Grieskirchner beim legendärsten und härtesten Mountainbike-Rennen der Welt
GRIESKIRCHEN/AUSTRALIEN. Für den Grieskirchner Herbert Lehner geht es mal wieder „Down Under“: Von 4. bis 12. November 2022 bestreitet er erneut die Crocodile Trophy in Australien.

Den treuen Lesern von Tips ist der Ausnahmesportler kein Unbekannter: Schon im Jahr 2016 bewältigte er dieses Rennen erfolgreich und hat sich zudem einen Namen bei den härtesten Ultramarathons der Welt durch diverse Wüsten gemacht.
Die Story hinter dem Sportler
„Im Jahr 2005 hörte ich mit dem Rauchen auf und es kam wie bei so vielen anderen auch – ich nahm unermesslich zu. Am Zenit zeigte die Waage 107 Kilogramm. Bis dann der 28. Jänner 2007 kam und ich mit dem Laufen begann“, erläutert Herbert Lehner seinen Weg zum Vorzeige-Athleten. Die ersten Läufe absolvierte er noch mit zu kleinen „Turnschuhen“ und in einem Baumwollpulli. „Was dann in den nächsten Wochen und Monaten mit meinem Körper passiert – ich nenne es mal ,sagenhaft‘. Die Kilos purzelten fast im Tagestakt und je länger ich lief, umso lustiger wurde ich“, beschreibt der 54-Jährige die physischen und psychischen Veränderungen, die er in dieser Zeit durchmachte.
„Im Nachhinein betrachtet war das bereits der Start in meine Ultralaufkarriere. Mein Bruder machte schon damals Ultraläufe und als ich ihm einmal bei einem Zwölf-Stunden-Lauf zusah, sagte ich zu ihm: ,Du bist verrückt!‘ Nicht ahnend, dass ich bald darauf denselben Ultralauf gewinnen sollte.“ Im selben Jahr (2007) im August lief er seinen ersten Sechs-Stunden- Lauf – am Ende standen bereits 56 km in der Ergebnisliste. „Aber fragt mich nicht, wie es mir gegangen ist! Zu dem Zeitpunkt war ich am Sterben näher dran als am Leben“, grinst der Grieskirchner.
Platz neun in der Weltrangliste
Im Jahr darauf stand er aber wieder an der Startlinie und konnte mit 71 km Rang zwei belegen. Wiederum ein Jahr später versuchte er seinen ersten Zwölf-Stunden-Lauf, den er, trotz zahlreicher demotivierender Kommentare seitens Vereinskollegen, mit 131 km und dem Sieg absolvierte. Damit war er in der Weltrangliste auf Platz neun gelandet und endlich dort angekommen, wo er hinwollte. Es folgten weitere Ultraläufe, die er allesamt auf dem Podest beendete.
Wenn auf einmal nichts mehr geht
„Eines Winters in der Vorbereitungsphase passierte etwas Unfassbares: Ich blieb mitten im Laufen stehen und ging einfach nach Hause. Ich konnte mich nicht mehr motivieren“, so der Vater von drei erwachsenen Kindern. „Ein Motivationstrainer riet mir unter anderem zu der Lektüre über den Marathon des Sables in der Sahara. Danach waren meine Motivationsprobleme wie weggeblasen, denn ich beschloss, genau dieses Rennen zu bestreiten.“
Nach einem Jahr extremer Vorbereitung stand er also im April 2013 an der Startlinie in der Sahara: „Noch während ich mich durch die Wüste schleppte, plagten mich nebenbei schon wieder die Gedanken, was mach ich als Nächstes.“ Hier reifte der Entschluss, durch die Atacama Wüste zu laufen – was der Sportler 2014 auch umsetzte und mit Platz zwei belohnt wurde. „Natürlich waren in Chile die gleichen Gedanken da wie in der Sahara und es folgte die Wüste Gobi 2015. Im Training merkte ich bereits, dass mein Knie nicht so mitspielte, wie ich wollte, und ich musste das Rennen leider auf Gesamtrang vier im Zwischenergebnis beenden“, bedauert der Ehrgeizige.
Somit war leider auch seine Ultralaufkarriere beendet, obwohl er sich schon für den Badwater Ultra qualifiziert hätte (härtestes Rennen der Welt mit nonstop 217 km in USA).
Rückschläge und neue Pläne
Doch Herbert wäre nicht Herbert, wenn er nicht schon wieder das nächste Ziel angepeilt hätte. Und so ging es 2016 zur legendären Crocodile Trophy in Australien, die er mit Platz 32 finishte. Als härtestes Mountainbike-Rennen der Welt bekannt, richtet es sich nach der Tour de France im Straßenradsport. Gründer und Organisator ist bis heute der Österreicher Gerhard Schönbacher.
2018 gab er zwar wieder die Nennung für Australien ab, musste diese aber nach einem schweren Sturz mit Rippenbrüchen zurückziehen. 2020 meldete er sich wieder in Australien an. Hier kamen Corona und ein abermaliger schwerer Radunfall dazwischen. „Nichtsdestotrotz unternahm ich im Laufe der Jahre immer wieder verrückte Sachen wie den Everesting (einen Berg so oft auf- und abfahren, bis man 9.000 Höhenmeter geschafft hat) oder auch die Salzkammerguttrophy.“
Von 4. bis 12. November steht der umtriebige Extremsportler nun wieder an der Startlinie der Crocodile Trophy. Unter den sechs Österreichern ist unter anderem auch Andi Goldberger mit von der Partie.


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