Martin Osen holt vergrabene Schätze ans Tageslicht

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Susanne Winter, MA Susanne Winter, MA, Tips Redaktion, 24.09.2020 12:02 Uhr

MICHELDORF IN OÖ. Er gräbt nicht nur tief in der Geschichte sondern auch tatsächlich im Boden von Micheldorf: Martin Osen ist seit drei Jahren Obmann vom Verein Sensenschmiedemuseum und überwacht die Bauarbeiten, die seit Juli 2019 im Gange sind.

Schon vor über 400 Jahren wurden in der Region Sensen erzeugt. Unter Caspar Zeitlinger entwickelte sich das Sensenwerk in Micheldorf zu einem der größten Unternehmen der gesamten Monarchie. Um 1840 beschäftigte Zeitlinger 500 Mitarbeiter. Bis 1966 wurden in der Fabrik „Sensenhammer“ Sensen produziert. Seit 1978 ist das Werk ein Museum, das der Verein Sensenschmiedemuseum, mit derzeit rund 200 Mitgliedern, betreibt.

Feuchtigkeit in Gebäuden

Die Sanierung des Museums war bereits mehr als notwendig. Um die Feuchtigkeit aus den Gebäuden zu bringen, wurde das Bodenniveau auf dem gesamten Areal abgesenkt. Asphalt und Beton wurden entfernt, um den Vorzustand mit Schotterwegen, Grünflächen und Bäumen wiederherzustellen. Der Fluder, der bis vor etwa 100 Jahren als Werkskanal die Wasserräder antrieb, wird frei gelegt. „Wir haben Bodenbretter, die über 100 Jahre unter der Erde waren, ausgegraben und im Aushubmaterial viele Gegenstände gefunden – darunter Pfeifköpfe und Geschirr“, erzählt Martin Osen, der Leiter des Museums. Der Fluder wird derzeit restauriert und anschließend wieder mit Wasser gefüllt. Der Ross-Stall wird ebenfalls zurückgebaut. Er soll in Zukunft als Veranstaltungsraum dienen.

Authentizität im Museum

„Ziel unserer Arbeit ist es, das Erscheinungsbild zur Zeit Caspar Zeitlingers wieder herzustellen“, erklärt Martin Osen: „Ich möchte gerne zeigen, wie das Ensemble vor 200 Jahren ausgesehen hat, damit die Besucher in eine andere Welt eintauchen können, die genau hier stattgefunden hat.“ Dabei legt der Obmann viel Wert auf Authentizität. Zahlreiche beschädigte Objekte wurden bereits aufwändig restauriert. Darüber hinaus ist es gelungen, einen großen Teil der ehemaligen Ausstattung des Herrenhauses durch Schenkungen, Leihgaben und Ankäufe wieder an das Museum zu binden. „Es macht mir Spaß, Originalstücke aufzuspüren und ins Museum rückzuführen“, sagt Martin Osen, dessen eigene Familiengeschichte mit dem Micheldorfer Sensenwerk eng verbunden ist.

Nachfahre von Zeitlinger

Der 41-Jährige ist ein Nachfahre von Caspar Zeitlinger. „Meine Oma, eine geborene Zeitlinger, hat mir immer Geschichten erzählt, das hat mich als Kind sehr fasziniert. Mein Vater hat noch im Herrenhaus gewohnt“, erzählt Martin Osen, der in Micheldorf aufgewachsen ist. Nach dem Studium ist er ins Ausland gegangen und während dieser Zeit wuchs sein Interesse an der Heimat. „Ich habe recherchiert und festgestellt, dass es wenig über die Sensenschmiede zu finden gibt, obwohl es früher zwölf Betriebe in Micheldorf und insgesamt 40 in der Region gab. Es ist einzigartig, dass es so einen Industriebetrieb aus der Biedermeierzeit heute überhaupt noch gibt und auch die Inneneinrichtung großteils erhalten ist“, erzählt der berufliche Designer.

Verlorenes digital rekonstruieren

Mit dem Verkauf vor fünf Jahren an die Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege, kurz GLD, haben sich neue Möglichkeiten ergeben. „Es herrschte eine Aufbruchsstimmung auch von der Landespolitik kamen positive Signale“, berichtet Osen, der die analoge Arbeit im Museum als Ausgleich zum Beruf sieht: „Die Gebäude und Orte erzählen viel Geschichte. Das können digitale Pläne nicht ersetzen. Aber es gibt die Idee, Verlorenes digital zu rekonstruieren und mit ,augmented reality' sichtbar zu machen. Das heißt, in Zukunft könnten Besucher übers Handy virtuell vor Ort sehen, wie es dort früher ausgesehen hat.“

Hüter historischer Schätze

Martin Osen begeistert es, „dass wir vor der Haustüre einen Schatz haben, der fast vergessen war. Wenn man reingräbt und ins Detail schaut, erkennt man viele einzigartige Geschichten, die ich vermitteln möchte. Ich spüre auch eine gewisse Verantwortung, da ich noch viel aus Erzählungen weiß. Wenn man sich nicht aktiv um die Erhaltung kümmert, geht viel verloren.“

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