Lehrling droht Abschiebung nach Afghanistan

Andreas Hamedinger Andreas Hamedinger, Tips Redaktion, 05.03.2018 11:28 Uhr

GALLNEUKIRCHEN. Armut, politische und religiöse Verfolgung, ethnische Konflikte, Gewalt. Es gibt zahlreiche Gründe warum Menschen ihre Heimat verlassen und versuchen sich in Österreich eine neue Existenz aufzubauen. Einer davon ist Ali Reza. Doch der 19-jährige Maurer-Lehrling weiß nicht, ob er in seiner neuen Heimat bleiben darf.

Mit 16 flüchtete Ali Reza aus dem Iran. Ließ Familie und Freunde hinter sich und kam nach einer Odyssee durch halb Europa schließlich in das Mühlviertel. „Hier waren die Menschen ganz anders als in der Türkei oder Griechenland. Den Flüchtlingen nicht so ablehnend gegenüber eingestellt“, erklärt Reza. Nach einiger Zeit war für den Hilfesuchenden eines klar, er möchte sich nützlich machen und einen Beruf erlernen. Und schließlich fand er bei der Kapl Bau GmbH in Bad Leonfelden eine Lehrstelle.

Eine Abschiebung droht

„Leider ist es Asylsuchenden nicht erlaubt zu schnuppern, den Beruf also erst einmal kennenzulernen“, erklärt Manfred Eckerstorfer, der Lehrbeauftragte der Firma Kapl, der mit der Leistung Rezas sehr zufrieden ist: „Schon beim Bewerbungsgespräch überzeugte uns der junge Mann. Und jetzt sind wir mit ihm – wie erwartet – sehr zufrieden.“ Dass es für Reza nicht unbedingt leicht war, einen Beruf zu erlernen, versteht sich fast von selbst. Zuerst musste er Deutsch lernen, um in der Berufsschule den notwendigen Unterrichtsstoff auch zu erfassen. Mit Einsatz und Eifer schaffte er es schließlich das erste Lehrjahr abzuschließen. Doch im laufenden Asylverfahren kam nun ein Rückschlag. „Ich habe einen Bescheid erhalten, der eine Abschiebung nach Afghanistan anordnet“, erklärt Reza. Afghanistan daher, da er die Staatsbürgerschaft des Staates am Hindukusch besitzt. Doch wird er nach Kabul abgeschoben, wird er in ein Land gebracht, das ihm so fremd ist wie einem Österreicher die Sahelzone. Und Sicherheit ist ein relativer Begriff, der nach europäischem Standard wohl in Afghanistan nicht erfüllt wird.

Hoffnung auf eine Lösung

„Ich würde gerne in Oberösterreich bleiben und hier weiter arbeiten“, erklärt Reza. Das versteht auch Birgit Augeneder-Köllerer, bei der Reza zurzeit wohnt. Birgit Augeneder-Köllerer: „Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, Menschen zu helfen, wenn sie in Not sind – etwa wenn sie wegen Krieg oder Verfolgung flüchten.“ Nun hoffen alle Beteiligten auf eine erfolgreiche Berufung gegen den Abschiebebescheid. Auch Manfred Eckerstorfer: „Als Unternehmen investiert man viel in einen Lehrling und hofft, dass er der Firma erhalten bleibt. Die momentane Situation ist höchst unbefriedigend und wir hoffen, dass es eine Lösung gibt.“

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