Energieautarke Braucommune und CO2-neutral gebrautes Bier

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Mag. Michaela Maurer Tips Redaktion Mag. Michaela Maurer, 24.05.2022 16:46 Uhr

FREISTADT. Die Braucommune in Freistadt und die Linz AG präsentierten die Langfrist-Strategie 2040 für eine energieautarke Braucommune. Als gemeinsames Energieeffizienzprojekt 2018 gestartet, hat sich ihre Zusammenarbeit zu einer strategischen Partnerschaft mit konkreten Zielen entwickelt.

Die Welt befindet sich im Wandel: Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft in unruhige Zeiten geschickt und die geopolitischen Entwicklungen im Ukraine-Konflikt haben diese zusätzlich verschärft. Gleichzeitig ist der Klimawandel in vollem Gange und nimmt keine Rücksicht auf die Dringlichkeit anderweitiger Herausforderungen. „Umso bedeutender ist es, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz zu vereinen – denn nur so werden wichtige Projekte umgesetzt und die Energiewende vorangetrieben“, sind sich Landesrat Stefan Kaineder, der Freistädter Bürgermeister Christian Gratzl, Braucommune-Geschäftsführer Ewald Pöschko, Linz AG-Generaldirektor Erich Haider sowie Bernd Freisais, Geschäftsführer Linz-Energieservice GmbH-Les einig.

Neben einer langfristigen, überregionalen Energie- und Klimastrategie bedarf es daher vor allem auch nachhaltigen Aktivitäten in Industrie und Wirtschaft. Österreich hat sich das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden. „Dafür benötigt es einen massiven Umbau des Wirtschafts- und Gesellschaftssystems – und damit maßgebliche Änderungen, insbesondere im Verkehr, bei Gebäuden, aber auch in der Industrie und Landwirtschaft. Die daraus resultierenden Maßnahmen eröffnen nicht nur Chancen für das Klima, sondern auch für eine positive wirtschaftliche Entwicklung.“

Ein Vorzeige-Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit der Braucommune in Freistadt mit dem Kompetenzzentrum für Energieeffizienz und -beratung der Linz AG, der Linz-Energieservice GmbH-Les. Gemeinsam werden in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess potenzielle Maßnahmen evaluiert, um langfristig CO2-Neutralität zu erreichen. Die Braucommune in Freistadt soll so die erste Brauerei Oberösterreichs mit einem durchgängig „grünen“ Gesamtkonzept werden. Möglich macht dies unter anderem ein innovatives Finanzierungsmodell der LES – das High Performance Contracting.

Chance für innovative Wirtschaft

„Nachhaltigkeit, Innovation und der Fokus auf Regionalität sind Leitmotive in der LINZ AG, die uns als Energie- und Infrastrukturkonzern besonders stark mit der Braucommune Freistadt verbinden“, sagt Linz AG-Generaldirektor Erich Haider. „Klimaschutz ist eine große Chance für die innovative oberösterreichische Wirtschaft. Ich freue mich, dass dies bei der Brauerei Freistadt zur DNA zählt und die ersten großen Schritte auch längst umgesetzt wurden“, so Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder, der auch Vorsitzender der österreichischen Umweltförderkommission ist, die mit verschiedensten Förderinstrumenten Unternehmen am Weg zur Klimaneutralität begleiten.

„Die Braucommune Freistadt hat aus meiner Sicht schon immer sehr innovativ und fortschrittlich agiert. Nach dem Motto der Landesausstellung 2013 ‚Alte Spuren – neue Wege‘ stellt die Braucommune wieder unter Beweis, dass sie bereit ist, neue Wege zu gehen“, sagt Bürgermeister Christian Gratzl. „Gerade in einer Zeit, in welcher der Klimawandel immer mehr zum Thema wird, sind solche Projekte ein ganz wichtiges Zeichen für die Zukunft. Erneuerbare bzw. sanfte Energie zu erzeugen und Seite 4 dadurch für den Eigenbedarf gut aufgestellt zu sein, zeichnet dieses Projekt und somit die Braucommune Freistadt aus. Herzliche Gratulation dazu!“

Verzicht auf Dosen und PET-Flaschen

„Wir denken nicht in Quartalen, sondern in Generationen. Danach richten wir unser Denken und Handeln beim Bauen und Brauen aus und engagieren uns für den Klimaschutz“, sagt Ewald Pöschko. Der Nachhaltigkeit und der Regionalität müsse man künftig noch mehr Gewicht geben: „Deshalb verzichten wir in der Braucommune auch auf Dosen oder PET-Flaschen und vermeiden weitgehend Plastik bei der Umverpackung. 98 Prozent unserer Biere werden in Mehrwegflaschen abgefüllt, die einen zirka 60-fachen Umlauf durchlaufen“, erklärt Pöschko und führt fort: „In der Braucommune wurden sämtliche Leuchtkörper auf LED umgerüstet, eine Wärmerückgewinnung und eine CO2-Wiederaufbereitungsanlage errichtet. Eine 200-kWp- und eine 500-kWp-Photovoltaikanlage sorgen für die eigene Stromproduktion. Durch moderne Brauereitechnik konnte der Energieverbrauch bereits um 50 Prozent reduziert werden. Das Liefergebiet ist die Region – kurze Transportwege verringern den CO2-Ausstoß. Wir sind auf dem richtigen Weg.“

Der Bierbrauprozess ist ein äußerst energieintensiver Vorgang. Während beim Brauen im Sudhaus ein hoher Energieeinsatz in Form von Wärme erforderlich ist, werden bei der Gärung und Lagerung des Bieres große Mengen an Kälteenergie benötigt, um das Bier im Lagerkeller fünf Wochen bei niedrigen Temperaturen reifen zu lassen. Deshalb haben sich die Braucommune und die LES folgende Ziele gesetzt:

  • CO2-Reduktion durch den Einsatz erneuerbarer Energie, die Steigerung der Energieeffizienz und die Digitalisierung der Prozessketten
  • Erhöhung der Betriebssicherheit durch den Einbau modernster Technik
  • CO2-neutral gebrautes Bier: Durch die Umsetzung der geplanten Maßnahmen soll Freistädter Bier CO2-neutral gebraut werden
  • CO2-neutrale E-Mobilität für die Gäste, die Mitarbeiter und den Fuhrpark der Braucommune Freistadt
  • Wirtschaftlichkeit: Die getätigten Investitionen sollen sich durch Einsparungen bei Energie- und Betriebskosten refinanzieren (High Performance Contracting)
  • Erstellung einer Gemeinwohlbilanz zur Dokumentation der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit der Braucommune-Gruppe unter besonderer Beachtung des CO2-Fußabdrucks und einer ressourcenschonenden Produktion
  • Langfristige Energiestrategie 2040: Der Fokus liegt nicht auf der Umsetzung von Einzelmaßnahmen. Erklärtes Ziel ist ein durchgängig „grünes“ Gesamtkonzept. Im Vordergrund steht die Erarbeitung einer langfristigen Gesamtlösung, um in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess eine maximale CO2-Einsparung zu erreichen und diese nachhaltig abzusichern.

Projektphase 1

In der ersten Phase des Projekts haben die Les und die Braucommune Freistadt die Energieeffizienz der gesamten Brauereianlagen optimiert. Diese Phase ist bereits abgeschlossen. Seither werden jährlich rund 150 Tonnen CO2 eingespart. Folgende Maßnahmen wurden bereits umgesetzt: LED-Beleuchtung am gesamten Areal, Sonnenstromerzeugung durch 200-kWp-Photovoltaik-Anlage, Digitalisierung: Mess-, Steuer-, Regeltechnik und Monitoring für die Haustechnik, Wärme- und Kälteerzeugung durch umweltfreundliche Wärmepumpe inkl. Wärmerückgewinnung, E-Mobilität: E-Ladestationen für Gäste und Mitarbeiter

Zwischen September 2019 und Februar 2020, der Projektphase 2, wurde unter der Leitung einer zertifizierten Gemeinwohl-Ökonomie-Beraterin die erste Gemeinwohlbilanz erarbeitet. Durch die Erstellung der ersten Gemeinwohlbilanz ergaben sich neue Denkansätze, die weitere Prozesse und Produktionsabläufe zukünftig beeinflussen. In der dritten Projektphase wurde nach nur einjähriger Bauzeit Ende April das neue Logistikzentrum der Freistädter Brauerei eröffnet. Auf einer Fläche von 24.000 Quadratmetern entstand eine rund 4.200 Quadratmeter große Halle. Auf den Dächern des neuen Firmengebäudes wird künftig eine Photovoltaik-Anlage der Les klimafreundlichen Solarstrom für die Produktion und E-Mobilität erzeugen.

Auszeichnung für Kompetenz im Klimaschutz

Das Projekt brachte im Frühjahr 2022 eine klimaaktiv-Auszeichnung vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie ein. Ausgezeichnet wurde die Umsetzung der Wärmepumpe in Kombination mit einer neuen, energiesparenden Kälteerzeugung inkl. Einbindung in die Mess-, Steuer-, und Regeltechnik. Mit der Prämierung würdigte das Bundesministerium die „Kompetenz und das Engagement im Klimaschutz“ beider Unternehmen.

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