Der Kampf um den Kamp: Aktionsgruppe kritisiert Pseudo-Bürgerbeteiligung
Kamptal. Das Kamptal könnte zum zweiten Mal nach den 1980er-Jahren Schauplatz einer Auseinandersetzung um den Bau eines Wasserkraftwerkes werden.

Laut einem Sprecher der Energieversorgung Niederösterreich (EVN) will das Unternehmen eine „Wasserspiegelanhebung im Oberwasser“ von 2,5 Meter sowie eine „Eintiefung des Kamp im Unterwasser“ um 1,5 Meter zur Genehmigung beim Mehrheitseigentümer, dem Land Niederösterreich, einreichen. Dadurch würde der Kamp auf 1,5 Kilometer Länge durch Stauverlängerung und Unterwassereintiefung zusätzlich zerstört.
Der WWF (World Wide Fund for Nature), der Naturschutzbund Niederösterreich, Riverwatch, BirdLife Österreich, das Forum Wissenschaft und Umwelt sowie etliche Fachleute lehnten in ihren Stellungnahmen unisono die vorgeschlagenen Neubauvarianten als nicht vertretbaren Eingriff in eine der letzten freien und geschützten Fließstrecken Österreichs ab. (Tips berichtete.)
Zitat, Christoph Litschauer: „Dass die EVN nun exakt jene Variante einreichen will, die sie schon im Juni präsentiert hat, ist eine herbe Enttäuschung und empfinden wir als Frotzelei. Mit einer derartigen Pseudo-Einbindung fügt die EVN auch der Idee der Bürgerbeteiligung ernsthaften Schaden zu.“
„Nun ist das Land Niederösterreich am Zug, diesem Spiel ein Ende zu setzen“, sagt Christoph Litschauer, Flussexperte des WWF Österreich. „Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes soll eine der wertvollsten Flussstrecken Österreichs zerstört werden. Anstatt in nachhaltige Energieversorgungsprogramme zu investieren, will die EVN nun schon das zweite Kraftwerk in einem Europaschutzgebiet verwirklichen“, stellt Ulrich Eichelmann von Riverwatch fest.
Zitat, Ulrich Eichelmann: „Das ist kein Klimaschutz, das ist ganz simpel ein Naturverbrechen.“
„Das EVN-Projekt Ferschnitz an der Ybbs liegt nach EU-Klage auf Eis. „Das Kampprojekt könnte denselben Weg gehen. Anstatt in veraltete Ausbaukonzepte, sollte die EVN endlich in ein modernes Energieversorgungskonzept inves-tieren, das auf Energieeinsparung ausgerichtet ist“, so die Naturschutzverbände, zusammengeschlossen in der Aktionsgruppe „Lebendiger Kamp“. Die Gruppe fordert daher Umweltlandesrat Stephan Pernkopf (ÖVP) auf, sich für den Fluss und gegen die Zerstörung des Kamps auszusprechen: „Es braucht dringend ein umfassendes und ernsthaftes Programm zum Klimaschutz und zur Energiewende in Niederösterreich. Die letzten paar Kilometer an freien, unverbauten Fließstrecken für eine lächerliche Stromausbeute zu fluten respektive auszubaggern kann doch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Wir fordern das Land Niederösterreich als Mehrheitseigentümer der EVN und als Genehmigungsbehörde dringend auf, die Notbremse zu ziehen. Andernfalls wird es auf einen möglicherweise jahrelangen Konflikt im Kamptal hinauslaufen.“
EVN-Sprecher Stefan Zach dazu: „Wir haben entschieden, die Revitalisierung des Kraftwerks Rosenburg weiter voranzutreiben. Wie die Visualisierungen zeigen, steht dabei allerdings weniger die Ökonomie, als vielmehr die Naturverträglichkeit im Vordergrund. Die Forderung des Abrisses des Wasserkraftwerks durch einige Nichtregierungsorganisationen (NGO“s), erscheint im Kontext mit dem Klimaschutz allerdings als problematisch. Wir sehen es als unsere Pflicht künftigen Generationen gegenüber, möglichst viel Strom aus erneuerbaren Ressourcen zu erzeugen. Das deckt sich auch mit den Wünschen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung.“
Weitere Maßnahmen
Werner Gamerith von der Vereinigung „Lebendiger Kamp“ kündigt an: „Wir lassen uns das Kamptal nicht zerstören, irgendwo ist Schluss mit der Naturzerstörung.“ Die Aktionsgruppe wird bei einer Pressekonferenz, voraussichtlich am 10. Dezember, ihre weitere Vorgangsweise bekannt geben.


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