Lockdowns haben den Trend zum Leben auf dem Land verstärkt
BEZIRK GMUNDEN. Zum Sehnsuchtsort ist der ländliche Raum in der Corona-Krise geworden. Das bestätigt eine Studie im Auftrag des Österreichischen Gemeindebundes. Auswirkungen hat dieser Trend zum Landleben auch auf den Immobiliensektor: Die Nachfrage wächst proportional mit dem Preis für die gefragten Objekte.

Dass der Trend weg vom Zentralraum anhält, bestätigt Melanie Drack: „Der Wohnraum im ländlichen Raum hat besonders an Attraktivität zugenommen“, so die Geschäftsführerin, Immobilientreuhänderin/Maklerin der in Ohlsdorf beheimateten Drack Immobilien GmbH. Der eigene Garten, zumindest Terrassen und Balkone beim Wohnungseigentum und Mietobjekten seien durch den Lockdown bei der Wohnraumsuche ein „Must Have“, so Drack.
Ein Trend, den die Studie von Demox Research im Auftrag des Gemeindebundes bestätigt. Den Wunsch nach Leben am Land/ im Grünen hat mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) geäußert (bei 30 Prozent ist dieser Wunsch etwas gestiegen, bei 26 Prozent deutlich).
„Markt dreht sich immer schneller“
Immobilientreuhänderin und Maklerin Birgit Pöll bestätigt diesen Trend – auch wenn die Lage je nach Region sehr unterschiedlich sei. Neben einer steigenden Nachfrage fällt der Leiterin des Gmundner Büros von Real-Treuhand Immobilien auch auf, dass der Markt schnelllebiger geworden ist: „Immobilien, die auf den Markt kommen, werden rascher verkauft als früher“, so die Leiterin des Gmundner Büros von Real-Treuhand Immobilien. Gemeinsam mit steigenden Baukosten und geänderten Ansprüchen – etwa einem Zusatzraum fürs Homeoffice – führe die hohe Nachfrage insgesamt zu einem Preisanstieg. Dennoch gebe es für Immobilien oder Bauland-Angebote immer zahlreiche Interessenten – insbesondere für Alleinlagen. Hier sei das Angebot derzeit aber sehr gering.
Niedriges Zinsniveau führt zu Immobilienkäufen
Mit ein Grund für die hohe Nachfrage – neben dem eigenen Wohnbedürfnis – sei auch die aktuell niedrige Zinslage, betont Melanie Drack: „Im Investment-Bereich trauen sich jetzt auch Erstkäufer zu, ihr erstes Objekt zu vermieten anstatt selbst einzuziehen. Da ist definitiv eine Trendwende in Sicht. Selbst mieten – Eigentum vermieten. Die Angst vor Pensionseinbußen im Alter und die niedrige Zinslage zeigen sich hier verantwortlich.“
Krise hat Regionalisierung in allen Bereichen verstärkt
Allgemein hat sich der Trend zur Regionalisierung in der Krise enorm verstärkt. Laut Studie schätzen die Menschen am Land vor allem die Lebensqualität, den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Gemeinde und sehen einen verstärkten Trend zu regionalen Produkten und Produzenten. Der Trend dazu hat sich laut Studie für 28 Prozent der Befragten deutlich verstärkt, immerhin 45 Prozent meinen, er habe sich „etwas verstärkt“. Als Vorteile werden auch die Möglichkeit des verstärkten Arbeitens im Homeoffice sowie der Fortschritt durch die Digitalisierung gewertet. „Die Menschen kaufen beim Bauern und Bäcker vor Ort ein, sie wählen den Handwerker und Dienstleister vor Ort aus, sie schätzen die kurzen Wege und das Arbeiten von zuhause. Kurz gesagt: Der ländliche Raum ist in der Krise einfach wieder ein Sehnsuchtsort für die Menschen geworden“, sagt Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl.


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