„Ich staune immer wieder, wie viele Leute da bei den Gräbern stehen“
OÖ/URFAHR-UMGEBUNG. Am kommenden Freitag, den 1. November ist Allerheiligen. Einen Tag danach folgt Allerseelen. Worum es bei den beiden Feiertagen geht und welche Bräuche damit verbunden sind, hat der Gallneukirchner Pfarrer Klaus Dopler im Gespräch mit Tips erklärt.

Wir denken an die Menschen, die uns Vorbilder sind mit einem heiligen, heiligmäßigen, mit einem guten Leben, die das in der Nachfolge Jesu glaubwürdig gelebt haben“, sagt Klaus Dopler, Pfarrer aus Gallneukirchen, über die Bedeutung von Allerheiligen. Geschichtlich betrachtet wurde das Fest, das heutzutage am 1. November begangen wird, zunächst eine Woche nach Pfingsten gefeiert – es war somit Teil des Osterfestkreises. Erst später wurde es in Irland auf den Beginn des keltischen Jahres gelegt, was im achten Jahrhundert auch hier übernommen wurde.
Während der Allerheiligentag, wie der Name schon sagt, den Heiligen gedenkt, steht der darauffolgende Tag ganz im Zeichen der Verstorbenen. Mit diesem verbunden ist eine uralte Tradition: der Besuch des Grabes. „Es ist eine ganz alte Sitte, dass man zu den Orten geht, wo die Angehörigen begraben sind. Ich habe das selber in Irland gesehen – diese uralten Kultstätten, die immer mit den Gräbern verbunden waren. Das ist auch im Christentum eine uralte Tradition, dass man den Toten gedenkt, dass man zu den Orten geht, wo sie begraben sind“, erklärt Dopler weiter. Vor Ort werden dann die Gräber geschmückt, es werden Kerzen angezündet und ein Gebet gesprochen. Was die kirchlichen Bräuche betrifft, so gehören dazu übrigens die Liturgie, der Gottesdienst am Allerheiligentag sowie das Totengedenken am Friedhof am nächsten Tag.
Jedes Jahr viele Besucher bei den Gräbern
Was den Gallneukirchner Pfarrer gerade an Allerseelen immer wieder positiv überrascht: „Ich staune immer wieder, wie viele Leute da bei den Gräbern stehen. Da wundere ich mich selber, freue mich, dass das nach wie vor sehr ernst genommen wird“, so Dopler. In Gallneukirchen werde an Allerseelen im Rahmen der Abendmesse vor allem auch noch einmal den Verstorbenen des vergangenen Jahres gedacht. Für jeden werde hier eine Kerze angezündet und der Name vorgelesen, mit dem Fokus, sagen zu wollen: „Wir vergessen auch nicht“.
Nicht-kirchliche Bräuche
Die beiden Feiertage werden aber nicht nur mit kirchlichen Veranstaltungen und dem Besuch des Friedhofs verbunden. Neben Weihnachten und Ostern stehen auch an Allerheiligen das Patenkind und sein Pate im Vordergrund: Am „Godntag“ ist es Brauch, dem Patenkind die „Godnsach“ zu bringen. Das ist vielerorts der „Godnstriezel“ – oder auch „Allerheiligenstriezel“ genannt – oder auch ein kleines Geschenk. „Ich habe das aus eigener Familie nicht gekannt, aber hier erlebt, dass es Sitte am Allerheiligentag ist, dass die Godn zusammenkommen. Ich kenne es eher so, dass sich die Familien nach dem Besuch des Grabes zusammensetzen und dass dann hier kleine Geschenke gegeben werden. Aber auch eher an die Patenkinder“, erzählt Dopler.
Halloween
Überhaupt nichts mit den kirchlichen Feiertagen zu tun habe laut Dopler übrigens das auch in Österreich immer beliebter werdende Halloween. Der Name leite sich von „All Hallows Eve“ – also Vorabend von Allerheiligen – ab und geht auf den keltischen Neujahrstag, eben den 1. November, zurück.


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