110 kV-Freileitung durchs Almtal ist nun endgültig fix
ALMTAL. Die 110 kV-Freileitung zwischen Vorchdorf und Kirchdorf darf gebaut werden: Mit der nun vom Verwaltungsgerichtshof abgelehnten Revision haben die Freileitungsgegner der Initiative 110 kV ade! ihr letztes Rechtsmittel ausgeschöpft.

Geht es nach den ursprünglichen Plänen, sollte die – nun endgültig genehmigte – 110 kV-Leitung zwischen Vorchdorf und Kirchdorf bereits seit sieben Jahren fertig sein. Denn die Starkstromtrasse stellt einen wichtigen Lückenschluss dar, wie Wolfgang Denk, Sprecher von Leitungs-Errichter Netz OÖ GmbH, erklärt: „Derzeit wird Kirchdorf nur von Steyr aus – über Bad Hall und Kremsmünster – versorgt. Wenn hier Wartungsarbeiten notwendig sind, dann ist das nur am Sonntag möglich, wenn die Betriebe geschlossen sind. Auch Vorchdorf, wo ebenfalls viele Betriebe beheimatet sind, wird derzeit nur vom Traunfall aus versorgt. Mit der neuen Verbindung können beide Gebiete jeweils von zwei Seiten aus versorgt werden.“
Erbitterter Widerstand gegen Freileitung
Die Notwendigkeit einer verbesserten Stromversorgung im Almtal wurde auch von den Leitungsgegnern nicht bestritten. Dennoch bildete sich schon bald nach Bekanntwerden des Projekts in den Gemeinden entlang der geplanten Strecke ein erbitterter Widerstand.
Die Kernforderung der schließlich gegründeten Bürgerinitiative 110 kV ade! war stets, anstelle der geplanten Freileitung ein Erdkabel zu errichten. Da dies die Netz OÖ GmbH mit Berufung auf technische Gründe jedoch verweigerte, wurden im Lauf der Zeit alle möglichen Rechtsmittel ausgeschöpft. Zuletzt versuchten die Aktivisten rund um Initiativen-Sprecher Michael Praschma, eine Umweltverträglichkeitsprüfung zu erwirken. Nun wurde die beim Verwaltungsgerichtshof eingereichte Revision abgewiesen. Damit ist jetzt auch das letzte Rechtsmittel verloren, weitere Einsprüche sind nicht möglich.
Michael Praschma bezeichnet die Entscheidung in einer Presseaussendung als „nicht nachvollziehbar“ und spricht von einer „Zerstörung von Landschaft und Natur sowie dem Verlust an Lebensqualität“. Nach der Abweisung der Revision sind nur noch mehrere zivilrechtliche Verfahren durch einige der betroffenen Grundeigentümer offen. Inhalt ist die Höhe der Entschädigungszahlungen für die „Zwangsdienstbarkeit“.
Leitung wird 2021 ans Netz gehen
Dass die 23 Kilometer lange Leitung mit insgesamt 105 Strommasten bereits im kommenden Frühling ans Netz gehen kann, liegt auch daran, dass die Netz OÖ GmbH bereits – trotz Rechtsstreitigkeiten – seit zwei Jahren an der Trasse arbeitet. „Wir waren immer überzeugt, dass wir die Leitung wie geplant verwirklichen können – trotzdem freut es uns natürlich, dass wir endlich Rechtssicherheit haben“, betont Wolfgang Denk.
Umspannwerk Steinfelden bereits fertig
71 Masten sind bereits fertiggestellt, 22 sind in Bau und zwölf in Vorbereitung. Das ebenfalls zum Projekt gehörende Umspannwerk in Steinfelden ist bereits fertig. Bis die Freileitung ans Netz geht, wird es als Schaltwerk verwendet und soll so schon jetzt die Spannung stabilisieren. „Insgesamt werden die Stromkunden vor allem ein stabileres Netz bemerken: Zum Beispiel, wenn in manchen Bereichen bisher das Licht geflackert hat, wenn in der Nähe ein größerer Stromverbraucher ans Netz gegangen ist – das wird sich ändern. Solche Spannungs-Schwankungen fallen beim Licht auf, ein richtiges Problem können sie aber bei empfindlichen elektronischen Geräten sein“, erklärt Denk.


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