„Ministerium ins Salzkammergut und 550 Euro für jedes Kind“
GMUNDEN. Der Gmundner „Liste Pilz“-Bezirkskandidat Karl Kammerhofer setzt sich im Wahlkampf für drei große Anliegen ein: Das Wirtschaftsministeriums soll ins Salzkammergut übersiedeln, jedes Kind soll 550 Euro Grundsicherung erhalten und die Salzkammergut-Gemeinden sollen nicht weiter für die Infrastrukturkosten leerstehender Zweitwohnungen aufkommen.

Im Gespräch mit Tips präzisierte Karl Kammerhofer seine Forderungen. Die Übersiedlung des Wirtschaftsministeriums ins Salzkammergut sei nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern könne in Gemeinden wieder jene Identität mit dem Staat stiften, die in den letzten Jahrzehnten verloren gegangen sei. „Während es früher in jedem Ort einen Gendarmerieposten, ein Postamt, einen Kramer, Bäcker, Fleischhauer, eine Bank, den Wirt und eventuell den Bahnhofsvorstand gab, sind heute die meisten dieser ,heimatlichen Institutionen“ verschwunden“, bedauert Kammerhofer.
„Sie wurden wegrationalisiert und durch Automaten oder Tankstellenshops am Ortsrand ersetzt. Die Folge ist, dass viele kulturell gewachsene Gemeinden auf diese Weise „entvölkert“ sind und speziell im Salzkammergut durch leerstehende Zweitwohnsitze bzw. Appartementbauten verschandelt werden“, so der Mitbegründer des in Scharnstein beheimateten Unternehmens „Grüne Erde“. Er ist überzeugt, dass seine Initiative zu einer starken wirtschaftlichen Entwicklung führen würde und gut ausgebildeten jungen Einheimischen Chancen eröffnen könnte, nicht in die großen Bevölkerungszentren auswandern zu müssen.
Gegen Auslöschung des dörflichen Lebens
Das Fazit seiner Wahlkampf-Gespräche: „Mir ist bewusst geworden, aus welchen Quellen sich der ausbreitende Nationalismus, der 99-Euro-Trachtenkleidungsfetischismus und die gehässige Fremdenfeindlichkeit – auch ohne Ausländer – speist. Der Staat hat seine dezentralen, kleinen staatlichen Dienststellen ersatzlos gestrichen, internationale Handelskonzerne mit großen Märkten am Stadtrand haben die vielen netten kleinen Geschäfte, die auch der dörflichen Kommunikation dienten, ausgelöscht.“
Man solle Maßnahmen setzen, die wieder zu einer „Rückeroberung der Heimat“ führen. Kammerhofer geht davon aus, dass beschäftigungsstarke Bundesdienststellen am Land einfach „schon aus marktwirtschaftlichen Gründen“ wieder zu der notwendigen Belebung der Gemeinden führen würden.
550 Euro Grundeinkommen für jedes Kind
„Im Wahlkampf bin ich auch mit Schicksalen von Frauen konfrontiert worden, die ich in unserer reichen und satten Gesellschaft nicht vermutet hätte – schon gar nicht im Salzkammergut“, so Kammerhofer. Er habe daher in seiner Wahlkampfarbeit neue Prioritäten gesetzt. „Die Schande, dass berufstätige Alleinerzieherinnen mit 1200 Euro ihr Leben fristen müssen, soll ein Ende haben“, sagt der NR-Kandidat der Liste Pilz. Wenn es nach ihm ginge, würden solche Mütter (“zum Beispiel eine Halbtagsverkäuferin“) mindestens auf 2000 Euro kommen. „Damit kann eine Mutter in Würde leben und ihre zwei Kinder aufziehen. Die Gegenfinanzierung ist mehr als einfach – wenn man will. Zusatznutzen: Die Wirtschaft in ihrer Gesamtheit würde von dem gestaffelten Grundeinkommen für jedes österreichische Kind stark profitieren, weil das Geld sofort wieder in die lokale Wirtschaft fließen würde.
Als Finanzierung schlägt Kammerhofer eine Vermögenszuwachssteuer nach Vorbild der USA vor. „Ich bin gegen eine Erbschafts- und andere Vermögenssteuern, aber die Vermögen haben sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt. Und bevor diese in windige Finanzprodukte oder Steueroasen verschwinden, sollen sie dem sozialen Frieden dienen.“
Einwohner finanzieren Immobilenspekulanten
Ein weiteres Problem, das Kammerhofer im Magen liegt: Die steigende Zahl an Zweitwohnbesitzern in der Region. „Es geht nicht an, dass immer weniger Einwohner in den ländlichen Gemeinden die immer höheren kommunalen Kosten und zusätzlich Infrastrukturkosten durch die Immobilienspekulanten zu zahlen haben“, meint der ehemaliger Unternehmer. Im Nebeneffekt würden diese Bauten Landschaft und Städte verschandeln und Grundstücke unbezahlbar machen.
Die Alternativen zum Leerstand einer Immobilie sollen nach seiner Vorstellung wie in Bayern in ein Gesetz gegossen werden: Entweder übersiedeln, vermieten oder zahlen. „Der Besitzer der leerstehenden Immobilie zahlt eine jährliche Infrastrukturabgabe an die Gemeinde, wenn er nicht verkaufen oder vermieten will. Eine derartige Abgabe liegt in Bayern– je nach Immobiliengröße – zwischen 100 und 7000 Euro“, so Kammerhofer. Diese zweckgebundene Abgabe solle verwendet werden, um Wohnraum für junge Familien zu schaffen.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden