"Unsere Altstadt ist es wert, sich intensiv Gedanken zu machen"
GMUNDEN Bürgermeister Stefan Krapf sieht in der Zuerkennung des Titels Kulturhauptstadt an das Salzkammergut viele Möglichkeiten für seine Stadt. Aber auch abseits davon ist einiges in Bewegung.

Tips: Was bedeutet die Zuerkennung der Kulturhauptstadt 2024 für Gmunden?
Bürgermeister Stefan Krapf: Ich bin froh, dass sich Gmunden noch entschlossen hat, bei der Bewerbung mitzumachen, das Salzkammergut war auch definitiv die richtige Entscheidung. Ein Benefit, den wir jetzt schon haben, ist, dass die Region Salzkammergut so eng zusammengewachsen ist wie noch nie. Bad Ischl ist zwar die Bannerstadt, aber die Bezirkshauptstadt Gmunden muss und wird ebenso eine zentrale Rolle spielen. Konkrete Visionen, die wir damit verbinden, wären die Überdachung des Seeschloss-Innenhofs, die Neugestaltung von Rathausplatz und Esplanade oder die Klimatisierung unseres ehrenwerten Stadttheaters. Wobei uns natürlich klar ist, dass nicht alles davon finanzier- und realisierbar ist. Profitieren werden jedenfalls nicht nur die Gmundner Festwochen und der Musicalfrühling, sondern auch die vielen wunderbaren Vereine und kulturellen Institutionen sollen teilhaben.
Tips: Nun wurden die aktuellen Pläne für ein Hotel am See veröffentlicht. Ziel der Stadt ist ja eine Umsetzung bis 2024. Kann das gelingen?
Krapf: Das ist ambitioniert, aber wir streben es an. Wichtig war für uns, die Parallel-Taktung der vier Säulen Tourismus, Wohnen, Arbeit und Freizeit: Alles soll dort stattfinden können. Außerdem geht kein Quadratmeter öffentliche Fläche verloren. Es freut mich, dass sich die Kommunalpolitik bei diesem Projekt einig ist!
Tips: Ein weiteres Ziel der Stadt ist die Revitalisierung des historischen Zentrums. Werden die gesetzten Initiativen angenommen?
Krapf: Ziel des Projekts Altstadtrevitalisierung ist es, Immobilieneigentümer zu animieren, dass die alten Gebäude im Stadtzentrum saniert werden – und das muss sich für die natürlich auch auszahlen. Wir haben daher eine kostenlose Evaluation angeboten: Was kostet eine Sanierung? Ab wann würde sie sich amortisieren? So etwas erhöht natürlich die Motivation. Das Angebot wird gut angenommen: Gut 30 Hauseigentümer waren schon da, weitere Termine sind noch in Planung. Für Gmunden ist jede einzelne Immobilie, die saniert wird, ein Erfolg.
Tips: Gibt es einen Zusammenhang mit der geplanten Evaluierung des Bebauungsplans?
Krapf: Zwischen Belebung der Innenstadt und Erhaltung des historischen Stadtbildes gibt es ein Spannungsfeld. Es ist oft ein Balanceakt – so gab es ein Projekt, bei dem darüber diskutiert wurde, die Dachlandschaft zu öffnen. Solche Diskussionen sollen aber nicht am Einzelfall entstehen, sondern das Gesamtbild im Blick haben. Das ist natürlich ein längerer Prozess, aber unsere Altstadt ist es wert, sich intensiv Gedanken zu machen. Denn, wenn sie erst einmal zerstört ist, dann ist das für immer.


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