Hilferuf von Ehepaar mit Multipler Sklerose: Wohnung dringend gesucht

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Mag. Susanne  Überegger Mag. Susanne Überegger, Tips Redaktion, 21.02.2020 15:08 Uhr

GRÜNBACH. Vor Sorge kaum mehr ruhig schlafen können Markus und Alexandra Hollinger aus Schlag. Dem Ehepaar – beide sind an Multipler Sklerose erkrankt – wurde der Mietvertrag für das Haus gekündigt, da der Besitzer es verkaufen möchte. „Wir würden es gerne erwerben, bekommen aber wegen unserer beider Erkrankung keinen ausreichenden Kredit“, sagt Markus Hollinger, Polizeibeamter im Innendienst. Auch die Suche nach einer rollstuhlgerechten Wohnung gestaltet sich als sehr schwierig.

Das Ehepaar Hollinger wohnt mit Hund „Gina“ seit dreieinhalb Jahren zur Miete in einem Haus in der Jahn-Siedlung in Schlag. „Wir fühlen uns in dem Haus sehr wohl. Leider möchte der Besitzer es verkaufen. Aber uns fehlen rund 40.000 Euro, um es erwerben zu können“, schildert Markus Hollinger.

„Aufgrund unserer beider Erkrankung bekommen wir keinen ausreichenden Kredit, aber da will ich der Bank gar keinen Vorwurf machen. Es gibt auch leider keine Förderungen von der öffentlichen Hand für einen Hauskauf“, sagt der 52-jährige Polizeibeamte, der auf der Polizeiinspektion Freistadt im Innendienst arbeitet.

Erfolglose Wohnungssuche

Sobald das Haus verkauft ist, muss das Ehepaar Hollinger innerhalb von 30 Tagen ausziehen. „Deshalb sind wir schon seit einem Jahr auf der Suche nach einer rollstuhlgerechten Wohnung, haben uns auch schon sehr viele angesehen, finden aber keine geeignete. Es ist wirklich traurig, dass so viele neue Wohnungen gebaut werden und offenbar keine davon rollstuhlgerecht ist. Zwischen barrierefrei-behindertengerecht und rollstuhltauglich ist ein Riesenunterschied!“, weiß Hollinger, der seit zwei Jahren auf einen Spezialrollstuhl angewiesen ist. Der Beamte kann seine Beine nicht einmal mehr ein kleines bisschen bewegen.

Schleichende Erkrankung

Die Erkrankung begann bei dem gebürtigen Bad Leonfeldener schleichend. „Ich war damals ganz normaler Landgendarm am Posten in Sandl. Neben meiner Arbeit habe ich ein altes Haus saniert. Als ich merkte, dass meine Kraft nachlässt, dachte ich zuerst, ich hätte mich einfach mit den Nachtdiensten und dem Umbau übernommen. Bis ich 2006 massive Probleme mit Blase und Darm bekam“, erinnert sich Hollinger.

Es folgte eine lange Odysse von Arzt zu Arzt, bis ein Urologe endlich den richtigen Verdacht hatte, Hollinger an einen Neurologen überwies und dieser die Diagnose „Multiple Sklerose“ stellte.

Die ersten Jahre machte sich die Erkrankung zusätzlich vor allem durch starke Müdigkeit und teilweise unkoordinierten Bewegungen bermerkbar. Bis sich Hollingers Gangbild 2012 auf einmal extrem verschlechterte.

„Plötzlich hat die Koordination verrückt gespielt. Bald war ich auf Krücken und dann auch auf einen Rollator angwiesen“, musste Hollinger in den Innendienst auf der Polizeiinspektion Freistadt wechseln. Vor zwei Jahren schließlich kam er eines Morgens nicht mehr aus dem Bett, die Beine versagten ihm einfach den Dienst.

Seit zwei Jahren im Rollstuhl

„Das bedeutete einen schweren Schlag für mich. Aus dem großen, starken Polizisten war über Nacht ein Rollstuhlfahrer geworden“, kämpft der 1,86 Meter große Mann mit der Erinnerung. „Ohne meine Alexandra könnte ich den Alltag heute nicht mehr bewältigen. Sie unterstüzt mich 24 Stunden am Tag und trotz ihrer eigenen Erkrankung mit so viel Herz und Selbstverständlichkeit. Das ist für mich das größte Glück, das ich jemals erleben durfte. Meine Frau ist mein Engel“, sagt Hollinger.

Das Paar hat sich bei der Reha kennengelernt und im September 2019 geheiratet. Auch Alexandra Hollinger (46) ist an MS erkrankt. Sie führte früher als Wirtin ihr eigenes Gasthaus, jetzt ist sie in Invaliditätspension.

Welle der Hilfsbereitschaft

„Uns geht es gut miteinander. Momentan können wir aber nur mehr daran denken, wo wir wohnen sollen, wenn das Haus verkauft ist“, sagt Markus Hollinger, der sich auf diesem Weg für die große Hilfsbereitschaft, die er und seine Frau bislang schon erfahren durften, herzlich bedanken möchte. „Ein 75-jähriger Nachbar schaufelt den Schnee in unserer Einfahrt, andere Nachbarn wechseln sich mit dem Rasenmähen in unserem Garten ab. Viele meiner Kollegen haben mir Hilfe beim Umbau des Hauses angeboten, denn noch ist es nicht ganz rollstuhlgerecht.“

Öffentlicher Hilferuf

„Es ist für uns nicht leicht, öffentlich um Hilfe zu bitten, aber wir wissen uns keinen anderen Weg mehr. Wir sind um jede noch so kleine Hilfe dankbar. Wenn wir auf diesem Wege eine passende, rollstuhlgerechte Wohnung finden würden oder wenn vielleicht jemand das Haus kaufen und an uns vermieten möchte, das wäre toll.“

Wer das Ehepaar Hollinger unterstützen möchte: BAWAG PSK AT 37 6000 0402 1003 3680

Kontakt per E-Mail: hollima@aon.at

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche, nicht ansteckende Erkrankung des zentralen Nervensystems, d.h. das gesamte Gehirn und Rückenmark können betroffen sein.

Bei MS-Patienten werden durch das eigene Immunsystem Teile der Nervenfasern zerstört, die maßgeblich an der Weiterleitung von Impulsen beteiligt sind, aber auch Nervenfasern und -zellen selbst. Dadurch kommt es u. a. zu Lähmungserscheinungen, können Muskeln nicht mehr richtig koordiniert oder Sinnessignale nicht korrekt weitergegeben werden.

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