttäuschend“.

„Wir von der Plattform für Kultur und Menschlichkeit können und wollen nicht akzeptieren, dass Kinder und Familien auf Lesbos unter menschenunwürdigen Bedingungen leben müssen, während in Oberösterreich Quartiere frei sind. Deswegen wollten wir bei den lokalen Bürgermeistern die Bereitschaft eruieren, im Bezirk Freistadt zehn Menschen aufzunehmen“, sagt Aktivist Hans Käferböck aus Freistadt.
Enttäuschendes Ergebnis
„Auf diesen Brief von Ende September folgte etwa drei Wochen später ein Erinnerungsmail“, berichtet Käferböck. „Von 27 Gemeinden erklärten zwei ihre Bereitschaft zu humanitärer Hilfe. Fünf Gemeinden konnten sich eine Beteiligung aus verschiedenen Gründen nicht vorstellen. 20 Bürgermeister hatten offensichtlich keine Meinung oder konnten sich nicht entscheiden. Denn warum sonst hätten sie wohl die schriftliche Anfrage mit frankiertem Antwortformular und das Erinnerungsmail ignoriert?“, ist Käferböck vom Ausgang der Befragung mehr als enttäuscht.
Er appelliert: „Trotz all der Probleme, die wir in Österreich zurzeit haben, dürfen wir die Situation der Flüchtlinge auf den griechischen Inseln nicht vergessen. Auch deren Situation wird durch Corona noch schlimmer!“
Der Brief an die Bürgermeister
Fast täglich erreichen uns Meldungen über die schlimmen Verhältnisse in den Lagern auf griechischen Inseln. Die Lager sind hoffnungslos überfüllt. Die Menschen dort haben keine medizinische Versorgung, nur Ärzte ohne Grenzen leistet Hilfe in Notfällen. Die sanitären Verhältnisse sind schlimm. Bei jedem Wetter müssen Männer, Frauen und Kinder sich stundenlang um Nahrung anstellen. Nach dem Brand im Lager Moria ist die Situation noch schlimmer. Manche warten unter diesen Bedingungen schon jahrelang auf die Erledigung ihres Asylantrages. Hier hat die EU-Politik versagt. Wie so oft verhindern einzelne Staaten EU-weite Lösungen, weil für sie parteipolitische Vorteile in ihrem eigenen Land wichtiger sind. Natürlich ist Hilfe vor Ort ganz ein wichtiger Beitrag. Aber, wie ein Vertreter von Ärzte ohne Grenzen in einem Interview gesagt hat, vor Ort brauche es nicht mehr Zelte und Decken, die Situation könne am besten dadurch verbessert werden, dass Menschen von diesen Inseln weggebracht werden. Und es gibt in Österreich nicht nur in der Bevölkerung die
Bereitschaft, sich für eine Hilfe einzusetzen, es gibt auch Politiker, die bereit wären, Flüchtlinge aufzunehmen, die Stadt Wien etwa 100 Personen. Jetzt meine Idee für mehr Menschlichkeit: Der Bezirk Freistadt erklärt sich bereit, eine kleine Zahl – ich denke hier an etwa zehn besonders hilfsbedürftige Personen (Kinder, unbegleitete Jugendliche, Mütter mit Säuglingen, Kranke) – aufzunehmen. Es gibt Gemeinden, die eine Unterkunft zur Verfügung stellen können, andere Gemeinden können diese dann unterstützen, indem sie zum Beispiel für Verpflegung sorgen, Einrichtungsgegenstände, Kleidung und Betreuung organisieren oder Transporte zu Ärzten und Behörden übernehmen. Ich ersuche Sie, diese Information auch an die anderen Fraktionen Ihres Gemeinderates weiterzuleiten und dann um eine kurze Rückmeldung, ob Sie sich vorstellen können, dass Ihre Gemeinde sich an dieser Aktion beteiligt.
Vielen Dank für Ihre Mitarbeit und freundliche Grüße,
Hans Käferböck im Namen der Plattform


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