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Kinderärztin Waltl: „Es war schrecklich, dass wir den Kindern nicht mehr helfen konnten“

Mag. Lisa-Maria Laserer, 28.01.2025 20:00

SALZKAMMERGUT. Ein Masernfall im Skigebiet Dachstein West in Gosau hat das Thema Impfungen wieder ins Zentrum der öffentlichen Diskussion gerückt. Experten warnen vor einer wachsenden Zahl von Maserninfektionen und anderen vermeidbaren schweren Krankheiten.

Alle Impfstoffe werden strengen Tests unterzogen. (Foto: stock.adobe.com/Viacheslav Yakobchuk)
  1 / 2   Alle Impfstoffe werden strengen Tests unterzogen. (Foto: stock.adobe.com/Viacheslav Yakobchuk)

Die Zahl der Masernfälle in Österreich steigt seit Jahren deutlich an. Während es 2017 lediglich 77 gemeldete Fälle gab, wurden 2024 bereits 542 Infektionen registriert. Im laufenden Jahr 2025 sind bisher 23 Fälle bekannt. Masern gehören zu den ansteckendsten Krankheiten. Übertragen wird die Krankheit durch Tröpfcheninfektion, selbst über mehrere Meter hinweg. Folgen der Akuterkrankung sind hohes Fieber, massiver Husten, Bindehautentzündung und ein rotfleckiger Ausschlag. Begleiterkrankungen wie Mittelohrentzündung und Lungenentzündung sind sehr häufig, eine Gehirnhautentzündung ist die schwerste Komplikation. Auch das Immunsystem ist nach Masern über Jahre geschwächt, was das Risiko für andere schwere Erkrankungen erhöht. „Ohne Impfschutz stecken sich 95 von 100 Personen bei Kontakt mit dem Virus an“, erklärt Dr. Ulrike Waltl, Kinderärztin aus Bad Goisern und Impfreferentin der Ärztekammer Oberösterreich.

Warum Impfen wichtig ist

„Impfen ist seit der Entwicklung von Impfstoffen ab dem 18. Jahrhundert das wichtigste effektive Mittel, um Menschen vor gefährlichen Infektionskrankheiten zu schützen“, so Waltl weiter. Dadurch wurden Epidemien eingedämmt und Millionen Menschenleben gerettet. Der österreichische Impfplan empfiehlt eine Grundimmunisierung gegen schwere Infektionskrankheiten bereits im Säuglingsalter.

Strenge Tests

„Impfstoffe sind strengen Tests unterzogen und Impfreaktionen sind in der Regel mild und schnell vorbei – im Gegensatz zur echten Erkrankung. Sachliche ärztliche Aufklärung ist wichtig, um Nutzen und Risiko sorgfältig abwägen zu können. Impfschäden sind aufgrund der laufenden Verbesserung der Impfstoffe sehr selten und werden genauestens untersucht und auch entschädigt“, erklärt Waltl. In Österreich wurden zwischen 2014 und 2023 über 10,5 Millionen Impfungen im kostenfreien Impfprogramm verabreicht (exklusive den Covid-Impfungen). Im selben Zeitraum wurden nur sieben Impfschäden anerkannt.

Wie Impfungen wirken

„Impfstoffe stimulieren das Immunsystem, indem sie abgeschwächte oder Teile von inaktiven Krankheitserregern präsentieren. Dies regt die Bildung von Antikörpern und eines sogenannten Immun-Gedächtnisses an. Bei Kontakt mit dem echten Erreger kann der Körper die Infektion so schnell und effektiv bekämpfen“, erklärt Waltl die Wirkungsweise.

Gefahren bei fehlendem Impfschutz

Wer nicht geimpft ist, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch andere. Für Säuglinge, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem besteht ein besonders hohes Risiko. Impfungen schützen nicht nur den Einzelnen, sondern auch die Gemeinschaft. Dieser sogenannte Gemeinschaftsschutz tritt ein, wenn über 95 Prozent der Bevölkerung immun sind. So können manche Krankheiten langfristig ausgerottet werden.

Impfskepsis und ihre Folgen

Trotz der hohen Wirksamkeit und Sicherheit moderner Impfstoffe gibt es immer wieder Vorbehalte gegen Impfungen. Studien zeigen, dass Impfskepsis während der Corona-Pandemie zugenommen hat, was zu Impflücken und einer Zunahme vermeidbarer Krankheiten geführt hat. 2024 wurden in Österreich über 15.000 Keuchhustenfälle registriert, darunter ein Todesfall bei einem Säugling. „In meiner Ausbildungszeit an der Kinderklinik Linz haben wir zwei Kinder im Volksschulalter auf der Station gehabt. Sie hatten im Säuglingsalter Masern durchgemacht. Jahre später waren sie nun an der von der Maserninfektion verursachten Gehirnentzündung erkrankt, die mit schwersten Krampfanfällen einhergeht und immer tödlich verläuft. Es war ganz schrecklich zu wissen, dass diesen Kindern nicht mehr geholfen werden kann“, schildert Waltl eines ihrer drastischsten Erlebnisse als Kinderärztin.

Risikoreduktion

Eine wichtige Impfung ist unter anderem die Masern-Mumps-Röteln-Impfung. Sie ist ab dem vollendeten neunten Lebensmonat möglich und besteht aus zwei Dosen. Sie ist ausgezeichnet wirksam und gut verträglich. Beim Impfpass-Check kann eine fehlende zweite Teilimpfung jederzeit ergänzt werden – kostenfrei und unkompliziert über den Hausarzt, Kinderarzt oder die Gesundheitsämter.

„Ich kann nur sagen: Schützen Sie sich selbst und Ihre Lieben vor schweren Infektionskrankheiten“, appelliert Waltl abschließend.


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01.02.2025 15:52

542 Infektionen im Jahr 2024

Es waren 542 Infektionen im Jahr 2024 in ganz Österreich, bei einer Einwohnerzahl von über 9.000 000 Einwohner hat! Ist doch lächerlich Warnungen auszugeben.

Antworten
Michael G.
Michael G.
04.02.2025 18:12

Sinnvolle Warnung

542 vermeidbare Fälle, mit möglicherweise schweren Verläufen. Die Zahl ist wohl gering weil die meisten doch geimpft sind und nicht russisches Roulette mit dem Leben ihrer Kinder spielen wollen.

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