HINTERSTODER. Was passiert, wenn es auf 1.800 Metern Seehöhe brennt, während das Skigebiet im Tiefschnee versinkt? Um für den Ernstfall am Berggasthof gerüstet zu sein, haben sich die Feuerwehren Hinter- und Vorderstoder am Samstag einer ganz besonderen Herausforderung gestellt.

„Der Berggasthof auf der Höss ist für viele ein Ort der Erholung, doch für uns als Feuerwehr bedeutet die Lage in fast 2.000 Metern Höhe vor allem eines: logistische Millimeterarbeit. Damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt, organisierten Oberbrandinspektor Martin Hackl und Brandinspektor Peter Schoisswohl eine Übung, die uns und unseren Nachbarn aus Vorderstoder alles abverlangte. Übungsannahme war ein Brand im hinteren Bereich des Gasthofes, direkt neben dem Gaslager“, erklären die Verantwortlichen der Feuerwehr Hinterstoder.
Eine starke Partnerschaft auf dem Berg
Während die erste Übung dieser Art im Jahr 2015 noch von der Feuerwehr Hinterstoder allein bestritten wurde, hat sich über die Jahre gezeigt: Solche Szenarien lassen sich am besten im Team lösen. Die Zusammenarbeit mit der FF Vorderstoder ist hier ein entscheidender Faktor, um im Ernstfall schnell und schlagkräftig genug zu sein.
Um 16 Uhr ging es los. Da die schweren Löschfahrzeuge im tiefen Schnee nicht bis ganz nach oben kommen, endete die Fahrt zunächst bei der Mittelstation auf den Hutterer Böden. Ab hier hieß es: Umsteigen. Dank der Unterstützung durch die Bergbahnen standen zwei Pistengeräte und ein Skidoo bereit.
Logistik auf Ketten und Kampf mit der Technik
Das Verladen der Ausrüstung auf die Pistenbullys ist Teamarbeit pur. Die Feuerwehrleute haben Pumpen, Schläuche und Beleuchtung verstaut und sich durch den Schnee nach oben gekämpft.
„Oben angekommen, merkten wir schnell, dass die Natur eigene Regeln schreibt. Der Digitalfunk – eigentlich unser Standard – stieß in dieser exponierten Lage an seine Grenzen. Der schlechte Empfang forderte die Einsatzleitung heraus, die Kommunikation zwischen den Trupps trotz der 'Funklöcher' aufrechtzuerhalten. Es sind genau diese Details, die man nur bei einer echten Übung vor Ort herausfindet und für die Zukunft lernt“, berichten die Feuerwehren.
Die Stunde der Wahrheit: Wasser marsch nach 68 Minuten
Die größte Knacknuss war jedoch die Wasserversorgung. Zuerst mussten sich die EInsatzkräfte mit der Motorsäge durch eine dicke Eisschicht am Speichersee kämpfen. Als das Loch endlich frei war, kam die nächste Hürde: Der Wasserstand im Teich war extrem niedrig, da die Schneekanonen im Skigebiet auf Hochtouren liefen, um die Pisten für die Gäste perfekt zu präparieren. Das machte das Auslegen der Saugleitung und das Ansaugen zu einer echten Millimeterarbeit.
Trotz der widrigen Umstände, der Funkprobleme und der komplizierten Wasserentnahme konnten die Feuerwehren nach genau einer Stunde und acht Minuten den Befehl „Wasser marsch“ geben. In dieser Höhe und unter diesen Bedingungen ist das eine beachtliche Zeitleistung, die nur durch das reibungslose Zusammenspiel aller Beteiligten möglich war.
Ein Fazit, das bleibt
Für die Übungsleiter Martin Hackl und Peter Schoisswohl war der Abend ein voller Erfolg. Die Übung hat einmal mehr gezeigt, dass ein Einsatz im Winter im gesamten Skigebiet eine enorme Belastungsprobe ist. Ein großes Dankeschön der Feuerwehren geht an die Bergrettung Hinterstoder für die unkomplizierte Bereitstellung des Einsatz-Quads.
„Wir verlassen uns hier nicht auf das Glück, sondern auf harte Vorbereitung. Ein großes Danke an alle Kameraden – wir sind bereit, auch wenn es am Gipfel ungemütlich wird“, versprechen die Feuerwehren abschließend.


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