Heimische Almbauern setzen sich für Hundeverbot auf Almen ein
BEZIRK KIRCHDORF/KREMS. Das Urteil aufgrund einer tödlichen Kuh-Attacke im Sommer 2014 sorgt innerhalb der Landwirtschaft für Aufregung. Im Zivilprozess im Landesgericht Innsbruck wurde ein Landwirt in erster Instanz zu einer Schadenersatzzahlung von 490.000 Euro verurteilt.

Auch in Oberösterreich lässt das Thema die Politik nicht kalt. Wichtig sind klare gesetzliche und österreichweit einheitliche Regelungen, um das Miteinander auf den Almen sicherzustellen. „Die Almbäuerinnen und Almbauern erbringen großartige Leistungen für die Allgemeinheit und produzieren hochwertige Lebensmittel. Das sollen sie auch weiterhin mit einem Gefühl der Sicherheit tun können“, stellt der Landesobmann des Oberösterreichischen Bauernbundes, Landesrat Max Hiegelsberger, klar.
Vielfach werden die über 100 Almen im Bezirk Kirchdorf von Wanderern, Bergsteigern und Spaziergängern, aber auch von Kletterern oder Mountainbikern zur Ausübung ihres Freizeitvergnügens genutzt. „Dabei muss aber immer klar sein: Diese Flächen sind in erster Linie Wirtschafts- und Naturflächen ohne eine entsprechende Aufbereitung für die Freizeitnutzung und sind daher auf eigenes Risiko zu nutzen“, so Hiegelsberger. Natürlich ist bei den Almbauern die Beunruhigung derzeit groß, da im Falle eines Unfalls durch das Urteil in Tirol Konsequenzen drohen. Der Landesobmann rät jedenfalls, wie bei einem Runden Tisch zu diesem Thema in Tirol kürzlich angedacht, sich über den Umfang der Versicherungsleistungen im Rahmen der Betriebshaftpflichtversicherung zu informieren.
Hundeverbot?
Klar ist, dass die ansteigenden Zahlen an Erholungssuchenden das Befolgen klarer Regeln auf den Almen notwendig machen. Immer wieder kommt es zu Zusammenstößen zwischen Wanderern und Weidevieh, fast immer sind Hunde beteiligt. „Rinder sind grundsätzlich gutmütig, können aber auf Hunde oder zum Schutz der Jungtiere aggressiv reagieren. Vor allem bei Mutterkuh-Herden ist Achtsamkeit geboten. Der Hund als Nachfahre des Wolfes löst den Beschützer-Urinstinkt bei den Muttertieren aus“, erklärt Hiegelsberger.
Daher liegt auch ein Hundeverbot auf Almen im Bereich des Möglichen, es soll geprüft werden, wie ein Verbot rechtlich umgesetzt werden könnte. Ähnlich sieht auch Michael Gruber, Bezirksparteiobmann der FPÖ, die Problematik. „Hier ist beim für alle Hundehalter geforderten Sachkundenachweis anzusetzen, bei dem auf diese Problematik eingegangen werden muss, andererseits auch auf eine effektive Informationsschiene, auf welchen Wegen man auf Vieh treffen kann. Die Pflicht, sich darüber Kenntnis zu verschaffen, soll dann beim Wanderer liegen. Wird diese nicht eingehalten, ist er selbst und nicht der Weidehalter haftbar“, fordert Landtagsabgeordneter Gruber.
Gemeinsam Lösung finden
„Die Almen sind ein beliebtes Erholungsgebiet und die Schönheiten der oberösterreichischen Berg- und Hügellandschaft laden viele Touristen und Ausflügler zum Wandern und Entspannen auf den Almhütten ein“, so der Obmann des OÖ Almwirtschaftsvereins und Bürgermeister von Edlbach, Johann Feßl. Sowohl Politik als auch die Bewirtschafter von Almen wollen den Wandertourismus nicht von ihren Flächen aussperren, da die Nutzung der Almen für den Tourismus in vielen Fällen einen wertvollen Zusatzverdienst für die Almbauern schafft, aber es braucht klare Regeln für das Zusammenspiel von Mensch und Tier.
„Dieser Fall zeigt auch, dass es unsere Aufgabe ist, die stetig steigende Anzahl an Freizeitaktivisten in geordnete Bahnen zu lenken, um ein sicheres Miteinander zu gewährleisten. Träumereien, wie einer generellen Öffnung der Natur- und Ruhezonen, sind daher eine klare Absage zu erteilen“, sagt Michael Gruber.
Almbauern gefragt
Tips hat sich auch bei den direkt betroffenen Personen umgehört, also den Almbauern, die mit der derzeitigen Situation natürlich Verunsicherung spüren. Gerhard Lindbichler, Bürgermeister von Vorderstoder und selber Pächter einer Alm stellt klar: „Ich habe zwar selber kein Vieh auf der Alm, aber das Urteil ist das Ende der Almwirtschaft, wie wir sie kennen. Wenn dieser Richterspruch hält, dann wird es bald keinen Almbetrieb mehr geben. Dann werden die Leute schön schauen, wenn alles zuwächst und die Landschaftspflege dadurch vernachlässigt wird.“
Auch Ernst Kniewasser von der Stubwiesalm sieht das Urteil fatal: „Mit diesem Ausmaß hat keiner gerechnet.“ Die Almgemeinschaft der Region Pyhrn-Eisenwurzen hat schon vorige Woche einen Beschluss gefasst, der, so wird gehofft, auch halten wird. „96 Prozent der Touristen verhalten sich vorbildlich, die wollen und können wir nicht aussperren. Was es aber geben wird, ist ein Hundeverbot. Da haben wir selbst auch immer wieder die Erfahrung gemacht, dass das Weidevieh von den Hunden gejagt wurde“, so Kniewasser. Von einer Versicherungslösung hält er hingegen nichts. „Wir haben ein Problem und eine Versicherung ist dafür sicher keine Lösung“, erklärt der Almbauer von der Wurzeralm.
„Ob Hundeverbot, allgemeine Versicherungen oder andere Lösungen – wir werden uns für eine gesamtösterreichische Lösung einsetzen, damit kein Fleckerlteppich an regionalen Regelungen entsteht“, so Max Hiegelsberger abschließend.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden