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Frühjahrssonne als unterschätzte Gefahr im Straßenverkehr

Mag. Lisa-Maria Laserer, 11.03.2026 10:04

BEZIRK. Mit den ersten warmen Tagen nimmt auch das Risiko im Straßenverkehr zu. Besonders in den Morgen- und Abendstunden kann die tiefstehende Frühjahrssonne zu gefährlichen Blendungen führen. Verkehrszeichen, Ampeln, Fußgänger, Radfahrer oder entgegenkommende Fahrzeuge werden dadurch häufig deutlich später oder gar nicht erkannt.

Die tiefstehende Frühjahrssonne kann zu gefährlichen Blendungen im Straßenverkehr führen. (Foto: ÖAMTC)

„Schon wenige Sekunden ohne klare Sicht können dramatische Folgen haben. Wer bei 50 km/h nur eine Sekunde nichts sieht, legt fast 14 Meter im Blindflug zurück – bei 100 km/h sind es rund 30 Meter“, warnt Marion Seidenberger, Verkehrspsychologin beim ÖAMTC. „Besonders tückisch sind Situationen, in denen man nach Kurven oder bei Tunnelausfahrten aus dem Schatten in gleißendes Licht fährt. Darüber hinaus sind nun auch wieder vermehrt Motorrad- und Fahrradfahrende unterwegs. Ihre schmale Silhouette wird bei starkem Gegenlicht leicht übersehen – genau wie die von Fußgänger:innen. Zudem wird laut ÖAMTC-Untersuchung an Kreuzungen besonders die Geschwindigkeit von Motorradfahrer:innen oft unterschätzt, blendendes Licht kann diesen Effekt zusätzlich verstärken.“

Im Jahr 2024 kam es österreichweit zu 1.720 Unfällen mit Personenschaden durch blendende Sonne. Dabei wurden 416 Menschen schwer verletzt und 17 Menschen getötet. Grundlage sind Daten der Statistik Austria, ausgewertet vom ÖAMTC. Laut Seidenberger steigen die Unfallzahlen im Frühjahr deutlich an. Ab April erhöhe sich die Zahl der Unfälle bei blendender Sonne deutlich. Während im März 57 Unfälle registriert wurden, waren es im darauffolgenden April bereits 192. Über den Sommer bleibe das Niveau in der Regel konstant hoch.

Tempo reduzieren und Abstand vergrößern

Bei eingeschränkter Sicht sei es besonders wichtig, Geschwindigkeit und Fahrweise anzupassen. „Wer geblendet wird, braucht Zeit, bis sich das Auge wieder an die Lichtverhältnisse angepasst hat. In dieser Phase ist das Unfallrisiko besonders hoch“, erklärt die Expertin. Sie empfiehlt daher, das Tempo zu reduzieren, ausreichend Abstand zu halten und besonders vorausschauend zu fahren. Wird das Fahrverhalten nicht an die Sichtverhältnisse angepasst, können auch versicherungsrechtliche Konsequenzen drohen. Es kann zu Leistungskürzungen durch die Versicherung kommen. „Blendung ist grundsätzlich keine Ausrede. Wer weiß, dass die Sonne tief steht, muss sein Fahrverhalten umgehend anpassen“, so Seidenberger. Auch mit der Sonne im Rücken bleibe ein Risiko bestehen, da entgegenkommende Verkehrsteilnehmer geblendet werden könnten.

Sonnenblende, saubere Scheiben und gute Sicht

Als erste Maßnahme bei blendender Sonne sollte die Sonnenblende verwendet werden. Zusätzlich empfiehlt es sich, eine Sonnenbrille griffbereit im Fahrzeug zu haben. Entspiegelte oder polarisierte Gläser können störende Lichtreflexe deutlich reduzieren, insbesondere auf nasser Fahrbahn oder spiegelnden Oberflächen. „Wichtig ist jedoch auch, die Sonnenbrille abzunehmen, sobald die unmittelbare Blendungssituation vorbei ist, um eine unnötige Abdunkelung der Umgebung zu vermeiden“, stellt die Verkehrspsychologin klar.

Ebenso entscheidend ist eine saubere Windschutzscheibe innen und außen. Schmutz, Schlieren oder Staubpartikel streuen das einfallende Licht und verstärken die Blendwirkung zusätzlich. Regelmäßig nachgefülltes Scheibenwischwasser hilft, rasch für klare Sicht zu sorgen. Eingeschaltetes Abblend- oder Tagfahrlicht erhöht außerdem die eigene Sichtbarkeit. Wer regelmäßig unter starker Lichtempfindlichkeit oder schmerzenden Augen leidet, sollte dies augenärztlich abklären lassen.


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