Landesrechnungshof bestätigt Erfolge der Oö. Thermenholding - kritisiert aber fehlende Gesamtstrategie
BAD SCHALLERBACH. Der oberösterreichische Rechnungshof bewertet die EurothermenResorts als Leitbetriebe für die heimische Touristikbranche und als bedeutend für die Wirtschaft sowie als Arbeitgeber in den Standortregionen.

„Mit durchschnittlich rund 1,3 Millionen Thermengästen jährlich im Zeitraum von 2019 bis 2024 haben sich die drei EurothermenResorts in Bad Schallerbach, Bad Hall und Bad Ischl sehr erfolgreich entwickelt“, fasst Tourismus-Landesrat Markus Achleitner (ÖVP) die Schlussfolgerung des Landesrechnungshofs zusammen.
Landeskuranstalten
Die ehemaligen Landeskuranstalten sind in den frühen 2000er Jahren als eigenständige Unternehmen der Oberösterreichischen Landesholding GmbH unter dem Dach der Oberösterreichischen Thermenholding GmbH zusammengefasst worden. Neben den 1,3 Millionen Thermengästen können die EurothermenResorts auch auf rund 220.000 Hotelnächtigungen und 220.000 Therapieanwendungen verweisen.
Im Zuge der Initiativprüfung stellte der Rechnungshof fest, dass sich die Eurothermen-Gruppe auf Basis der „OÖ Thermenstrategie 2010“ stetig weiterentwickelte. Eine aktualisierte, verschriftlichte Gesamtstrategie für die gesamte Unternehmensgruppe liegt jedoch nicht vor. Angesichts veränderter Marktbedingungen, steigender Energieanforderungen und anstehender Großinvestitionen empfiehlt der Rechnungshof die Einleitung eines Strategieentwicklungsprozesses. Aus einer neu gefassten Unternehmensstrategie für die gesamte Gruppe sollen konkrete Detailkonzepte für die einzelnen Standorte abgeleitet werden. Auch das Land Oberösterreich als Eigentümerin soll künftig eine Gesamtübersicht über geplante Investitionen und deren Finanzierung einfordern.
Strategie
„Dies wird als Ergebnis des Ende 2024 gestarteten Prozesses für die strategische Weiterentwicklung der drei Standorte erfolgen“, kündigt Landesrat Achleitner an: „In diese Gesamtstrategie sollen in weiterer Folge auch Überlegungen zu weiteren Attraktivierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen sowie deren Finanzierung einfließen.“
Der Rechnungshof sieht zudem Potenzial in einer stärkeren Standardisierung und organisatorischen Bündelung standortübergreifender interner Verwaltungsaufgaben, zum Beispiel in den Bereichen IT, Rechnungswesen oder Personalverrechnung.
Wirtschaftliche Lage
Während die wirtschaftliche Lage in Bad Schallerbach wieder sehr gut und in Bad Ischl wieder stabil ist, bleibt die Situation in Bad Hall schwierig.
Größere Sanierungen, Energieeffizienzmaßnahmen und die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung stellen die Unternehmensgruppe in den kommenden Jahren vor finanzielle Herausforderungen. Der Rechnungshof fordert eine fundierte Investitionsplanung im Einklang mit der künftigen Gesamtstrategie sowie eine Erhöhung der Eigenfinanzierungskraft, um den Bedarf an öffentlichen Mitteln so gering wie möglich zu halten.
Kritik
Kritik kommt von den anderen Parteien. „Die Eurothermen-Gruppe ist unbestreitbar ein wichtiger Tourismusbetrieb und Arbeitgeber in Oberösterreich – mit rund 1,3 Millionen Gästen jährlich und 663 Vollzeitarbeitsplätzen. Umso wichtiger wäre es, diesen Leitbetrieb auf ein solides strategisches Fundament zu stellen. Der aktuelle Prüfbericht des Oö. Landesrechnungshofs zeigt jedoch: Die letzte Gesamtstrategie für die landeseigene Gruppe stammt aus dem Jahr 2006 – und das, obwohl sich die Rahmenbedingungen seither grundlegend verändert haben“, beklagt Doris Margreiter, SPÖ-Tourismussprecherin.
„Schon wieder zeigt sich bei einem oberösterreichischen Landesunternehmen, dass die Eigentümerpolitik von Schwarz-Blau unzureichend ist – zuletzt wurde das bei der Flughafen Linz GmbH überdeutlich. Nun stellt der Landesrechnungshof der schwarz-blauen Eigentümerpolitik auch bei den Eurothermen kein gutes Zeugnis aus. Wenn die letzte verschriftlichte Gesamtstrategie aus 2006 stammt, obwohl es um eine zentrale Landesbeteiligung mit Millionen an öffentlichen Zuschüssen geht, dann ist das schlichtweg politische Planlosigkeit“, kritisiert Neos-Landessprecher Felix Epeltauer.
„Keine Strategie zu haben, ist offensichtlich ein Markenzeichen von Schwarz-Blau. Das ist beim Linzer Flughafen so und ebenfalls bei der Eurothermen-Gruppe“, äußert sich der Grüne Klubobmann Severin Mayr: „Wer über Jahre zuschießt, aber keine aktuelle Strategie, keine klaren Standortkonzepte und keine nachvollziehbare Investitionsübersicht einfordert, steuert nicht - er verwaltet auf Sicht. Und das ist niemals ein erfolgversprechendes Vorgehen.“


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