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TOLLET. Ein junger Verein will einen 800 Jahre alten Erdstall in Unterstetten in Tollet höchstprofessionell erforschen und mittels modernster Technik auch oberirdisch „zugänglich“ machen. Professoren der FH Wels arbeiten mit.

Der Fachhochschulprofessor Kurt Niel aus Grieskirchen im Tolleter Erdstall. (Foto: Kurt Niel)
  1 / 2   Der Fachhochschulprofessor Kurt Niel aus Grieskirchen im Tolleter Erdstall. (Foto: Kurt Niel)

Vor über 30 Jahren hat Maria Angerlehner in Unterstetten in Tollet beim Grasmähen einen Erdstall entdeckt. Der Begriff Erdstall rührt von „Erd-Stollen“ her und bezeichnet ein unterirdisches Gangsystem. Die Gemeinde hat das Areal angekauft und den Eingang gesichert. 1998 wurde der Erdstall vermessen.

Daraufhin ist der Erdstall etwas in Vergessenheit geraten. Bis sich vor rund einem Jahr Personen gefunden haben, die den Erdstall nun wissenschaftlich und mit modernster Vermessungstechnik erforschen. Unter Obmann Ernst Martinek aus Tollet hat man den Verein „OÖ. Erdstallzentrum Tollet Unterstetten“ gegründet.

Team mit Wissenschaftlern

Im Team sind zwei Wissenschaftler der Fachhochschule Wels: Kurt Niel, Fachbereichsleiter für Mess- und Regelungstechnik und Raimund Edlinger, Assistenzprofessor für Robotik. Josef Weichenberger ist ein internationaler Fachmann für Erdställe und ebenfalls Teil des Forscherteams.

Der „Erdstall Meierhofer“ erstreckt sich über eine Länge von rund 37 Metern, hat sieben Räume und einen Höhenunterschied von rund sieben Metern. „Die Schlupfen zwischen den Räumen haben gerade einmal einen Durchmesser von 40 Zentimetern. Es herrscht eine Luftfeuchte von 100 Prozent und es hat 12 Grad“, weiß Niel. „Der Erdstall ist aufgrund verschiedener Eigenschaften einzigartig“, erzählt Ernst Martinek, ein pensionierter Lehrer. Er ist vollständig erhalten und weist kaum Gebrauchsspuren auf. Dass er vor etwa 800 Jahren errichtet wurde, hat man mittels Radiokarbonmethode herausgefunden. Warum er gebaut wurde, ist noch Gegenstand der Forschung – vermutet wird als Schutz, aber auch kultische Hintergründe sind möglich.

Verein hat große Pläne

Der Verein hat sich nun mehrere Ziele gesetzt – zum einen die punktgenaue Vermessung. Dafür haben die Wissenschaftler an der FH in Wels ein modernes tragbares Handmessgerät entwickelt, mit dem man die Räume exakt vermessen kann. Verwendet wird ein Tablett mit einer Lichtquelle. Entwickelt wurde von den Forschern auch die Software. Dieses System hat bereits international für Aufsehen gesorgt. Niel hat es auch in San Francisco schon vorgestellt, wie er erzählt.

Oberirdisches 3D-Modell und Kunstprojekt

„Danach wollen wir das Unterirdische auch oberirdisch sichtbar machen“, ergänzt Martinek. Geplant ist ein oberirdisches 3D-Modell. Denn den Untergrund will man unbedingt schützen, den Erdstall aber trotzdem einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Zum Einsatz kommen soll auch eine VR-Brille. Das Projekt soll aber auch einen künstlerischen Anspruch haben. Das ist aber noch etwas Zukunftsmusik. „Unterirdisch sind wir schon sehr weit, das Oberirdische wird noch etwas dauern“, meint Martinek. Was genau wann umgesetzt werden kann, hängt nicht zuletzt von den Fördermitteln ab, um die man angesucht hat.

Info-Abend

Am Dienstag, 4. Juni (19.30 Uhr) gibt es im Schloss Tollet einen Info-Abend zu den bisherigen Maßnahmen und Erkenntnissen zum Tolleter Erdstall.


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