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Historischer Fund gibt über ein Opfer des Todesmarsches im Bezirk Kirchdorf Aufschluss

Leserartikel Jakob Weiermair, 20.10.2015 18:45

KIRCHDORF/BEZIRK. Durch den Bezirk Kirchdorf wurden im Frühjahr 1945 „Todesmär­sche“ geführt. Nun konnte ein Akt mit persönlichen Do­kumenten eines Opfers die­ser Märsche im Rahmen einer Gedenkstunde in der Bezirks­hauptmannschaft Kirchdorf an Verwandte übergeben werden.
 

  1 / 2   Peter und Paul Bodnar (l.) sowie Anita Skolnick nahmen das Dokument über ihren Onkel von Bezirkshauptmann Dieter Goppold entgegen.

Etwa 1200 Menschen wurden im April vor 70 Jahren auch über Straßen, Brücken und Pässe des Bezirks getrieben. Die „Todes­märsche“ wurden von der Gegend um Graz kommend in das Kon­zentrationslager Mauthausen und in das KZ-Außenlager Ebensee geführt. Ungarische Juden und KZ-Opfer wurden, laut Informa­tionen des Projekts „Einhalt“, von Volkssturmmännern, Hitlerjun­gen und SS-Männern durch das Land gehetzt. Wer nicht mehr weiter konnte, wurde erschlagen oder erschossen. Wenige Anwoh­ner halfen trotz Drohungen.

Augustine Eglauer, Sekretärin des Bezirkshauptmanns, stieß bei Verwaltungsarbeiten vor ei­nigen Jahren auf einen Akt mit der Aufschrift „Beisetzung der Opfer der NSDAP“ aus dem Jahr 1945. Dieser enthielt unter ande­rem Dokumente, Briefe und Fotos von einem Opfer der Todesmär­sche durch den Bezirk, Zoltan Schultz. Der Akt wurde damals bei der Überstellung des Leich­nams – der in St. Pankraz an einer Straße verscharrt worden war – in ein Grab am Ortsfriedhof ange­legt.

Erinnerungen retten

Augustine Eglauer und Bezirks­hauptmann Dieter Goppold in­formierten Joachim Stöbis, Heri­bert Binder und Wolfgang Baaske über den Fund. Diese wiederum entdeckten, dass Zoltan Schultz als ein Vermisster unter den Op­fern des Naziregimes gesucht wurde. Peter und Paul Bodnar, Neffen von Schultz sowie Nichte Anita Skolnick reisten nun eigens aus den USA an, um den Akt in Empfang zu nehmen. Im Rahmen einer feierlichen Gedenkstunde übergaben Bezirkshauptmann Dieter Goppold und Landtagsab­geordneter Christian Dörfel das Zeitdokument an die Verwandten.

Paul Bodnar schilderte in einer ergreifenden Rede, wie viel es für ihn und seine Geschwister bedeutet, nun mit Sicherheit zu wissen, welches Schicksal ihr Onkel erfahren hat. Bodnar wies auch auf die Zerstörungswut des Nazi-Regimes hin und sprach seine Hoffnung aus, dass derar­tige Dinge niemals mehr gesche­hen mögen. Die Rede wurde für die Anwesenden von Geschichts­lehrer Manfred Martin aus dem Englischen übersetzt.

Auch Landtagsabgeordneter Christian Dörfel stellte in seiner Ansprache fest: „Wir werden alles daransetzen, dass sich die Dinge von vor 70 Jahren niemals mehr wiederholen.“

Wolfgang Baaske, Koordinator des Projekts „Einhalt“, legte dar, warum es so wichtig sei, sich an die Ereignisse vor 70 Jahren zu erinnern. „Es gilt dieses proble­matische Erbe anzunehmen und über die schrecklichen Ereignis­se zu trauern. Nur so können wir nach vorne schauen“, so Baaske.

Das Forschungs- und Erinne­rungsprojekt „Einhalt“ beschäf­tigt sich mit der Aufarbeitung der Todesmärsche in der Region. Am Sonntag, 15. November, wird im Rahmen eines Gedenkakts ein Denkmal für die Opfer des To­desmarsches im Bezirk in Kirch­dorf enthüllt. Weitere Informati­onen zum Projekt „Einhalt“ unter www.einhalt.eu


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