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Gelungene Integration: Ivana Suban-Coric hat sich ihren Weg zum privaten und beruflichen Erfolg hart erkämpft

Susanne Winter, MA, 12.12.2017 17:38

KIRCHDORF AN DER KREMS. Als Migrantin in ein fremdes Land zu kommen und sich dort ein Leben aufzubauen: Das hat Ivana Suban-Coric aus Kirchdorf selbst erlebt und geschafft – heute ist sie eine erfolgreiche Karrierefrau und lebt mit ihrer Familie in einem Haus in Kirchdorf. Doch dieses Leben hat sie sich hart erkämpft.

Ivana Suban-Coric (r.) mit ihrem Mann Mario und den Kindern Stella, Damian und Pouya
Ivana Suban-Coric (r.) mit ihrem Mann Mario und den Kindern Stella, Damian und Pouya

Berührend und unglaublich motivierend ist die Lebensgeschichte von Ivana Suban-Coric. Als Kind erlebte sie den Jugoslawien-Krieg und mit 15 Jahren flüchtete sie von Bosnien. In einer Schule in Zagreb (Kroatien) machte sie ihre Matura und mit 22 Jahren lernte sie ihren Mann Mario kennen. Dieser hat damals bereits in Österreich gelebt und gearbeitet. Ein halbes Jahr später heirateten die beiden. Zu diesem Zeitpunkt wusste das junge Paar noch nicht, welche Herausforderungen auf sie warteten.

Sprache ist eine große Barriere

Als Ivana Suban-Coric nach Österreich kam hatte sie nur ihren Mann Mario. „Ich konnte kaum Deutsch und der österreichische Dialekt war schwierig zu verstehen“, erzählt Ivana Suban-Coric. „Ich fühlte mich nicht gut aufgenommen, weil ich nichts verstanden habe. Wenn man alleine ankommt, hat man keinen Anschluss und keine Freunde. Keiner geht auf dich zu und fragt: ,Willst du etwas mit mir machen?' Man kann sich mit dir nicht unterhalten. Dann ist man isoliert und sucht sich Menschen, die die eigene Muttersprache sprechen. Aber, wenn du nicht in der österreichischen Gesellschaft ankommst, kannst du es nicht schaffen“, so die 38-Jährige, die überzeugt ist: „Man muss zuerst Deutsch lernen!“ Für ein gelungenes Miteinander brauche es zudem aktives Zugehen aufeinander: „So fühlt man sich gut integriert und heimisch. Dazugehören ist ein sehr wichtiges Gefühl!“

Einreise nur als Touristin gestattet

Zu den Sprachbarrieren kamen auch Existenzsorgen. Mario Coric hatte damals keine österreichische Staatsbürgerschaft. Seine Frau hat deshalb keine Aufenthaltsbewilligung bekommen. „Ich durfte mich in Österreich nicht aufhalten. Wir haben keine Familienzusammenführung bekommen und Mario hat erst drei Jahre nach der Hochzeit die Staatsbürgerschaft erhalten“, berichtet Ivana Suban-Coric. Bis dahin durfte sie nur als Touristin einreisen und sich nur drei Monate im Stück in Österreich aufhalten, bevor sie wieder für drei Monate ausreisen musste.

„Man hat immer Angst“

„So haben wir uns unsere Ehe nicht vorgestellt“, erzählt Suban-Coric: „Man hat immer Angst, dass man an der Grenze von der Polizei aufgehalten wird. Man steht immer unter Generalverdacht.“ Auch während der Schwangerschaft und später mit Baby musste die junge Mutter ein- und ausreisen.

Zutritt zum Arbeitsmarkt schwer zu bekommen

„Die größte Angst ist, nicht arbeiten zu dürfen. Wir haben keine Familienbeihilfe bekommen und mussten von einem Lohn Wohnung, Auto und Reisekosten bezahlen sowie zwei Erwachsene und ein Baby versorgen“, berichtet Suban-Coric: „Wenn du einkaufen gehst und du nicht weißt, ob du bezahlen kannst – diese Existenzängste und kein Zutritt zum Arbeitsmarkt sind die größten Barrieren für Integration. Du kannst dich nicht wohl fühlen, wenn du in Angst und Ungewissheit lebst. So geht Integration nicht!“

Selbstvertrauen aufgebaut

Ivana Suban-Coric hat von Anfang an versucht, alles alleine zu schaffen. Die Mitarbeiter der Behörden waren bemüht, sie zu verstehen. „Wenn man sieht, ich schaffe es alleine und die Menschen sind freundlich und helfen mir, dann traut man sich auch mehr“, betont die zweifache Mutter und erzählt, dass sich besonders durch ihre Kinder der Kontakt zu den Menschen verstärkte: „Und wenn man dann eine Arbeit hat, geht es richtig los!“

Würde weggenommen

Besonders am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn hatte es Ivana Suban-Coric nicht leicht: „Ich habe gekellnert, geputzt und wurde erniedrigt. Man traut sich auch nicht nach dem Gehalt zu fragen und ist nur froh, einen Job zu haben. Und das bisschen Würde, das du hast, wird dir genommen.“ Doch die junge Mutter ist eine Kämpferin.

„Wir dürfen unsere Menschlichkeit nicht verlieren“

„Ich habe mir gedacht: Keiner ist besser als du und du bist nicht schlechter. Alle sind gleich! Heute weiß ich, was meine Rechte sind. Wir dürfen unsere Menschlichkeit nicht verlieren. Diese geht mit jedem Tag mehr verloren und ich wünsche mir, dass Menschlichkeit wieder modern wird.“

Auf Stärken konzentrieren

Ivana Suban-Coric hat sich auf ihre Stärken konzentriert. Sie kennt andere Kulturen und Sprachen, ist anpassungsfähig und flexibel. So hat sie einen Beruf im kaufmännischen Bereich erhalten. „Jede Berufserfahrung, die ich gemacht habe, hat mich ein Stück weiter gebracht“, so hat es Ivana Suban-Coric zur erfolgreichen Karrierefrau geschafft. Sie arbeitet heute als Technische Einkäuferin beim Unternehmen TCG Unitech. „Diversität wird unseren Unternehmen im internationalen Wettbewerb helfen. Ich habe meinen Migrationshintergrund als Mehrwert für die Arbeitgeber gesehen“, so die 38-Jährige.

Flüchtlingskind aufgenommen, um selbst einen Beitrag zu leisten

Seit zwei Jahren lebt sie mit ihrer Familie im Eigenheim in Kirchdorf. Neben zwei eigenen Kindern – Stella (14) und Damian (12) – hat die Familie seit März ein Pflegekind aus Afghanistan – Pouya (8). „Wir wollten einen Beitrag zur Integration leisten und und ein Zeichen setzen, dass man selber auch etwas bewirken kann. Deshalb haben wir ein Flüchtlingskind aufgenommen. Wir mussten uns alles selbst erkämpfen. Erfolg hängt am meisten vom eigenen Engagement ab. Ich bin jetzt ein starker Mensch und habe keine Angst. Aber nicht alle Menschen können das. Wenn jeder etwas tun würde, gäbe es eine Veränderung“, ist sich Ivana Suban-Coric sicher: „Wenn du dich frei fühlst und mitbestimmen kannst, fühlst du dich integriert. Als ich arbeiten und davon leben konnte, bin ich angekommen. Ich wusste, hier bin ich daheim.“


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