Größtes Wasserrad Österreichs: „Ohne Förderung sind kleine Anlagen kaum wirtschaftlich zu betreiben“
ALMTAL/GRÜNAU. „Die Alm ist nur 50 Kilometer lang. Trotzdem gibt es hier rund 50 Wasserkraftanlagen“, erzählt Helmut Neubacher. Der Berufsjäger und Wildtiermanager betreibt in der Heckenau das größte Wasserrad Österreichs – und sorgt sich um die Zukunft der privaten Wasserkraftanlagen.

Die Zahlen sind beeindruckend: sieben Meter Durchmesser, vier Meter Breite und ein Gewicht von 22 Tonnen. Jede Sekunde strömen vier Kubikmeter Wasser auf die „Taufeln“ genannten Schaufelbretter und setzen bei der Rabenauer Säge das Rad in Bewegung.
Nutzung des Wassers als Energiequelle hat Tradition
Der alte Hausname verweist noch auf den ursprünglichen Zweck des Wasserrades: Seit 1728 wird an dieser Stelle der Alm die Kraft des Wassers genutzt – zunächst um Holz zu bearbeiten, heute um elektrische Energie zu gewinnen. Rund 80 Haushalte kann Helmut Neubacher mit Strom versorgen, bei Volllast produziert sein Wasserrad rund 55 Kilowattstunden. „An der Alm wird allein in Grünau so viel Ökostrom erzeugt, dass der gesamte Energiebedarf in der Gemeinde gedeckt werden könnte und man sogar noch exportieren kann“, so Neubacher.
„Schon als Bub haben mich Wasserräder fasziniert“
Mit dem Wasserrad hat sich Neubacher einen Lebenstraum erfüllt: „Wasserräder waren schon immer mein Traum – damals waren es halt noch die kleinen, die wir als Buben selbst an kleinen Bächen gebaut haben“, so Neubacher. Das österreichweit größte Wasserrad, das er vor rund zwölf Jahren anstelle des Vorgängermodells errichten ließ, hat er daher auch selbst konstruiert. „Das Wasserrad wurde direkt am Standort zusammengebaut. Der Kran hat die vier Tonnen schwere Wasserradwelle in die Verankerung gehängt, der Rest wurde dann aufgebaut“, erzählt Neubacher. Auch die Lärchenholz-Taufeln, die die enorme Wassermenge im Rad aufnehmen müssen, fertigt Neubacher selbst an.
Ungewisse Zukunft
Was ihn allerdings schmerzt ist die ungewisse Zukunft, die er für Kleinwasserkraftwerke, wie jene am Almfluss sieht: „Ich bekomme nur 15 Jahre lang nach der Errichtung eine Ökostromförderung, damit ist es bald vorbei. Bei den derzeit niedrigen Energiepreisen am freien Markt sind kleine Anlagen aber kaum wirtschaftlich zu betreiben. Man kann sich einfach keine Reparaturen mehr leisten“, so Neubacher. Billiger Atomstrom – bei dem die Allgemeinheit die Kosten für Risiko und Endlagerung tragen muss – drücke den Preis und mache den Ökostrom unrentabel. Mit einer „besseren Förderpolitik“ könnten hier wichtige Schritte gesetzt werden, ist Neubacher überzeugt. Dann würde sich auch der Weiterbetrieb seines „Riesenwasserrades“ noch länger rentieren.


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