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Keramikkünstler Rudi Wassermair aus St. Thomas und der Zwiespalt des Menschseins

Helmuth Wimmer, 26.02.2026 09:37

ST. THOMAS. Beim Betreten der Keramikwerkstatt von Rudi Wassermair fallen zwei überlebensgroße männliche Figuren ins Auge. Sie wirken markant und charakterstark und tragen einen klar erkennbaren, eigenständigen Stil, der für Wassermair typisch ist.

Rudi Wassermair in seiner Werkstatt in St. Thomas⋌Fotos: Tips (Foto: Tips)
  1 / 2   Rudi Wassermair in seiner Werkstatt in St. Thomas⋌Fotos: Tips (Foto: Tips)

Genial – und zugleich selbstzerstörerisch: Kaum ein anderes Motiv beschäftigt den Keramikkünstler so sehr wie dieser Zwiespalt des Menschseins. „Einerseits sind wir so etwas wie die Krone der Schöpfung und bringen Unglaubliches hervor. Andererseits sind wir so unvernünftig, dass wir uns beinahe selbst zugrunde richten“, sagt er. Genau diese Ambivalenz versucht er in Ton zu bannen – mit einem Augenzwinkern, aber ohne Beschönigung.

Nach der Kunstgewerbeschule in Linz und dem Zivildienst baute Wassermair, der heute seine Pension genießt, in „Das Dorf“ in Altenhof eine Keramikwerkstatt auf. „Obwohl ich vorher nur ein einziges Mal mit Keramik gearbeitet habe“, erklärt er schmunzelnd.

Hasenjagd

Später war er als Aufnahmeleiter im Team des Filmregisseurs Andres Gruber tätig. Unter anderem arbeitete er beim mehrfach preisgekrönten Spielfilm „Hasenjagd – Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen“ (1994) mit.

Gemeinsam realisierten sie zahlreiche Fernsehbeiträge, etwa für „Österreich-Bild am Sonntag“. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm eine Dokumentation über Karl Schappeller (1875–1947). „Das war ein wegen amtlich bestätigter Blödheit aus dem Dienst entlassener K&K-Postmeister“, erzählt Wassermair. Schrappeller behauptete, die „Raumkolutionäre Energieform“, mit der sich Maschinen und Motoren antreiben ließen, entdeckt zu haben. Das selbst ernannte Genie entpuppte sich jedoch als Hochstapler und Betrüger, der mit dem Geld gutgläubiger Investoren ein luxuriöses Leben auf Schloss Aurolzmünster führte. Wassermair recherchierte mehrere Monate für die Dokumentation und spürte dabei sogar eine ehemalige Küchenmagd Schappellers auf.

Therapiehof

Nach seiner Tätigkeit beim Film arbeitete Wassermair in der Keramikwerkstatt der Therapiestation Erlenhof für Suchtmittelabhängige in Prambachkirchen. Danach wurde er Programmierer. „Das war Zufall. Computer haben mich immer interessiert, von Anfang an. Vor allem die grafische Seite hat mich begeistert“, erzählt er. Zunächst baute er für den Erlenhof eine Datenbank auf, schließlich auch für die Sonnenparks, Ambulatorien für medizinische Rehabilitation von pro mente. „So war ich in meinen letzten 20 Berufsjahren Programmierer, weil die Einrichtungen immer mehr expandiert haben“, sagt Wassermair.

In der Pension bleibt nun wieder mehr Zeit für die Keramik. „Ich mache das, weil es mir wahnsinnig Spaß macht“, erklärt er. Seine Figuren überzeugen durch vereinfachte Formen, Direktheit und teilweise expressionistische Tendenzen. Die Körper sind oft langgestreckt, mit überproportional langen Hälsen und reduzierten Köpfen. Die Gesichter sind meist stark vereinfacht – kleine Augen, kaum ausgearbeitete Mimik, nur angedeutete Nase und Mund.

Schuss Komik

Neben dem Zwiespalt der menschlichen Existenz beschäftigt ihn, was hinter Persönlichkeiten steckt, welche Geschichten sie in sich tragen. Mit einem Schuss Komik versucht er in seinen Arbeiten, diese Facetten ein Stück weit zu entlarven. In seiner Werkstatt steht ein selbst gebauter Brennofen mit einem Volumen von 450 Litern. Darin können Werke bis zu 80 Zentimeter Höhe gebrannt werden. Für die Bemalung verwendet Wassermair Engoben, eingefärbte, flüssige Tonschlicker. Die Farben poliert er mit einem Achatmesser, wie es auch Goldschmiede verwenden.

Ausstellungen bestreitet er nur selten, da der Aufwand, insbesondere der Transport, sehr groß ist. Derzeit sind Arbeiten in der „Galerie Badstraße 9“ in Bad Schallerbach zu sehen.


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