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Mit fast 60 Jahre altem Mähdrescher von Peuerbach 2.000 Kilometer nach Moldawien

Helmuth Wimmer, 11.03.2026 09:53

PEUERBACH. Fünf Herren vom Kulturverein Haarausfall starten eine motorisierte Reise in die Unvernunft – und das nicht zum ersten Mal. Mit einem alten Mähdrescher geht es nach Chisinau, der Hauptstadt von Moldawien. Die Vorbereitungen sind zum Großteil abgeschlossen.

  1 / 4   Immer in Aktion: Schuppe (1. v. l.), „Schlappi das Viech (3. v. l.) und Sebastian „der Möter“ (2. v. r.) (Foto: Kulturverein Haarausfall)

Das Besondere dabei ist nicht nur das außergewöhnliche Gefährt, sondern auch das Tempo. Der betagte Koloss, ein Claas Matador aus dem Jahr 1967, bringt es auf maximal 14 Kilometer pro Stunde – wenn alles gut läuft, mit Rückenwind.

Passagiere sind Ronald „Schuppe“ Nelböck, Christian „Schlappi das Viech“ Appelius, Sebastian „der Möter“ Kogler, Alexander „Kongo Otto“ Simmelbauer und Jakob „Jäcky“ Orthofer.

Normalerweise sind rund 1.600 Kilometer zu bewältigen. Schuppe und seine Mitstreiter werden mehr als 2.000 Kilometer zurücklegen müssen. „Der Mähdrescher ist 3,5 Meter hoch und 2,6 Meter breit. Da muss man einige Brücken und Tunnel umfahren, weil man sonst nicht durchkommt“, erklärt Kogler.

Die Route führt über Tschechien, die Slowakei und Ungarn Richtung Osten. Start ist in Oberndorf, Gemeinde Peuerbach, beim Anwesen von „Schuppe“ Nelböck. Damit das Gefährt optisch noch mehr Eindruck hinterlässt, wird es demnächst in knalligem Pink umlackiert und mit großen Margeritenblumen dekoriert.

Der rosarote Bertl

Getauft wurde das Ungetüm auf den Namen „Der rosarote Bertl“. Diakon Rene Schielin segnete den Mähdrescher, damit die Reise möglichst ohne Zwischenfälle verläuft.

„Angetrieben wird das landwirtschaftliche Raumfahrzeug von einem ehrwürdigen Deutz-Motor – ein Aggregat, das klingt wie ein Presslufthammer mit Asthma und riecht wie eine Mischung aus Dieselromantik und Werkstattpoesie. Aber eines tut es zuverlässig: Es fährt“, erklärt Schuppe.

Startender Panzer

„Der Mähdrescher klappert, scheppert, vibriert und röhrt in einer Tonlage, die irgendwo zwischen startendem Panzer und empörtem Gartentraktor liegt. Doch wer glaubt, das sei unangenehm, irrt: Es ist ein akustisches Gesamtkunstwerk.“

Komfort spielt für die fünf Herren keine Rolle. Hotels sind nicht vorgesehen. Geschlafen wird im Mähdrescher. „Man bettet sich während der Fahrt stilvoll im Schüttler – also dort, wo normalerweise das Dreschgut seinen letzten großen Auftritt hat. Während der Mähdrescher sanft rüttelt und klappert, wird man wie in einer bäuerlichen Wiege in den Schlaf geschaukelt“, verrät Appelius.

Am Heck des Mähdreschers wurde ein kleines Alm-Hüttenklo montiert. „Denn für die Notdurft wird nicht gehalten“, verrät Nelböck: „Es gibt einen Stadt- und einen Landbetrieb. In der Stadt kommt ein Topf darunter.“

Astra la Vista

Die Reise ist Teil der Dreharbeiten für den neuen Spielfilm des Kulturvereins mit dem Titel „Astra la Vista“. Daher sind die fünf entsprechend gekleidet. Ihre Kostüme reichen vom „Kohlkopfmann“, inspiriert vom Film „Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe“, über Lord Helmchen aus „Spaceballs“ bis hin zu Vetter Itt aus „Die Addams Family“. Komplettiert wird die Besatzung von einem selbsternannten Space-Viking, der als Captain des intergalaktischen Mähdrescher-Kommandos fungiert.

Nur einer bleibt laut eigener Aussage „der letzte vernünftige Mensch an Bord“: Kongo Otto. Er und Orthofer sind neu im Team und müssen demnächst die Aufnahmeprüfung des Vereins bestehen. Dafür müssen sie sich eine Glatze rasieren und eine Stunde im Misthaufen verbringen.

Dass mehrere Männer mit einem Mähdrescher quer durch Europa fahren, ist für Mitglieder des Kulturvereins Haarausfall Routine. Bereits seit 1998 sorgen sie mit außergewöhnlichen Reisen für Aufsehen. Den Anfang machte eine Fahrt mit einem Traktor samt Miststreuer von Taufkirchen bis nach St. Tropez.

Pannen und Kontrollen

Die Reise wird Anfang Juli beginnen. Das Ziel Chisinau soll in vier bis fünf Wochen erreicht werden. Das ist abhängig von der Anzahl der Pannen und Polizeikontrollen.

Der Film handelt von Außerirdischen, die auf die Erde gestürzt sind und nach Moldawien fahren, um dort ein Raumschiff zu besteigen.

Der Spielfilm wird in den Star-Movie-Kinos gezeigt werden. Am Freitag, 13. November, ist ein großer Einmarsch zum Kino Peuerbach mit dem Spielmannszug Neumarkt geplant – mit Pauken und Trompeten, wie Schuppe verrät.


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