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GRÜNAU IM ALMTAL. (UPDATE) Die Zukunft der Kasbergbahn im Almtal steht auf der Kippe – und mit ihr ein großer Teil der regionalen Wirtschaft. Die Verantwortlichen der Fördergenossenschaft „Lebenswertes Almtal“ präsentierten nun gemeinsam mit Ökonom Friedrich Schneider eine Studie zur volkswirtschaftlichen Bedeutung eines gesicherten Bergbahnbetriebs.

  1 / 2   Wird die Kasbergbahn nicht in die OÖ Seilbahnholding GmbH mitaufgenommen, könnte die heurige Saison die letzte sein. (Foto: TVB Traunsee-Almtal/Monika Löff)

Die Region Almtal biete bereits heute eine naturnahe Qualität und eine zentrale Lage nahe des oberösterreichischen Zentralraums. „Wir haben ein enormes Wachstumspotenzial, besonders im Bereich Mehrtagesgäste“, betonte Michael Stadler vom Vorstand der Fördergenossenschaft. Bislang dominierten Tagesausflügler, was zwar Besucherzahlen, nicht aber die Wertschöpfung in der Region erhöhe. Vor allem die Wintersaison sei entscheidend: „Der Kasberg ist der zentrale Frequenzbringer für den Winter. Ohne ihn verlieren geplante Investitionen ihre Basis.“

Investitionsbedarf und aktuelle Situation

Nach der Insolvenz der Altgesellschaft 2023 konnte der Betrieb 2023/24 und 2024/25 trotz massiver Investitionsrückstände wieder wirtschaftlich stabil geführt werden. Allerdings reichen die Mittel der Betreiber aus eigener Kraft nicht aus, um die dringend notwendigen Modernisierungen zu finanzieren. Insbesondere Beschneiungsanlagen und die Sanierung der Seilbahnen erfordern rund 33 Millionen Euro. Die Fördergenossenschaft strebt daher die Einbindung in die OÖ Seilbahnholding an, um die Zukunft des Bergbahnbetriebs zu sichern.

Volkswirtschaftliche Effekte der Modernisierung

Die Studie von Professor Schneider und Doktorin Dreer vom Forschungsinstitut für Bankwesen der JKU Linz zeigt eindrücklich die wirtschaftlichen Konsequenzen:

  • Geplante Investitionen von rund 88 Millionen Euro in Hotels und Beherbergungsbetriebe innerhalb von drei Jahren könnten 68,5 Millionen Euro direkte und indirekte Wertschöpfung im Inland generieren.

  • Der Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt liegt bei rund 113 Millionen Euro.

  • Rund 940 Vollzeitarbeitsplätze würden gesichert oder neu geschaffen.

  • Der laufende Betrieb mit modernisierten Bergbahnen bringt jährlich zusätzliche touristische Effekte: Nächtigungsumsätze bis zu 16,1 Millionen Euro, Gästeausgaben rund 11,1 Millionen Euro und mehr als 240 Arbeitsplätze.

  • Zusätzliche Umsatzsteuereinnahmen für die öffentliche Hand: bis zu 3,5 Millionen Euro pro Jahr

Risiko eines Stillstands

Die Studie beschreibt auch das Negativszenario: Wenn der Betrieb eingestellt wird, fallen Investitionen von 85,2 Millionen Euro weg, das regionale BIP verliert 93,3 Millionen Euro, bis zu 70 Prozent der Winternächtigungen entfallen, und mehr als 200 Arbeitsplätze sind gefährdet. „Ohne Bergbahn droht dem Almtal ein Strukturwandel zu einem reinen Tagesausflugsziel mit hoher Belastung, aber geringer regionaler Wertschöpfung“, fasste Schneider zusammen.

Strategisches Leitprojekt für die Region

Die Kasbergbahn ist nicht nur ein Infrastrukturprojekt, sondern ein strategisches Leitprojekt für das Almtal. Die Modernisierung entscheidet über den Fortbestand des Ganzjahrestourismus, die Auslösung privater Investitionen, die Sicherung von Arbeitsplätzen und die langfristige regionale Wertschöpfung. Karl Drack, ebenfalls Vorstandsvorsitzender der Fördergenossenschaft, unterstrich: „Ohne eine gesicherte und modernisierte Bergbahn ist eine nachhaltige touristische Entwicklung nicht möglich.“

Zwei Szenarien für die Zukunft

Für die Saison 2025/26 bleibt der Betrieb der Kasbergbahnen vorerst gesichert. Danach gibt es zwei Möglichkeiten: Aufnahme in die Seilbahnholding mit abgesicherten Investitionen oder das endgültige Ende des Betriebs. Drack schließt mit drastischen Worten ab: „Es gibt zwei Möglichkeiten: „Entweder die Politik entscheidet sich für einen Fortbestand der Almbergbahn und nimmt die Tourismusattraktion in die Seilbahnholding mit auf - das wäre Plan A. Oder Plan B: Wir müssen noch in dieser Saison die Schlüssel umlegen. Einen Plan C gibt es nicht.“ Demnach wäre das Ende der Kasberg- beziehungsweise Almbergbahn der 30. April 2026, schrittweise werde der Betrieb eingestellt und die Bahn mit Gondeln und Gerüsten abgebaut und abgetragen.

Externe Prüfung läuft

Die OÖ Seilbahnholding GmbH ist im Besitz des Landes Oberösterreich. Der zuständige Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner informiert: „Derzeit läuft eine externe Prüfung der wirtschaftlichen, rechtlichen und technischen Situation sowie der Investitionserfordernisse der nächsten Jahre des Skigebietes Kasberg. Sie wurde vom Land OÖ in Auftrag gegeben, um eine neutrale Entscheidungsgrundlage zur Verfügung zu haben, ob eine Übernahme des Skigebietes Kasberg durch die OÖ. Seilbahnholding sinnvoll ist oder nicht. In Rahmen dieser Prüfung wird auch die heute von der Fördergenossenschaft Lebenswertes Almtal präsentierte Studie begutachtet.“

(UPDATE) SPÖ fordert Umsetzung des Kasberg-Rettungsplans

SP-Landtagsabgeordneter Mario Haas fordert in einem Statement am Freitag, 9. Jänner: „Das Skigebiet Kasberg steht vor dem Aus. Die einzige Rettung: Eingliederung in die Oö. Seilbahnholding. Genau das haben wir als SPÖ bereits im Juli 2023 in einem Initiativantrag im Landtag gefordert. Jetzt warnt eine Studie vor einem massiven Wirtschaftseinbruch.“ 

„Der Antrag auf Eingliederung liegt beim zuständigen Landesrat. Knapp 30.000 Menschen haben in einer Petition die Rettung gefordert“, kritisiert Haas. „Eine Eingliederung in die OÖ Seilbahnholding ist die letzte Chance für den Kasberg.“


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