Nico Blazewicz aus Ohlsdorf sitzt mit 16 Jahren schon alleine im Cockpit
OHLSDORF/GSCHWANDT. Mit 16 Jahren denken viele vielleicht erst einmal an das Mopedfahren oder den Autoführerschein. Nico Blazewicz aus Ohlsdorf denkt da ein bisschen anders: Parallel zur Tourismusschule absolvierte er seine Ausbildung beim Fliegerclub Traunsee – und darf nun mit seiner Lizenz für Motorsegler selbst abheben. Tips hat mit ihm gesprochen.

Die Begeisterung für Flugzeuge begleitet Nico schon lange. Bereits im Volksschulalter faszinierten ihn die Maschinen. „Es gibt kein Foto von Nico ohne Flugzeug“, erzählt auch seine Mutter Alicja Blazewicz.
Mit 14 Jahren wurde seine Begeisterung durch einen Besuch der AirPower und seine Leidenschaft für die Flugzeugfotografie neu entfacht. Zum 15. Geburtstag schenkte ihm seine Mutter einen ersten Flug mit seinem späteren Fluglehrer Helmut „Heli“ Hügelsberger vom Fliegerclub Traunsee. Danach war für Nico klar: Er möchte die Ausbildung machen.
Mehr als ein Jahr zwischen Schule und Flugplatz
Rund ein Jahr und drei Monate dauerte seine Ausbildung. Dabei musste Nico Schule und Fliegerei unter einen Hut bringen. Die Ausbildung ist zudem stark vom Wetter abhängig. Neben zahlreichen Flugstunden und Landungen standen auch rund 40 Stunden Theorie auf dem Programm. „Zuerst wird mal geflogen, dann die Theorie gelernt. So kann man es sich viel besser vorstellen“, sagt Nico. Gerade am Anfang war das Fliegen auch körperlich fordernd, schildert der 16-Jährige: „Am Anfang war ich bei sieben Landungen schon sehr müde, ein halbes Jahr später machte ich zehn und ich war nicht müde.“
Als größte fliegerische Herausforderung beschreibt Nico, das Flugzeug anfangs gerade zu halten. „Am Anfang hielt ich das Flugzeug immer ein bisschen rechts, da man im Cockpit auch nicht so viel nach unten sieht. Mittlerweile kann ich das aber sehr gut ausgleichen“, so Nico.
Der erste Flug ganz alleine
Ein besonderer Moment während der Ausbildung war der erste Soloflug. Zunächst flog Nico alleine am Platz in Gschwandt, später folgte auch ein Überlandflug nach Krems – zuerst gemeinsam mit seinem Fluglehrer und anschließend alleine. Bei einer üblichen Geschwindigkeit von rund 130 bis 140 Kilometern pro Stunde rückt für Nico der Alltag schnell in den Hintergrund: „Ich verliere die Gedanken.“
Bevor es überhaupt in die Luft geht, wartet allerdings einiges an Arbeit. Nico plant seine Flüge anhand von Karten und Wegpunkten, berechnet Zeit, Entfernung und Geschwindigkeit. „Im Cockpit habe ich kein iPad, das mir die Route ansagt, sondern ich mache alles anhand meiner Uhr.“
Auch mehrere Dokumente muss Nico bei seinen Flügen stets dabeihaben. Beim gemeinsamen Treffen zeigt er stolz seine Fluglizenz, die medizinische Tauglichkeitsbestätigung vom Flugarzt und den Nachweis für den Flugfunk auf Deutsch und Englisch.
Fluglizenz mit 16 Jahren
Dass jemand bereits im Mindestalter mit einer Fluglizenz unterwegs ist, kommt nicht jeden Tag vor – eine absolute Seltenheit ist es aber auch nicht.
Das bestätigt Nicos Fluglehrer Helmut Hügelsberger, der seit 26 Jahren Fluglehrer und seit rund 20 Jahren Ausbildungsleiter der Flugschule Traunsee ist. Von 48 Piloten, die er bislang ausgebildet hat, waren drei im Mindestalter.
Bei reinen Segelflugausbildungen (für Flugzeuge ohne Motor) gebe es durchaus mehr sehr junge Flugschüler. „Das ist aber auch eine Kostenfrage“, sagt Hügelsberger. Eine Ausbildung wie jene von Nico kann rund 7.000 Euro kosten, während eine Segelflugausbildung laut Hügelsberger etwa die Hälfte kostet.
Besonders in Erinnerung geblieben ist seinem Fluglehrer Nicos Einstellung. Er sei immer „mit Eifer und Ehrgeiz dabei“ gewesen, habe viel nachgefragt und sei stets pünktlich gewesen. Außerdem habe Hügelsberger gemerkt, dass der Wunsch zu fliegen ganz von Nico selbst ausgegangen sei.
Vom Attersee bis zu neuen Zielen
Nico und seine Mutter merken, dass ihn die Ausbildung verändert hat. Er achte stärker auf seine Umgebung und gehe Dinge organisierter und systematischer an. Seine Mutter erlebt ihn zudem als stressresistenter. Diese Gelassenheit half ihm besonders in Phasen, in denen Flugprüfungen, Schularbeiten und Tests zusammenfielen.
Bei all den Prüfungen, Berechnungen und Vorschriften bleibt für Nico aber vor allem die Freude am Fliegen. Zu seinen schönsten Erinnerungen gehört der erste Blick auf den Attersee aus der Luft. Sein Vergleich: „Wie die Malediven.“
Inzwischen kann er sich auch vorstellen, die Fliegerei einmal zum Beruf zu machen. Auch Hubschrauber und weitere Berechtigungen interessieren ihn. Mit zusätzlichen Ausbildungen und Berechtigungen könnte er seinen fliegerischen Weg später weiter ausbauen. Vorerst zählt für den 16-Jährigen vor allem eines: „Im Moment genieße ich das einfach, zu fliegen.“








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