Nachgefragt bei den Parteien: pro oder contra „Ausbau von Windkraftanlagen im Waldviertel“

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Olivia Lentschig Olivia Lentschig, Tips Redaktion, 01.02.2018 13:35 Uhr

BEZIRK HORN. „Befürworten Sie den Ausbau von Windkraftanlagen im Wald?“ Mit dieser Fragestellung, ausführlichen Kommentaren zum Niederösterreich Energiefahrplan 2030 und daran anknüpfenden Forderungen wandte sich die Interessensgemeinschaft Waldviertel (die Kooperation von acht überparteilichen Waldviertler Bürgerinitiativen) zu Beginn dieses Jahres an alle politischen Fraktionen, welche 2018 zur Landtagswahl in Niederösterreich antreten.

Während sich die FPÖ klar gegen eine Ausbau von Windkraftanlagen im Wald positioniert (aber grundsätzlich jede alternative Energieform, die eine Abhängigkeit von Atomstrom verhindert befürwortet), setzt die SPÖ auf einen geordneten Ausbau von Windkraftanlagen und einer Forcierung der Entwicklung von Speicherkapazitäten sowie einen Umbau der Energieversorgung in Richtung Nachhaltigkeit.

Seitens der ÖVP möchte man keine generelle Aussage tätigen, sehr wohl aber die Zusage, dass gerade in sensiblen Gebieten besondere Sorgfalt in der Prüfung und Genehmigung notwendig ist.

Die GRÜNEN betonen, dass in jedem Verfahren eingehende und nicht einseitige Gutachten einzuholen sind, damit jedes Windkraftprojekt einen positiven Einfluss für Umwelt und Klima hat.

Ein potenziell schädlicher Ausbau von Windparks in Waldgebieten, der energiepolitisch fragwürdig scheint, ist aus der Sicht der NEOS unplausibel. Sie fordern Anrainern eine Parteistellung im UVP-Feststellungsverfahren zuzuerkennen.

Die IG Waldviertel leitet aus den Reaktionen ab, „dass die Standortproblematik von einigen Parteien nicht ausreichend erkannt wird und bietet nun der Politik die Mitarbeit zur energiepolitischen Entwicklung des Waldviertels an.“ Aufgrund der mehrjährigen Beschäftigung mit dem Thema „Windkraftanlagen im Wald“ haben sich etliche Mitarbeiter der Bürgerinitiativen zu Experten in dieser Frage entwickelt, von deren Wissen die Landespolitik möglicherweise profitieren könnte.

Fragwürdige Gutachten

Ein Überdenken der NÖ Ausbaupläne wäre dringend anzuraten, so die IG: Bis jetzt mussten von den 22 im Waldviertel geplanten Windkraftprojekten bereits 9 aufgrund von hohen Raumwiderständen eingestellt werden. Kein einziges Projekt wurde seit 2012 genehmigt. Dies zeigt die mangelhaften Erhebungen der im NÖ Raumordnungsprogramm als für Windkraft geeignet bezeichneten Flächen.

Durch die Streichung erhöht sich offenbar der politische Druck auf die restlichen Standorte; mit fragwürdigen Gutachten versucht man nun den Weg zur Umsetzung der restlichen Windkraftprojekte im Waldviertel zu ebnen. Doch alle Projektgebiete weisen ein hohes Vorkommen streng geschützter Vogel- und Fledermausarten auf. Der Konflikt mit dem Natur- und Artenschutz ist somit vorprogrammiert.

Noch dazu ist die Effektivität im windschwachen Waldviertel durch die erforderlichen Abschaltzeiten (Raureif, Vogelzug, Fledermausflüge, Schattenwurf, etc.) mehr als fraglich.

Die Windkraftprojekte in den Waldgebieten bei Göpfritz an der Wild, Meiseldorf, Sigmundsherberg, Grafenschlag, und Sallingberg sorgen bereits für große Unruhe in der Bevölkerung. Wieso die bis jetzt als größtes Potential der Region angesehene Landschaft und Natur plötzlich verkauft werden soll, ist für viele nicht nachvollziehbar.

Die IG Waldviertel appelliert an die verantwortlichen Politiker, dass die Bevölkerung bei Entscheidungen miteinbezogen wird und somit ihr Mitspracherecht geltend machen kann. Über pro und contra ökologisch und ökonomisch fragwürdiger Windkraftprojekte gehört seriös aufgeklärt, und berechtigte Kritik daran nicht, wie bisher, mit der Atomkraftkeule niedergeknüppelt.

Infos auch unter facebook.com/windparkfrei und www.windpark-neindanke.at

 

 

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Kommentare

  1. Gastuser
    Gastuser07.02.2018 07:46 Uhr

    - Das „unsachliche Geschrei von der IG Waldviertel“ hat bis jetzt mehrmals erfolgreich zur Vermeidung schwerwiegender Eingriffe in Natur und Landschaft geführt. Offensichtlich sehr zum Ärger der Windkraftlobby und einiger Politiker, die auf Biegen und Brechen ohne Rücksicht auf bisherige Regeln (Verhalten im Wald, Einhaltung von bestehenden Gesetzen und Richtlinien, Raumordnung, Naturschutz usw.) ihre fragwürdigen Ziele erreichen wollen. Als unsachliches Geschrei wären eher die vorgeschobenen Atomkraftargumente der Politik zu bezeichnen.



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