Die Privatsphäre als „Auslaufmodell“

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Daniela Toth Tips Redaktion Daniela Toth, 01.04.2019 12:19 Uhr

GMUNDEN. Die „Vermessung der Zukunft“ durch künstliche Intelligenz und digitale Technologien stand im Mittelpunkt des neunten Surprise Factors-Symposiums von Academia Superior im Toscana Congress.

Namhafte internationale Experten diskutierten gemeinsam mit Michael Strugl, Obmann von Academia Superior, und dem wissenschaftlichen Leiter Universitätsprofessor Markus Hengstschläger über die Risiken und auch Chancen der technologischen Entwicklungen und Nutzung von Daten, die als digitaler Fußabdruck im Internet hinterlassen werden. Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer Veranstaltung mit mehr als 700 Besuchern im Kongresszentrum Toscana präsentiert.

Facebook-Likes sagen ungeahnt viel über uns aus

Hauptreferent war der Psychologe und Datenwissenschafter Michal Kosinski, der vor zwei Jahren mit einem Artikel für Aufsehen gesorgt hat. Er beschrieb darin, wie mit Hilfe von Datenanalyse das Verhalten von Menschen nicht nur vorhergesagt, sondern auch beeinflusst werden kann. Beispiele dafür sind die letzte US-Präsidentenwahl und die Brexit-Abstimmung, die einen völlig anderen Ausgang nahmen als erwartet. Bereits 250 Facebook-Likes reichen, um eine Persönlichkeit gleich gut abschätzen zu können wie der eigene Lebenspartner, so Kosinski. 

„Privatsphäre ist Vergangenheit“

„Auch ich mache mir Sorgen um Missbrauch der Daten, aber ich bin überzeugt, dass 99,9 PRozent der Algorithmen positiv genutzt werden, um den Menschen zu helfen. Daher bin ich dafür, dass wir akzeptieren, dass Privatsphäre Vergangenheit ist und wir uns vielmehr darauf konzentrieren, die Risiken zu minimieren und den Nutzen zu maximieren“, so Kosinski, der dennoch die Chancen der neuen Technologien in den Vordergrund gerückt sehen möchte.

In einer anschließenden Diskussion mit Moderatorin Melinda Crane zeigten die Journalistin und Digitalisierungskritikerin Susanne Gaschke, die Roboterforscherin und -designerin Nadia Thalmann sowie Markus Hengstschläger von Academia Superior verschiedene Aspekte der Digitalisierung auf: 

Technologiefolgen-Abschätzung und Ethik für Roboter

Gaschke trat für eine intensive „Technologiefolgen-Abschätzung“ ein, und warnte: „Wir nutzen die digitalen Möglichkeiten vielfach auch aus reiner Bequemlichkeit, ohne deren negativen Auswirkungen ausreichend zu bedenken: Der Online-Handel lässt die Innenstädte veröden und erhöht die Verkehrsproblematik und die gewaltigen Datenmengen erfordern immer höhere Speicherkapazitäten mit entsprechendem Strombedarf.“ Nadia Thalmann, die einen sozialen Roboter geschaffen hat, betonte, dass es für Roboter Regeln geben müsse, die ihr soziales Verhalten steuern.

Verantwortung der Politik

Markus Hengstschläger sprach sich dafür aus, dass der Mensch nicht alles, was technisch oder wissenschaftlich möglich sei, auch tatsächlich umsetzen sollte. „Es liegt auch an der Politik, die technologische Entwicklung so zu entschleunigen, dass der Mensch noch mitkommt“, unterstrich Hengstschläger.

„Oberösterreich wirkt aktiv mit“

„Es geht nicht darum, wer ist stärker oder klüger, die Maschine oder der Mensch, sondern darum, wie können wir Technologien nutzen, um die Zukunft positiv zu gestalten. Und hier soll auch Oberösterreich aktiv mitwirken, daher ist es gut, dass nun ein neues Studium für Künstliche Intelligenz an der Johannes Kepler Universität Linz geschaffen ist, das sich auch mit Forschung in diesem Bereich befasst“, unterstrich Landeshauptmann Thomas Stelzer. „Ich bin sehr dafür, dass wir auch in Oberösterreich diese faszinierenden Technologien nutzen und weiterentwickeln, dass wir künstliche und menschliche Intelligenz zusammenführen, um auf diese Weise die künftigen Herausforderungen zu bewältigen“, so LH Stelzer weiter.

Haberlander übernimmt Academia-Leitung

Im Rahmen dieses Symposiums erfolgte auch die offizielle Übergabe des Vorsitzes von Academia Superior von Michael Strugl an Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander in Form einer symbolischen Schlüsselübergabe.

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