"Verein gegen Tierfabriken" deckt weiter auf: nun auch grauenhafte Bilder der Zucht der Skandal-Schweinefabrik
NÖ. Vor einer Woche veröffentlichte der Verein gegen Tierfabriken (VGT) grauenhafte Filmaufnahmen aus einer Schweinemast mit Vollspaltenboden (https://www.tips.at/n/504572) ohne Stroheinstreu in Lichtenwörth, Niederösterreich, die ihr Fleisch in einem sogenannten Bauernkistl im Ort mit der Bezeichnung „aus artgerechter Haltung“ und mit AMA Gütesiegel verkauft. Heute legt der VGT nach:

nun liegen auch Bilder aus der Zucht dieses Betriebs vor, auf denen man die Mutterschweine in enger Haltung auf Vollspaltenboden ohne Stroheinstreu, im Deckstall in geschlossenen Kastenständen und im Abferkelstall in körpergroßen Käfigen sieht. Der Zuchteber liegt in einer völlig verdreckten Bucht auf Betonboden ohne Stroh und ohne jede Struktur oder abwechslungsreiche Umgebung, obwohl das Gesetz eine weiche Liegefläche vorschreibt. Aus der schieren Anzahl der Ferkel kann man darauf schließen, dass es der Betrieb auf Maximierung der Fleischproduktion, und nicht auf das Wohl der Ferkel abgesehen hat. Dieser Zuchtbetrieb befindet sich direkt hinter der Biokistl-Verkaufsstelle in Lichtenwörth und hält zusammen mit dem Mastbetrieb fast 4.000 Schweine.
Die Haltungsbedingungen sind am absoluten Minimum, das die EU erlaubt. Und das nennen die Betreiber „artgerechte Haltung“ und „artgerecht aufwachsen“ der Ferkel.
Betrieb brüstet sich mit AMA Gütesiegel
Zusätzlich ist der Betrieb mit dem AMA Gütesiegel ausgestattet.Der VGT kritisiert, dass dieses Siegel viel zu wenig die Bedürfnisse der Tiere in Betracht zieht. Auszeichnen sollte man nur einen Betrieb dürfen, der eine deutlich bessere als die Haltung der Schweine am EU-Minimum praktiziert. Der VGT fordert von der AMA, für ihr Gütesiegel keine Betriebe mit Vollspaltenboden und ohne Stroheinstreu zuzulassen.
VGT-Obmann Martin Balluch: „Sehr viele Menschen landauf landab, und nicht zuletzt auch Landwirt_innen, setzen sich für eine bessere Haltung von Schweinen ein. Und dann kommt dieser Betrieb daher, hält seine Schweine so schlecht, dass es mieser nicht mehr geht, und verkauft das Fleisch als artgerecht! Das ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Menschen, der sich für Tiere einsetzt, und dem eine wirklich artgerechte Haltung von Tieren wichtig ist. Mit solchen Tricks und Betrügereien werden alle Bemühungen für eine bessere Tierhaltung unterlaufen. Wie kann man denen, die die Schweine wirklich besser halten, das glauben, wenn solche Betriebe ihre Haltung ungestraft als artgerecht bezeichnen können und ein AMA-Gütesiegel bekommen?!“


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18.04.2020 14:49
Untragbar!
Bild und Text sagen eigentlich schon alles: Solche Zustände sind untragbar. Diese Art der Tierhaltung gehört verboten, ohne Kompromisse. Denn leider ist der Skandalbetrieb kein Einzelfall, sondern traurige „Normalität“ im selbst ernannten „Feinkostladen Europas“: Fast 60 Prozent der Schweine in Österreich verbringen ihr kurzes, trauriges Leben auf Vollspaltenböden. Was die Tragik ins Unendliche steigert: Entgegen aller Klischees sind Schweine kluge, verspielte und feinfühlige Zeitgenossen. Sie erkennen sich selbst im Spiegel, spielen Computer und bauen ihrem Nachwuchs ein Nest aus Stroh. Auf Stress reagieren sie ähnlich wie wir Menschen. Und schmutzig sind sie auch nicht, im Gegenteil. Weil sie nicht schwitzen können, lieben sie ein kühles Bad. Manchmal auch im Schlamm, um ihre empfindliche Haut vor der Sonne zu schützen. Aber niemals würden sie freiwillig dort schlafen, wo sie aufs Klo gehen. Und doch: Jetzt, in dieser Minute, vegetieren Abertausende Tiere in Exkrementen, Gestank und Schmerz dahin, weil es eine andere, angeblich intelligentere Spezies nach billigen Schnitzeln gelüstet. Wir alle tragen Verantwortung. Hand aufs Herz: Sind fünf Minuten Fleischgenuss wirklich ein triftiger Grund, diesen liebenswerten und feinfühligen Wesen solches Leid anzutun? Im Jahr 2020 gibt es jede Menge Alternativen. Außerdem: Nichts schmeckt so gut wie ein gutes Gewissen. Unser Einkaufszettel ist unser Stimmzettel.