Die Natur kennt keine Grenzen: Alpenvereinler wandern zum Urwald bei Zofin

Die Natur kennt keine Grenzen: Alpenvereinler wandern zum Urwald bei Zofin

Gerd SIMON, , 17.05.2019 10:08 Uhr

Großes Interesse herrschte an der Möglichkeit, ausnahmsweise den normalerweise gesperrten ältesten Urwald Tschechiens bei Žofin zu besuchen. Diese Chance gab es am 4. Mai 2019 bei einer 22 km langen grenzüberschreitenden Wanderung vom Nebelstein über Žofin nach Joachimsthal. Organisiert hatte das Event der Alpenverein Freistadt in Kooperation mit dem deutschen Verein Ostwind. Dieser Verein plant seit Jahren ein Projekt, um die Buchenurwälder Europas zu verbinden, und die Abholzungen der Urwälder in Polen, Ukraine und Rumänien zu unterbinden. Die über 4.500 km lange Europäische Urwaldroute ist mit ihren Abschnitten unter www.wild-forest-trail.eu einsehbar.

Die Urwälder Žofínský prales sowie das nahegelegene Hojná Voda existieren seit 1838.  Damals beschloss der Besitzer der Herrschaft Nové Hrady Georg Franz August von Buquoy, der Nachwelt „ein anschauliches Zeugnis längst vergangener Zeiten zu erhalten.“ Er nahm den Berghang aus der Forstbewirtschaftung heraus und verbot darin das Fällen von Bäumen und das Sammeln von Holz.

Fachleute beurteilten das Vorhaben skeptisch: William Rowland, ab 1843 Forstingenieur in Diensten der Buquoys, kritisierte nicht nur die finanziellen Einbußen. Er vermutete auch, der überalterte Wald würde innerhalb von 50 Jahren infolge von Stürmen und Schneelast vollkommen untergehen.

Das ursprünglich 172,6 Hektar große Schutzgebiet schrumpfte Rowland radikal auf 1,7 Hektar ein. Zudem wurden in der verbliebenen Kernzone bis 1882 Totholz und entwurzelte Stämme abtransportiert, und auch nach erneuter Ausdehnung des Reservats ließ sich das Verbot der Holzernte, vor allem während der beiden Weltkriege, nicht durchgehend aufrechterhalten.

Ab 1849 bis in die 1990er Jahre war der Wald außerdem Teil eines Wildgeheges. Das Hoch- und Rehwild verursachte erhebliche Schäden, die vor allem Fichten im Alter bis zu 150 Jahren betreffen und bis heute sichtbar sind. Seit 1991 umgibt ein 2 Meter hoher Zaun 80 % des Reservates und sperrt damit den Zugang für das Hochwild und die Rehe. Schwarzwild dringt dagegen ohne größere Probleme in das Reservat ein. Sein Einfluss auf die Entwicklung wird eher positiv beurteilt, da das Aufwühlen der Bodendecke die natürliche Verjüngung unterstützt.

In Buquoys Wald dominierte ursprünglich die Weißtanne, zugemischt waren Fichte und Buche, vereinzelt traten Bergahorn und Bergulme auf. Nach Gründung des Reservats 1838 starben die Tannen allmählich ab und in einer Übergangszeit bildeten Fichten den Hauptbestand. Gleichzeitig begann der Aufstieg der Buche, die heute über 80 % des Baumbestandes ausmacht. (Quelle: Wikipedia)

Bernhard Riepl aus Kaplitz dolmetschte die Urwaldführung von Tschechisch auf Deutsch für die über 20 Teilnehmer, auch aus benachbarten Sektionen des Alpenvereins Waldviertel, wie Rohrbach und Freistadt. Die Führung hatte die tschechische Naturschutz-Agentur Südböhmen übernommen. Der Förster Petr Lepší  lies über nicht vorhandene Wege durch einen „Zauberwald“ alte Baumriesen bestaunen und berichtete von den zahlreichen Forschungsarbeiten, z. B. das Beobachten der wechselnden Stammdicke über den Tages-/Jahresverlauf. Auch die Auswirkungen des Klimawandels waren ein Thema.

Am nächsten Tag wurde die Europäische Urwaldroute als mögliches Interreg-Projekt bei der Aktiv-Messe in Rohrbach neben anderen Projekten vorgestellt, wo bereits viele Besucher durch die Öffentlichkeitsarbeit der vergangenen Jahre Kenntnis vom Urwaldroutenprojekt hatten. In dieser Region werden zur Bayrischen Au und zum Urwald Boubin am 5. und 6. Oktober 2019 die nächsten naturkundlichen Wander-Veranstaltungen stattfinden.

Die genaue Beschreibung des Žofin-Weges ist auf alpenvereinaktiv verfügbar.

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