Primaria Becker: „Es geht um den gesamten Menschen mit seiner Lebensgeschichte“
GMUNDEN. Tips stellt zum Weltfrauentag Reinhild Becker in den Fokus. Die 45-Jährige wurde soeben zur neuen Leiterin der Abteilung für Akutgeriatrie und Remobilisation am Salzkammergut Klinikum Gmunden der Oberösterreichischen Gesundheitsholding bestellt. Im Porträt erzählt die dreifache Mutter, wie sie Karriere und Familie vereint, was ihr im Beruf wichtig ist und wie sie Kraft schöpft.

Reinhild Becker lebt mit ihrem Mann und den drei Kindern im Alter von 13, elf und acht Jahren in Gmunden. Geboren wurde sie in Linz, wo sie auch das Gymnasium besuchte. Schon früh war für sie klar, dass sie einen sozialen Beruf ergreifen möchte. Zwei Onkel, beide als Ärzte tätig, gaben ihr bereits in jungen Jahren Einblick in den medizinischen Alltag und vermittelten ein realistisches Bild von Verantwortung, Belastung und Sinnhaftigkeit dieses Berufs. Nach der Matura entschied sich Becker für das Studium der Humanmedizin in Wien. Bereits während des Studiums war ihr der direkte Kontakt zu Patienten wichtig. Sie nutzte jede Möglichkeit, praktische Erfahrungen zu sammeln, und absolvierte zahlreiche Praktika in verschiedenen Krankenhäusern in Oberösterreich. Diese Zeit bestärkte ihren Wunsch, klinisch tätig zu werden.
Nach Abschluss des Studiums begann sie ihre Ausbildung zur Ärztin für Allgemeinmedizin am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Ried im Innkreis. Dort entwickelte sich auch ihr besonderes Interesse an der Betreuung älterer Menschen. Dieses vertiefte sie durch gezielte Fortbildungen im Bereich der Geriatrie.
Ein prägender Schritt folgte mit dem Beginn der Facharztausbildung für Innere Medizin an der Abteilung für Akutgeriatrie und Remobilisation in Gmunden. Nach Abschluss der Ausbildung entschied sich Becker bewusst für die zusätzliche Spezialisierung in der Geriatrie. Mit der aktuellen Bestellung zur Abteilungsleiterin übernimmt sie nun Verantwortung für die Weiterentwicklung dieses Bereichs.
Medizin mit Blickauf den Menschen
Die Arbeit mit älteren Patienten empfindet Becker als besonders anspruchsvoll und bereichernd. In der Geriatrie gehe es nicht nur um einzelne Diagnosen, sondern um den gesamten Menschen mit seiner Lebensgeschichte, seinen Ressourcen und seinen Herausforderungen. Häufig bestehen mehrere chronische Erkrankungen gleichzeitig, die eine sorgfältige Abstimmung der Therapien erfordern.
Neben der medizinischen Stabilisierung stehen Mobilität, Selbstständigkeit, soziale Einbindung und Lebensqualität im Mittelpunkt. Entscheidende Faktoren seien eine differenzierte Therapieplanung, das genaue Beachten von Wechselwirkungen und Nebenwirkungen sowie die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit. „Ärztliche Tätigkeit bedeutet Verantwortung und Vertrauen zugleich“, so Becker.
Organisation zwischenKlinik und Familie
Der berufliche Weg fällt in eine intensive Familienphase. „Mein Mann und ich leben eine gleichberechtigte Partnerschaft und wir teilen uns die Verantwortung für unsere drei Kinder bewusst“, erklärt die Primaria. Als selbstständiger Architekt bringt sich ihr Mann flexibel in den Familienalltag ein. Verlässliche schulische Nachmittagsbetreuung sowie Unterstützung durch Mutter, Schwiegermutter und das Umfeld sorgen für zusätzliche Stabilität. Auch in herausfordernden Situationen, etwa bei Krankheit eines Kindes, hilft eine gut abgestimmte Organisation.
Becker sieht darin eine Voraussetzung, um berufliche Verantwortung mit Konzentration und Freude wahrnehmen zu können. „Meinen Kindern möchte ich mitgeben, ihren eigenen Weg mit Überzeugung zu gehen, Verantwortung zu übernehmen und sich gesellschaftlich zu engagieren“, sagt die dreifache Mutter.
Ausgleich findet Reinhild Becker bei handwerklicher Arbeit, im Garten oder bei ruhigen Momenten mit einer Tasse Tee und einem Buch oder Hörbuch. „Am wichtigsten ist mir in meiner Freizeit aber meine Familie. Wir verbringen bewusst Zeit miteinander – beim Spielen oder bei gemeinsamen Unternehmungen. Dieses Zusammensein gibt mir Kraft und ist für mich der wichtigste Ausgleich zum Berufsalltag“, so Becker abschließend.


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