„Integration ist keine Einbahnstraße“

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Michaela Aichinger Michaela Aichinger, Tips Redaktion, 13.12.2018 20:00 Uhr

HERZOGENBURG. Seit fünf Jahren bemüht sich die Integrationsservicestelle Herzogenburg unter dem Motto „Hand in Hand“ um ein friedliches Zusammenleben aller Gemeindebürger – unabhängig von ihrer Herkunft. Tips sprach mit der zuständigen Beraterin Ayse Arslan-Sezen.

Herzogenburg ist attraktiver Lebensmittelpunkt für viele Menschen, darunter auch für viele Zuwanderer aus dem Ausland. Sich in einem fremden Land mit seinen kulturellen, gesellschaftlichen oder bürokratischen Eigenheiten zurechtzufinden ist dabei nicht immer einfach. Hier setzt die Integrationsservicestelle an.

Kostenlose Beratung

In Herzogenburg gibt es für Migranten mit Wohnsitz in der Gemeinde kostenlose, mehrsprachige Beratung für die unterschiedlichsten Bereiche des Alltags. „Die Einzelberatungen finden zweimal wöchentlich statt, mittwochs und donnerstags von 17.30 bis 19.30 Uhr. Dabei erhalten die Menschen Hilfestellung zu verschiedensten Themen, die das Leben in Österreich betreffen. Ich unterstütze unsere Klienten beispielsweise bei der Suche nach einem Deutschkurs oder bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen“, erklärt Ayse Arslan-Sezen.

Workshops und Vorträge

Zudem gebe es auch Gruppenberatungen in Form von Workshops oder Vorträgen. „Auch Ausflüge stehen regelmäßig auf dem Programm. Diese werden von Spendeneinnahmen finanziert“, so Arslan-Sezen. Alle zwei Jahre findet in Herzogenburg auch das interkulturelle Fest „Wir sind Herzogenburg“ statt.

Friedliches Zusammenleben aller Herzogenburger

Wie das Motto „Hand in Hand“ zeigt, ist das Ziel des Beratungsangebots laut Arslan-Sezen einerseits, Zugewanderte bei der Lösung von Alltagshürden professionell zu unterstützen. In den Beratungen werde darauf Wert gelegt, dass die Selbstständigkeit der Klienten im Sinne der Integration gefördert wird. „Andererseits bedeutet “Hand in Hand„ auch, dass die von der Integrationsservicestelle organisierten Veranstaltungen zu einem friedlichen Zusammenleben von allen Herzogenburgern beitragen sollen. Sie schaffen Begegnung und in weiterer Folge Dialog und neue Bekanntschaften“, ist Arslan-Sezen überzeugt.

Sprachliche Barrieren

In den letzten Jahren standen laut Arslan-Sezen vor allem die Themen Behördenwege und die Suche nach einem Deutschkurs im Zentrum der Beratungen. „So stellt beispielsweise der Kontakt mit Behörden oder das Verstehen von behördlichen Schreiben für zugewanderte Herzogenburger der ersten Generation aufgrund der sprachlichen Barriere eine enorme Herausforderung dar“, erklärt die Beraterin.

120 bis 160 Einzelberatungen pro Jahr

Allgemein werden die Beratungsangebote Arslan-Sezen zufolge von der zugewanderten Gesellschaft gerne angenommen. So finden etwa 120 bis 160 Einzelberatungen pro Jahr statt. Beraten werden jährlich ungefähr 50 bis 80 Personen, wobei mehr Frauen als Männer die Angebote in Anspruch nehmen.

Wie gelingt Integration?

„Integration ist keine Einbahnstraße. Für eine erfolgreiche Integration ist das Erlernen der deutschen Sprache unumgänglich, aber nicht ausreichend. Darüber hinaus ist eine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben – wie etwa der Besuch lokaler Veranstaltungen oder die Freiwilligentätigkeit in einem Verein – nötig. Zugewanderte Menschen können sich aber auch schneller in die Aufnahmegesellschaft einleben, wenn ihnen von dieser signalisiert wird, dass sie willkommen sind. Dafür braucht es auf beiden Seiten eine große Portion Offenheit, Neugier, Toleranz und Bereitschaft, sich auf bisher Unbekanntes einzulassen“, erklärt Arslan-Sezen. Gelegenheit für einen kommunikativen Austausch gebe es im Alltag oft – etwa auf dem Weg zur Arbeit, im Wartezimmer beim Arzt, oder auf einer Veranstaltung der Integrationsservicestelle.

Alles begann mit Zeitungsartikel

Der Weg zur Integrationsarbeit in Herzogenburg hat für Arslan-Sezen mit dem Lesen eines Zeitungsartikels begonnen. „In diesem wurde über fehlende Integrationsmaßnahmen berichtet. Da ich zu dieser Zeit Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien studierte, hat mich dieses Thema interessiert. Ich habe den Gemeinderat für Integration kontaktiert und wurde zum nächsten Treffen der Arbeitsgruppe “Integration Herzogenburg„ eingeladen. Diese Gruppe bestand aus Experten verschiedenster Richtungen und wir feilten gemeinsam an der Herausarbeitung von Maßnahmen für eine erfolgreiche Integration“, so die Beraterin. Die Idee der Gründung der Integrationsservicestelle sei aus dieser Zusammenarbeit heraus entstanden. „Bis Ende 2015 war ich neben meinem Masterstudium der Sozialwirtschaft und Sozialen Arbeit als freiwillige Beratungskraft hier tätig und habe mich nun hauptamtlich dieser Herausforderung gestellt“, erklärt Arslan-Sezen abschließend.

Verein „menschen.leben“

Die Integrationsservicestelle Herzogenburg ist eine Einrichtung des gemeinnützigen Vereins „menschen.leben“, der seit 2006 im Non-Profit Bereich soziale Dienstleistungen anbietet. Der Verein handelt überkonfessionell, sachorientiert und überparteilich. Er ist bundesweit schwerpunktmäßig in den Bereichen Integration/Bildung/Sprache, Asyl, Frauenarbeit, psychologische Betreuung sowie Jugendarbeit tätig.

Infos: www.menschen-leben.at

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