Naturtipp: Granitland – ein alter Gebirgsrest
Oberösterreich ist für seine Berge im Salzkammergut bekannt. Doch die Alpen sind nicht der einzige gebirgige Beitrag zu unserem Bundesland. Während die Alpen erste einige zehn Millionen Jahre alt und damit erst nach dem Aussterben der Dinosaurier entstanden sind, fußt das Mühlviertel auf einem viel älteren Gebirge.

Dieses besteht aus sogenanntem Urgestein, vor allem dem Granit. Dieses Gebirge ist schon vor etlichen 100 Millionen Jahren entstanden und ist damit etwa zehn Mal älter als die Alpen. Letztere sind übrigens noch so „jung“, dass sie sich noch immer im Millimeterbereich pro Jahr heben.
So gebirgig wie in den schroffen Kalkwänden der oberösterreichischen Kalkalpen, sieht es bei uns zugegebenermaßen nicht aus, aber Erosion, Wind und Wetter, Erdplattenverschiebungen sowie bereits etliche Eiszeiten hatten hier auch genügend Zeit, ein viel sanfteres Hügelland zu formen. Die bizarrsten Felsformationen sind die typischen Wollsackverwitterungen, die in dieser Form für unser Granitland typisch sind.
Unterschiedliche Entstehungsgeschichte
Granit, so lernt es wohl jedes Kind, besteht aus „Feldspat, Quarz und Glimmer“ und ist ursprünglich aus Magma in mehreren Kilometern Tiefe unter der Erdkruste entstanden. Der Kalk der oberösterreichischen Alpen hingegen wurde uns von den Lebewesen des ehemals dort befindlichen Meeres hinterlassen. Zwei völlig unterschiedliche Bausteine also.
Das wirkt sich auch auf die Böden und die Pflanzenwelt aus. In den Kalkalpen gibt es durch den Kalk viele basische Böden, was dem Pflanzenreichtum insbesondere bei Orchideen sehr entgegenkommt. Auf Granit oder sonstigem Urgestein, wie Gneisen ist der Boden oft sauer und auch Hochmoore haben sich häufig gebildet. Man findet hier eine Pflanzenwelt, wie sonst in ähnlicher Form in Skandinavien oder den großteils ebenfalls aus Urgestein bestehenden Zentralalpen, wie den Hohen Tauern. Typische Vertreter sind hier zum Beispiel der Siebenstern oder das bereits sehr seltene Holunderknabenkraut, eine Orchidee, die Kalkböden eher meidet.
So weisen beide Gebirge in Oberösterreich auf ihre Art ganz besonderen Eigenheiten auf, die sich nicht nur beim Blick auf die Höhe der Berge bzw. die Form der Landschaft erschließen.
Verfasser:
Josef Springer


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