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Wie sich eine Familie zurück ins Leben kämpfte und sich einen Traum erfüllt

Sabrina Lang, 31.03.2021 08:15

PEUERBACH. Die Berge waren sein Leben. Daniel Stögermüller liebte es, hoch hinaus zu klettern und Höhenluft zu schnuppern. Mit seiner Frau Evelyn und seinen Kindern Marvin und Justin war das Familienglück perfekt. Doch vor elf Jahren kam der tiefe Fall. Eine Krebsdiagnose, ein Behandlungsmarathon und der Verlust des Arbeitsplatzes ließen die Familie in ein tiefes Loch stürzen. Heute können die Stögermüllers wieder neuen Mut fassen - eine Geschichte, die einen glücklichen Ausgang fand.

Evelyn und Daniel Stögermüller ließen sich vom Schicksal nicht aufhalten. Mit ihrer eigenen Backstube wollen sie ihren Traum verwirklichen und anderen Menschen Mut machen. Foto: LangS

Wenn Träume und Wünsche plötzlich zerplatzen, wenn das gesamte Leben auf den Kopf gestellt wird und man nicht mehr weiter weiß, wenn vermeintlich harmlose Magenkrämpfe mit der Erstdiagnose Burn out in einer Krebserkrankung enden und wenn eine vierköpfige Familie von einem Tag auf den anderen vor den Scherben ihrer Existenz steht, hat das Schicksal mit voller Härte zugeschlagen. So erging es Evelyn und Daniel Stögermüller aus Peuerbach. Mit 27 Jahren erhielt der zweifache Familienvater die Diagnose Morbus Castleman, eine sehr seltene Krebsart in den Lymphknoten. Als Stögermüller mit den ersten Chemotherapien begann, war der jüngere Sohn Justin gerade einmal ein Jahr alt. „Wir hatten ein super Leben, von heute auf morgen war alles anders“, erinnert sich Evelyn Stögermüller.

Neues Leben in Peuerbach

Doch von seiner Krankheit ließ sich der Peuerbacher nicht aufhalten. Nach den gut überstandenen Therapien ging er wieder Vollzeit zur Arbeit, Ehefrau Evelyn machte ihre Meisterausbildung zur Konditorin. Es schien, als hätte die Familie dem Schicksal ein Schnippchen geschlagen. Zwischenzeitlich zog man nach Peuerbach und begann hier ein neues Leben. „Ich habe den Beruf gewechselt und habe mir gedacht, jetzt geht es wieder aufwärts, auch finanziell“, erzählt Daniel Stögermüller. Doch schließlich war es das Reifenwechseln, das den Peuerbacher merken ließ, dass etwas mit seinem Rücken nicht stimmte. „Es war ein unvorstellbarer Schmerz, ich hatte Lähmungen“, schildert der 38-Jährige. Ob dies Nachwirkungen der Chemotherapien waren, ließ sich nicht feststellen.

Drei Jahre im Rollstuhl

Nach der notwendigen Operation an den Bandscheiben wachte Stögermüller auf und merkte, dass er seine Beine nicht mehr spüren kann. Wieder landete er am OP-Tisch und anschließend für drei Jahre im Rollstuhl. Seine Arbeitsstelle war nach dieser Diagnose sofort weg, die Familie hatte erneut mit schweren finanziellen Nöten zu kämpfen. Ein Spendenaufruf in der Zeitung half damals dem Paar aus der aussichtslosen Situation. Nach einem Krankenhaus-Marathon durch halb Österreich fand der Peuerbacher in Klagenfurt Hilfe. Ihm wurde eine Schmerzpumpe in den Bauchraum eingesetzt, die in regelmäßigen Abständen Morphium ins Rückenmark pumpt. Alle drei Wochen muss die Pumpe neu befüllt und alle zehn Jahre erneuert werden. Ohne die Schmerzmittel wäre Stögermüller bettlägrig und es würde ihm die Luft wegbleiben. „Es ist wie bei einem Drogenabhängigen, ich würde einen Entzug bekommen“, schildert der 38-Jährige.

„Aufgeben tut man einen Brief“

Es gibt Tage, an denen der Peuerbacher auch trotzdem nicht aufstehen kann und irgendwann werde auch der Tag kommen, an dem er nicht mehr über die Stiege gehen kann. Nicht selten dachte Stögermüller ans Aufgeben, denn vor allem bei den Chemotherapien ging es ihm sehr schlecht. Doch das altbekannte Sprichwort „Aufgeben tut man einen Brief“ haben auch die Stögermüllers für sich verinnerlicht und es mit dem Schicksal aufgenommen. Heute geht es der Familie wieder gut. „Ich habe immer gesagt, wenn es uns mal besser geht, dann möchte ich auch etwas Gutes tun“, erzählt die Peuerbacherin. Beim Markt in Peuerbach verkaufte sie Mehlspeisen und spendete den Erlös an den Verein „Rollende Engel“. Innerhalb einer Stunde sei alles ausverkauft gewesen.

Der Traum von der eigenen Backstube erfüllt sich

Auch wenn der Familienvater sein Leben lang mit Einschränkungen zu kämpfen haben wird - die beiden arbeiten weiter an ihrem Traum. Als „Torten-fee Stögermüller Evelyn“ und mit ihren süßen Kreationen hat sich die Peuerbacherin bereits einen Namen gemacht. Der 38-Jährige unterstützt seine Frau tatkräftig als Buchhalter und Marktfahrer. Von Kunden bekam er bereits den liebevollen Beinamen „Tortentroll“ - als Assistent der Tortenfee, versteht sich. Ende April möchten die beiden in der Steegenstraße in Peuerbach ihre Backstube eröffnen und damit Menschen mit ihren Süßigkeiten glücklich machen. Das Backen war schon immer die Leidenschaft von Evelyn Stögermüller. „Ich wusste, irgendwann möchte ich mein eigener Chef sein.“ Die Backstube ist auch der Rückzugsort für die 34-Jährige. „Dort habe ich meine Ruhe und kann abschalten und wenn die Leute am Ende sagen, dass es so lecker war, dann tut mir das unendlich gut“, erzählt Stögermüller. Mit ihrer Geschichte möchten sie auch anderen Menschen Mut machen, nicht aufzugeben.


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