„Wir leben vom Eis“
INZERSDORF IM KREMSTAL. Im Sommer ist Leonhard Schröcker fast jedes Wochenende mit seinem Eiswagerl bei Veranstaltungen unterwegs und verkauft das selbst produzierte Bauernhof-Eis. Zu dieser Zeit gäbe es auch am Hof genug Arbeit, doch das Eis ist ein unverzichtbarer Zuerwerb für den Inzersdorfer Ortsbauernobmann.

Familie Schröcker wollte aus der Milch ihrer 23 Kühe etwas produzieren und diese nicht nur an die Genossenschaft liefern. So entstand die Idee zum Bauernhof-Eis. Rund zehn Prozent der Milch werden für das Eis verwendet.
Mittlerweile fertigen die Inzersdorfer rund 2000 Liter Eis pro Jahr. Je nach Saison gibt es 15 bis 20 Sorten. Erhältlich ist die Süßspeise nicht nur am Bauernmarkt und Ab Hof (freitags 8 bis 17 Uhr), sondern auch bei Nahversorgern sowie in rund zehn Gasthäusern.
Sinkende Einkünfte aus der Milchviehwirtschaft
Der Zuerwerb ist für Leonhard Schröcker nicht mehr wegzudenken. „Wir leben mittlerweile mehr von den Einkünften aus dem Eisverkauf als von der Landwirtschaft“, so der Vater dreier Kinder, „alleine in Inzersdorf haben die Bauern gegenüber 2014 heuer rein bei der Milchviehwirtschaft um rund 800.000 Euro weniger eingenommen. Das ist enorm viel Geld, das sich auf die Kaufkraft auswirkt und somit der regionalen Wirtschaft abgeht. Das kann man auch mit Förderungen nicht ausgleichen“, weiß der Inzersdorfer Ortsbauernobmann, der sich dafür einsetzt, dass „der Konsument einsieht, dass wir wieder mehr verdienen müssen, sonst wird alles stehen. Das wäre das Ende der Landwirtschaft.“ Es sei wichtig, den Konsumenten die Landwirtschaft näher zu bringen, damit sie die Bauernmärkte nutzen und österreichische Produkte kaufen. „Eine gute Informationsquelle ist www.landschafftleben.at Alle sollten mehr darauf schauen, dass wir alle miteinander in Österreich leben können.“
Gesetzesänderung gefordert
Leonhard Schröcker sieht die Zukunft der Landwirtschaft nicht sehr positiv: „In der Ebene wird alles zubetoniert und am Berg wird alles, was nachteilig zu bewirtschaften ist, zu Wald werden. Eine Gesetzesänderung ist gefordert, sonst wird der landwirtschaftliche Grund irgendwann zu wenig.“ Eine weitere Herausforderung sieht er im Handel: „Im Frühjahr gab es ein zu großes Milchangebot und der Handel forderte die Molkereien auf, mit dem Preis runter zu gehen. Wenn es – wie jetzt – zu wenig Milch gibt, geht der Preis jedoch nicht so einfach rauf.“


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