Elisabeth Gessl: Märchenhafte Geschichte von Wünschen, Empfangen und Gebären im Schloss Tollet
TOLLET/GRIESKIRCHEN. Elisabeth Gessl ist für ihre Märchen bekannt. Zum Frühlingsbeginn, Samstag, 21. März, hält die Grieskirchnerin um 19 Uhr im Schloss Tollet eine für sie untypische Lesung: „Kora und Vollmondkind“.

Dabei geht es um das Mädchen Irina, die in der Fülle ihrer Weiblichkeit steht. „Es ist eine märchenhafte, eine mythische Geschichte“, sagt Gessl: „Und es geht um das Wünschen und um das Empfangen. Die Geburt eines Kindes ist darin nur ein Symbol für etwas Größeres.“
Frauen haben zum Mond eine besondere Beziehung, ist Gessl überzeugt. „Der Zyklus der Frau dauert genauso lange wie der des Mondes. In vielen Sprachen heißt der Mond ,la Luna‘ – die Mondin. In manchen Kulturen wird er sogar als Mondgöttin verehrt oder als Schwester Mond bezeichnet, weil sie gemeinsam mit uns und Mutter Erde die Sonne umkreist.“ Auch zahlreiche Mythen ranken sich um den Vollmond: „Bei einigen Naturvölkern gilt er, wenn er die Erde berührt, als Liebhaber, der nach jungen Mädchen Ausschau hält, um sich fortzupflanzen. Bei den Inuit sollen Mädchen in Vollmondnächten nicht außer Haus gehen. Es gibt unzählige Geschichten über den vollen Mond.“ Mit ihrer Lesung möchte Gessl aber bewusst auch Männer ansprechen. Denn im „Vollmondkind“ geht es ebenso darum, verborgene Talente und Fähigkeiten ans Licht zu bringen.
Begleitet wird die Autorin von Gertrude Edlmayr. Die Musikerin aus Waidhofen an der Ybbs bringt ihre Kora – eine afrikanische Stegharfe – mit ins Schloss Tollet. Das Instrument besitzt 21 Saiten und besteht aus einer Kalebasse, der getrockneten Frucht eines Kürbisses, die mit Fell bespannt ist.
Ihr erstes Buch „Berühre mich, auch wenn ich schlafe – Tagebuch einer Komabegleitung“ veröffentlichte Gessl vor 25 Jahren. Ihr Mann Hans – vielen als „Wetter-Hans“ bekannt – stürzte bei Dreharbeiten für einen ORF-Beitrag vom Pferd und erlitt lebensgefährliche Kopfverletzungen. Im kommenden September feiern beide ihren 75. Geburtstag. Seither hat die pensionierte Lehrerin zahlreiche Geschichten und Märchen geschrieben, vor allem für Kinder. Zu ihren Werken zählen etwa „Flaschenpost“, „Das Mädchen mit der goldenen Haube“, „Das Klafterbrunnweiblein“ oder „Der kleine Stern Eusebius“. Für „Cumulinchen, Wolkenkind“ erhielt sie bei einem Kinder- und Jugendbuchwettbewerb den Sonderpreis der Jury.
Betreuungslehrerin
Gessl unterrichtete zunächst an der Hauptschule in Grieskirchen und wechselte später an die Volksschule. Nach einer psychotherapeutischen Zusatzausbildung war sie im Bezirk als Betreuungslehrerin tätig.
„Ich wollte immer Lehrerin oder Schauspielerin werden“, erzählt sie. Ihre Leidenschaft für die Bühne lebte sie bei verschiedenen Theatergruppen aus. Auch bei ihren Lesungen bringt sie meist viel theatralisches Talent ein. Im Schloss Tollet wird sie diesmal darauf verzichten – der Abend soll ein ruhiger, besinnlicher sein, ganz im Zeichen des Zuhörens.


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