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Immer mehr Volksschüler mit zu geringen Deutsch-Kenntnissen in den Bezirken Eferding und Grieskirchen

Helmuth Wimmer, 19.05.2026 15:36

EFERDING/GRIESKIRCHEN. Aktuelle Daten der Bildungsdirektion für die Bezirke Eferding und Grieskirchen sorgen für politische Diskussionen. Sie zeigen, dass an mehreren Pflichtschulen sowohl der Anteil von Kindern mit nicht deutscher Muttersprache als auch die Zahl jener Schüler zunimmt, die aufgrund unzureichender Deutschkenntnisse als außerordentliche Schüler geführt werden.

Die Zahl jener Volksschüler, die dem Unterricht sprachlich nicht folgen können, steigt. (Foto: Volker Weihbold)

Für die FPÖ Eferding/Grieskirchen sind diese Zahlen besorgniserregend. „Besonders alarmierend ist die Situation an der Volksschule Grieskirchen: Dort haben knapp 59 Prozent der Schüler eine nicht deutsche Muttersprache, 67 Kinder werden als außerordentliche Schüler geführt“, sagt Wolfgang Klinger, Bürgermeister von Gaspoltshofen, Landtagsabgeordneter und Bezirksobmann der FPÖ Eferding/Grieskirchen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Gallspach, wo 51 Prozent der Schüler nicht Deutsch als Muttersprache haben, sowie an der Volksschule Eferding Nord, an der 38 Kinder dem Unterricht sprachlich noch nicht ausreichend folgen können.

Verpflichtende Förderklassen

„Wenn in manchen Klassen mehr als die Hälfte der Kinder nicht Deutsch als Muttersprache hat und Dutzende dem Unterricht sprachlich nicht folgen können, ist ein normaler und fairer Schulbetrieb kaum mehr möglich“, betont Klinger. Er fordert, dass Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen vor dem Eintritt in den Regelunterricht verpflichtend Deutschförderklassen besuchen.

Florian Hiegelsberger aus Meggenhofen, Bezirksobmann der ÖVP Grieskirchen und Landesgeschäftsführer der ÖVP, bezeichnet die Zahlen ebenfalls als ernst zu nehmend: „Wer dem Unterricht wegen fehlender Deutschkenntnisse nicht folgen kann, hat es von Anfang an schwer.“ Zugleich sei es wichtig, das Gesamtbild zu betrachten und nicht nur einzelne Zahlen herauszugreifen.

Gezielte Sprachförderung

„Oberösterreich setzt seit Jahren gezielt auf Sprachförderung – insbesondere bereits im Kindergarten. Allein heuer investieren wir rund zehn Millionen Euro in die Sprachförderung in Kindergärten. Zusätzlich wurde das Angebot weiter ausgebaut, etwa durch mobile Sprachberater direkt in den Einrichtungen. Mit dem Zentrum Sprachliche Bildung Oberösterreich gibt es zudem eine eigene Servicestelle, die Schulen und Lehrkräfte unterstützt“, sagt Hiegelsberger.

Während an den Mittelschulen der Region Wels-Grieskirchen-Eferding rund 38 Prozent der Schüler eine nicht deutsche Muttersprache haben, liegt der Anteil der außerordentlichen Schüler dort nur noch bei etwa 1,6 Prozent. „Das zeigt, dass frühe Sprachförderung wirkt“, sagt Hiegelsberger: „Herausforderungen müssen klar benannt werden. Noch wichtiger ist es aber, konsequent an Lösungen zu arbeiten. Wer bei uns lebt, muss Deutsch lernen – denn gute Sprachkenntnisse schaffen bessere Chancen in Schule, Beruf und Alltag. Zusätzliche Deutschförderung und neue Planstellen sind deshalb richtig.“

Auch Thomas Antlinger aus Grieskirchen, Landtagsabgeordneter und Bezirksobmann der SPÖ Eferding/Grieskirchen, sieht Herausforderungen, denen man sich stellen müsse. „Aber nicht durch Einsparungen, sondern mit gezielter Arbeit an Lösungen. In Oberösterreich wurde beispielsweise von ÖVP und FPÖ im Bereich Deutschkurse massiv eingespart“, sagt Antlinger.

Bildungsstandards

Er berichtet zudem, dass rund 40 Prozent der oberösterreichischen Schüler die Bildungsstandards im Lesen am Ende der vierten Schulstufe nicht oder nur teilweise erreichen. Er fordert angesichts steigender Zahlen bei außerordentlichen Schülern und Lehrkräftemangel ein oberösterreichisches Maßnahmenpaket: mehr Sprachförderung, mehr Unterstützungspersonal an besonders belasteten Schulen und gezielte Investitionen statt politischer Schuldzuweisungen.

Kürzungen bei Förderungen

„Wer Deutschförderung und Integration kürzt, darf sich danach nicht wundern, wenn Schulen unter Druck geraten“, betont Antlinger.

Auch für Alois Giglleitner, Bezirksobmann der Grünen in Grieskirchen aus St. Thomas, ist Deutsch der Schlüssel zu gelungener Integration. Sich über Statistiken zu empören, bringe aber niemandem etwas.

Kostenloser Kindergarten

„Schwarz-Blau hat den kostenlosen Nachmittagskindergarten abgeschafft. Das rächt sich nun, weil wertvolle Zeit für Sprachförderung verloren geht. Wer im Kindergarten spart, zahlt später in der Schule und am Arbeitsmarkt drauf“, erklärt Giglleitner.

Kritisch sieht er auch Kürzungen bei der Förderung von Integrations- und Sozialvereinen sowie bei Sprachkursen.

Mama lernt Deutsch

„So wurden etwa in mehreren Gemeinden die ,Mama lernt Deutsch‘-Kurse gestrichen. Erfolgreiche Integration ist ein Puzzle aus vielen Teilen. Wenn ständig einzelne Teile entfernt werden, kann keine nachhaltige Wirkung entstehen.“

Giglleitner fordert daher ausreichend Ressourcen und genügend Personal in den Kindergärten. „Nur wenn Kinder von klein auf gut Deutsch lernen, können sie später zu jenen Fachkräften werden, die wir so dringend brauchen“, sagt Giglleitner.


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