„Es ist der stille Tod des Spielzeug-Fachhandels“

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Sabrina Lang Sabrina Lang, Tips Redaktion, 25.11.2020 08:40 Uhr

NEUMARKT. Wenn die Schaukelpferdchen still stehen, die Handpuppen nur mehr traurig dreinschauen und der Holzzug nicht mehr fährt, dann gehört wieder ein Spielzeug-Geschäft, in dem Kinderaugen zu strahlen beginnen, der Vergangenheit an. Seit zwölf Jahren betreibt Margit Mader in Neumarkt ein Holzspielzeug-Geschäft. Mit Ende des Jahres wird sie die Pforten ihres Herzensprojekts für immer schließen

.„Wir geben freiwillig auf“, sagt Margit Mader, während sie sich schweren Herzens und dennoch mit einem Lächeln im Gesicht in ihrem Spielzeug-Laden umschaut. Ihr bereitet es so große Freude, inmitten ihrer Spielzeuge zu stehen, und dennoch weiß sie, dass dieses Gefühl bald für immer weg sein wird. Nach zwölf Jahren findet das Holzspielzeug-Geschäft im Neumarkter Ortszentrum ein jähes Ende.

Drei Gründe

Es gäbe drei Gründe für die Geschäftsschließung, meint Mader: der Online-Handel wie Amazon, die Corona-Krise und der Umstand, dass sie sich von der Wirtschaftskammersparte für Buch und Spiel jahrelang im Stich gelassen fühle. „Es ist der stille Tod des Spielzeug-Fachhandels“, ist sich die Unternehmerin sicher. „Als wir angefangen haben, waren wir ein fixer Bestandteil in den Städten. Spielzeuggeschäfte haben einfach dazugehört zum Aufwachsen“, meint Mader. Dass nun das Geschäft bald schließen werde, verbindet die Neumarkterin mit einem traurigen, aber realistischen Gefühl. Corona war jetzt noch das i-Tüpfelchen. „Mir hat es sich ja schon angedeutet, wenn man in allen Städten nur noch geschlossene Spielzeug-Läden sieht.“ Und selbst gegen den Strom schwimmen können? Nein, das wären viel zu viele Kosten. Kritisiert wird von der Ladenbesitzerin, dass während der Corona-Krise zwar Spielzeugläden schließen mussten, der Einzelhandel aber weiterhin diese Produkte verkaufen durfte. „Wir bekommen keinen Cent Unterstützung, weil unsere Ware ja nicht verderblich ist“, fühlt sich Mader im Stich gelassen. Wenn man jetzt selbst aufgebaute Firmen kaputt macht, findet sie das tragisch. „Man fühlt sich unverschuldet dazugekommen, man fühlt sich bestraft“, so Mader. Man habe noch zehn Jahre zur Pension, natürlich hätte sie versucht, diese Zeit mit dem Laden noch durchzuhalten.

Leben „dreht“ sich weiter

Aber auch wenn eine ihrer Leidenschaften wegbrechen wird, eine Tür weiter „dreht“ sich das Leben weiter. Dort werden in der Kreiselmanufaktur ihres Mannes Klaus Holz-Kreisel hergestellt. Begonnen hatte alles mit einer kleinen Werkstatt in Innsbruck, dann suchten Margit und Klaus Mader einen neuen Platz, der leistbar war, und sind im Hausruckviertel gelandet. Es sei reiner Zufall gewesen, meint Mader, die ihren Tiroler Einschlag nicht verbergen kann. „Wir haben die Kreisel selber produziert und haben den Laden dazu kreiert.“ Vor 30 Jahren hätten sie die Firma „erfunden“.

In die Welt hinaus

„Unser Gedanke war, dass wir uns stur auf eine Sache konzentrieren und in die Welt hinausgehen. Früher hatte das Handwerk anders funktioniert. Da haben Handwerker alles gemacht, vom Steckenpferd bis Puppentheater, sie sind damit aber daheim geblieben. Jetzt tickt die Welt anders. Man konzentriert sich auf das, was man gut kann und zeigt es weltweit her“, sagt Mader. Die Kreisel aus ihrer Manufaktur finden Abnehmer weltweit. 15 Mitarbeiter arbeiten in der Produktion, mittlerweile hat man bereits den sechsten Lehrling in Ausbildung.

Spiele wichtig für das Zwischenmenschliche

Die Leidenschaft für Spielzeug begleitet die Unternehmerin schon ihr ganzes Leben. „Ich bin mit Spiel, Buch, Basteln und Musik aufgewachsen. Mein Vater war Klavierlehrer und hat uns von Anfang an die motorischen Dinge beigebracht. Ich bin schon mit Kreiseln aufgewachsen“, erzählt Mader. Und es sei so wichtig, dass Kinder mit Spielen aufwachsen. Man dürfe sich ruhig mal ärgern, lachen oder fest ausflippen, das gehöre einfach dazu. „Bei Smartphone-Spielen kommt das Zwischenmenschliche meiner Meinung nach einfach zu kurz. Man kann nur hoffen, dass sie auch irgendeine positive Wirkung haben“, meint Mader.<

 

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