special!junior!senior! 2017: Des Kaisers allerneueste Kleider
STADT HAAG. Am vergangenen Samstag fand die Uraufführung von „Des Kaisers allerneueste Kleider“ statt. Das Stück ist eine Special!Junior!Senior! Produktion der Theaterwerkstatt Haag und wird im Rahmen des Theatersommer Haag zum Besten gegeben.

Das Stück stammt aus Maximilian J. Modls Feder, inspiriert von Hans Christian Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ und „Die Nachtigall“. Er führte auch Regie
Das Stück
Noch bevor das Publikum seine Plätze eingenommen hat, beginnt schon der Prolog des Stücks inmitten der wartenden Gäste. Trimei Grüzweimher (Milan Eror) und seine Tochter Sidanie (Anna Sebök) werden von Agentin Nasowas (Lauren Pointner), Agent Naseweiß (Florian Pelich) und Agentin Naserwas (Lara Scheibelmasser) wegen Erregung von Emotionen festgenommen. Fließend sind die Grenzen zwischen Bühne und Publikumsraum und werden auch immer wieder durchbrochen und aufgelöst. Noch bevor die Ministerin für alternative Fakten (Brigitte Maschl-Leitner), der Emotionsreduktionsminister (Norbert Dumpfhart) und die Spiegelministerinnen Ara und Ara (Hannah Kreismayr und Johanna Hammer) in Erscheinung treten, werden das Publikum und das anwesende Volk mittels Tafeln instruiert, wann sie Beifall zu klatschen oder wann sie zu schweigen haben.
Erst nach dem Auftreten des Obersten Ministers Diren (Christian Hochgatterer) erscheint der geschätzte Kaiser Wansui Lian (Maximilian Leeb). Langeweile und Modeversessenheit lassen die beiden Schneider Hans (Lukas Wieser) und Christian (Moritz Aichinger) Raum für ihre Kreationen, von denen es heißt, dass nur Berufene sie erkennen könnten. Wie auch im Märchen, wird aber vom Volk die Nacktheit erkannt und der König wird verstoßen. Er kommt zu arabisch sprechenden Naturwesen (Nour und Joud Alelwanalnaser) und der Nachtigall (Madita Kilinger), die ihm helfen die Hinterlist seines Ministers und die totalitären Strukturen seines Regimes zu überwinden.
Das Spezielle
Schon die spezielle Zusammensetzung mit Jugendlichen, Senioren und Menschen mit besonderen Bedürfnissen in einem Ensemble stellt ein Alleinstellungsmerkmal dar.
Und es ist Max J. Modl gelungen eine Geschichte zu erzählen, die einerseits aktuell im Tagesgeschehen erlebt werden kann und andererseits zeitlose Gültigkeit hat. Wirklich zum Leben erweckt wurde diese Geschichte von den inspirierten und begeisterten Darstellern. Bedrückend gut gestaltet war die schwarz-weiß gehaltene Bühne mit den zahllosen Kaiserkronen. Dazu passend waren die in dunklem Grau gehaltenen Kostüme (Aloisia Wurzer), die an die grauen Männer in der Geschichte „Momo“ von Michael Ende erinnerten. Der imposante, modern gestaltete Thron bildete ein zentrales Element. Die Bühne war auf ein Minimum an Requisite beschränkt und wirkte durch die Öffnung der Darsteller zum Publikum aber außerordentlich groß. Unzählige Wortwitze und Sprachspiele machen es eigentlich notwendig das Stück mehr als einmal zu sehen, wenn man keine Pointe verpassen möchte.
Christian Hochgatterer überzeugte mit der dargestellten Finsterheit des Ministers. Ein eindrucksvoll majestätischer Maximilian Leeb wusste mit Gesang und sprachlicher Eloquenz genau so zu begeistern, wie die bezaubernde Stimme von Madita Kilinger. Sie stimmte ein Revolutionslied (Wiff Lagrange) an, das die Barrikaden der Herzlosigkeit mühelos überwand.
Mehr Fotos gibt es auf www.facebook.com/tips.amstetten.
Weitere Aufführungstermine sind am 24., 25., 30. und 31. Juli und am 1. August 2017.


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