FoodCoop-Diskussion: „Wir bringen Direktvermarkter und Kunden zusammen, aber wir sind kein Supermarkt“
VORCHDORF/SCHARNSTEIN/LINZ. Unlauteren Wettbewerb wittert die Wirtschaftskammer OÖ bei den FoodCoops. Der Grund: Die Lebensmittel-Einkaufsgemeinschaften verfügen über keine Gewerbeberechtigung, Auch die Vorchdorfer „Speis“ und der „Fairteiler“ in Scharnstein sind betroffen.

Seit zwei Jahren ist die „Speis“ aktiv, so Obmann Christian Hörtenhuber. Der Verein bildet eine Schnittstelle zwischen lokalen Produzenten und den derzeit 67 Mitgliedern. Drei Stunden wöchentlich hat das Vereinslokal geöffnet, in dem sich die Mitglieder ihre Lebensmittel abholen können. Daneben werden dort auch Kochkurse und Vorträge abgehalten.
Ziel: Förderung der regionalen Landwirtschaft
Dass die WKOÖ die FoodCoops als „gewerbliche Einkaufsgemeinschaften“ ansieht, kann Hörtenhuber nicht nachvollziehen. „Unseren Mitgliedern wird lediglich das mühsame Zusammensuchen der regionalen Lebensmittel und damit zugleich auch den Bauern das mühsame Suchen der Kunden erleichtert. Supermarkt sind wir keiner. Und der Einkauf ist bei uns auch nicht billiger, da wir bei den Anbietern für unsere Mitglieder keine Sonderpreise oder Rabatte verhandeln“, so Hörtenhuber. Immerhin sei es eines der wesentlichen Ziele der „Speis“, die regionale, kleinstrukturierte Landwirtschaft zu unterstützen. Man agiere daher auch in Absprache mit dem regionalen Bauernmarkt – für den es übrigens keine Gewerbeberechtigung braucht. Auch Dominik Dax von Bio-Austria, in der Biobauern organisiert sind, sieht die FoodCoops als „Entlastung der direktvermarktenden Betriebe, die zeitlich oft überlastet sind“.
WKOÖ droht mit Anzeigen
Die WKOÖ sieht in den FoodCoops jedoch eine wettbewerbswidrige Konkurrenz für die Nahversorger und kündigte nun Anzeigen gegen fünf FoodCoops an, darunter auch die „Speis“ und der „Fairteiler“. Man habe die Initiativen darauf hingewiesen, dass eine Gewerbeberechtigung notwendig sei, diese seien jedoch nicht gesprächsbereit, kritisiert Manfred Zöchbauer von der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer.
Im Zuge der Vereinsgründung habe man mit der Wirtschaftskammer gesprochen, so Christian Hörtenhuber: „Unsere Information war, dass alles in Ordnung ist, wenn weder der Verein selbst noch wir als Organisatoren einen Gewinn machen.“ Diese Sichtweise unterstützen auch Clemens Stammler, Obmann der Grünen Bauern OÖ, und der OÖ Grüne Wirtschaftssprecher Kuno Haas: „Da die FoodCoops weder gewinnorientiert arbeiten, noch den Mitgliedern ein finanzieller Vorteil zuteilwird, sind diese klar im Vereinsrecht beheimatet.“ Der Lebensmittelbehörde seien die FoodCoops ohnedies unterstellt.
Anschober lädt zu Rundem Tisch
Um eine konstruktive Lösung bemüht zeigt sich Konsumentenschutz-Landesrat Rudi Anschober (Grüne) mit einer Einladung an Beteiligte und Fachexperten zu einem Runden Tisch: „In einer modernen ökosozialen Wirtschaft müssen derartige Projekte Platz haben“, so Anschober. Die Gespräche sollen Anfang Mai stattfinden.


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