Mit dem Geländewagen durch Island
MICHELDORF IN OÖ/KIRCHDORF AN DER KREMS. Ursula Forster und Oskar Lehner aus Micheldorf reisten mit ihrem Geländewagen im Sommer sieben Wochen durch Island und verbrachten eine Woche auf den Färöer-Inseln. Über ihre Erlebnisse berichten sie in einem Vortrag am Dienstag, 9. November, im Kino Kirchdorf.

Tips: Warum haben Sie sich für eine Reise nach Island entschieden?
Ursula Forster: Wir wollten im Frühjahr in Richtung Asien aufbrechen. Da aber außerhalb Europas viele Grenzen pandemiebedingt noch geschlossen waren, entschieden wir uns, über den Sommer nach Island zu fahren, das uns schon lange als Reiseziel gereizt hat.
Tips: Wie viele Kilometer sind Sie gefahren?
Oskar Lehner: Mit der An- und Rückreise zur Fähre nach Dänemark sind wir circa 8.500 Kilometer gefahren, davon rund 5.000 in Island. Die meisten Straßen in Island sind asphaltiert. In den entlegenen und dünn-besiedelten Gebieten des Landesinneren existieren aber fast nur Schotterstraßen. Viele davon waren selbst für unseren guten Geländewagen eine Herausforderung. Schön, dass es solche Straßen in Europa noch gibt.
Tips: Was hat Ihnen an der Landschaft gefallen?
Forster: Landschaftlich ist Island überwältigend und atemberaubend. Wildzerklüftete Küsten wechseln mit ruhigen Fjorden. Vulkanische Stein- und Lavawüsten im Landesinneren und im Gegensatz dazu Wiesenberge mit saftigem Grün. Es ist etwas gewöhnungsbedürftig, dass Island fast keinen Wald hat. Eindrucksvoll sind die mächtigen Gletscher, tosenden Wasserfälle und zahlreichen Vulkane. Wegen der dünnen Besiedlung ist man bei Wanderungen meist ganz alleine. In Island leben rund 350.000 Menschen auf einer Fläche so groß wie Österreich und Slowenien.
Tips: Wie sind die Einheimischen?
Lehner: Grundsätzlich sind sie sehr nett und hilfsbereit. Trotzdem war unser Eindruck, dass es etwas schwieriger ist als in anderen Ländern, mit den Isländern in näheren Kontakt zu kommen.
Tips: Wie ist das Essen?
Forster: Essen gehen ist ziemlich teuer in Island. Es wird sehr viel Schaf-Fleisch und Fisch gegessen. Wir haben auch den berühmten Gammel Hai probiert – ein Fisch, der wegen seines hohen Ammoniak-Gehalts erst gegessen werden kann, nachdem er mehrere Monate in der Erde vergraben und dann im Wind getrocknet wurde. Der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig.
Tips: Was ist besonders an der Kultur?
Forster: In Island sind die alten Volks-Mythen von Elfen, Trollen und Riesen sehr präsent. Um jede außergewöhnliche Steinformation rankt sich eine Sage. Es gibt sogenannte Elfenbeauftragte, die konsultiert werden, wenn Bauprojekte geplant sind. Es kann dann schon sein, dass der Verlauf einer Straße verlegt wird, um den Lebensraum von Elfen und Trollen zu schonen. Klingt schräg, passiert aber wirklich.
Tips: Was war herausfordernd?
Lehner: Bei unseren mehrtägigen Wanderungen war die größte Herausforderung, die gesamte Ausrüstung – einschließlich Zelt, Schlafsack und Kocher – zu tragen. Mit fortschreitendem Alter werden (gefühlt) nicht nur die Berge höher, sondern auch die Rucksäcke schwerer.
Tips: Was war das tiefgreifendste Erlebnis?
Forster: Wir beobachteten eine ganze und sehr kalte Nacht lang den seit 19. März 2021 wieder aktiven Fagradalsfjall Vulkan. Zu sehen, wie die heiße Lava den Vulkankegel herunter rinnt, war faszinierend und furchteinflößend.
Lehner: Mein intensivstes Erlebnis war die mehrtägige Wanderung durch das Hornstrandir Naturschutzgebiet und die Begegnung mit den Polarfüchsen dort. So eine einsame und unberührte Natur findet man in Mitteleuropa nicht mehr.
Tips: Wohin planen Sie Ihre nächste Reise?
Lehner und Forster: Wir hoffen, dass nächstes Jahr die Grenzen wieder offen sind, damit wir unsere Reise quer durch Asien beginnen können.


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