"Glückstoff": Über nachhaltigen Konsum und das Selbermachen in der Textilbranche
GROSS GERUNGS. Gerade in der Textilbranche brauche es noch Bewusstseinsbildung, was Umweltstandards oder fairproduzierte Mode betrifft, meint Kathrin Deibler. Sie verwirklichte nicht zuletzt daher im Dezember ihr Herzensprojekt „Glückstoff“ und eröffnete ein Stoffgeschäft in Groß Gerungs (Unterer Marktplatz 35).

Hand aufs Herz: Wie viele löchrige Socken werden heute noch selbst gestopft, wer beherrscht noch die Kunst einen Knopf anzunähen? Auch die Textilindustrie ist schnelllebig geworden – immer mehr wird konsumiert, während die durchschnittliche Nutzungsdauer eines Kleidungsstückes jedoch stark zurückgegangen ist. Der Preis im Laden selbst ist gering, jener für die Umwelt dagegen hoch. Die Textilproduktion verursacht mehr Treibhausgasemissionen als alle internationalen Flüge und Schifffahrten zusammen.
Nachhaltiger Konsum
Kathrin Deibler ist sich bewusst, dass sie die Modewelt nicht revolutionieren kann, dennoch möchte sie mit einem neuen Stoffgeschäft Akzente setzen und den achtsamen Umgang mit Ressourcen, Wiederverwerten statt Wegwerfen, Redesign und Upcycling wieder vermehrt ins Bewusstsein rufen. „Ich bin aus der Stadt hierhergezogen, wo es solche Ansätze schon da und dort gibt. Ich glaube aber, dass es hier eine ebenso kreative Community und viele Nachhaltigkeitsbewusste gibt“, freut sich Deibler auf die neue berufliche Herausforderung.
Siegelklarheit im Modedschungel
Als Kind der 80er habe sie all die Umweltbestrebungen wie die Anti-Kernkraft-Bewegung mitbekommen und versucht das auch, bestmöglich ihren beiden Kindern mitzugeben. Namhafte Modelabels sind nicht unbedingt mit besseren Umweltstandards und faireren Arbeitsbedingungen verbunden, weiß Deibler.
Im Dschungel der Textilindustrie ist es nicht leicht, sich dahingehend einen Überblick zu verschaffen, auf der Homepage Siegelklarheit.de könne sich der Konsument allerdings über die verschiedensten Gütesiegel schlau machen, so Deibler. „Global Organic Textile Standard“ (GOTS) gelte beispielsweise als Vorreiter und als sehr vertrauenswürdig, gibt sie den Tipp.
„Selbstgemacht ist immer wertvoll“
Neben Nähzubehör möchte sie sich vor allem auf Stoffe und auf das „Selbermachen“ fokussieren. Aus Altem wieder Neues zu schaffen, dabei sprichwörtlich greifbare Ergebnisse zu erhalten sowie Zeit und Ressourcen wieder mehr schätzen zu lernen, das liegt Deibler am Herzen. „Man kann aus einem T-Shirt mit coolem Aufdruck einen tollen Rock oder einen funktionellen Rucksack kreieren, der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt“, weiß die 40-Jährige. Nach dem Motto „Selbstgemacht ist immer wertvoll“ möchte Deibler auch Workshops rund ums Nähen anbieten.
Viele neue Ideen hätte sie bereits im Hinterkopf – vom „Mutter-Kind-Nähen“, über den „Nähbrunch“, bis hin zur „Kreativzeit mit Kaffee und Kuchen“.
Ihre Vision wäre, einmal ein „place to be“ zu sein, für Kreative und Selbermacher, gerne würde sie zukünftig auch kleinere Veranstaltungen, Vorträge oder Lesungen in ihr „Glückstoff“ holen.


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